Der Ritter, den es nicht gab - Auf den Spuren von Italo Calvino
Shownotes
Wie erschafft man eine Welt, die zugleich aus Klarheit und Schweben besteht? Italo Calvino, einer der größten Schriftsteller Italiens, öffnete mit seinen Geschichten die Tore zu einer Wirklichkeit, die voller Poesie, Ironie und spielerischer Leichtigkeit ist.
Wir werfen in dieser Folge einen Blick auf einige seiner bekanntesten Werke: "Der Ritter, den es nicht gab", ein Spiel mit der Leere hinter der Rüstung. "Der Baron auf den Bäumen", eine Allegorie der Freiheit zwischen Himmel und Erde. Seine Sammlung der Italienischen Märchen, die Volksweisen in eine Sprache übersetzt, die allen zugänglich wird. Und natürlich "Wenn ein Reisender in einer Winternacht", in dem Leserinnen und Leser in die Irre geführt werden.
Wer war dieser sanfte Mann, den Jorge Luis Borges an seinem Schweigen erkannte, der aber zugleich so unerschöpflich produktiv und wissbegierig war, dass Cesare Pavese ihn das „Eichhörnchen der Feder“ nannte? Wie konnte einer, der so zurückhaltend auftrat, mit solch verspielter Ironie und Leichtigkeit ganze literarische Welten erschaffen?
Sein letztes großes Projekt, die "Six Memos for the Next Millennium", verdichtete seine Poetik in sechs Lektionen für die Zukunft der Literatur: Leichtigkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit, Anschaulichkeit, Vielschichtigkeit und die unvollendete sechste, die Konsistenz. Ein Vermächtnis, das zeigt, dass er bis zuletzt der Literatur alles zutraute.
Wir laden dich ein, Italo Calvino neu zu entdecken, einen Autor, der hierzulande leider noch viel zu wenig gelesen wird.
Unser Dank gilt Alix Gabele, die dieser Folge einen besonderen Auftakt schenkt und uns mit ihrer Stimme in "Den Ritter, den es nicht gab" hineinträgt.
Weitere Infos und Bildmaterial zu Italo und seinem Werk findet ihr auf unserem Instagram-Kanal: @lit.ermittlerinnen
Transkript anzeigen
00:00:00: Verwirrung herrschte zu jener Zeit, da unsere Geschichte spielt noch in den Dingen dieser Welt.
00:00:06: Damals konnte man nicht selten Namen,
00:00:09: Gedanken,
00:00:10: Formen und Institutionen finden denen keine Wirklichkeit entsprach.
00:00:16: Umgekehrt wimmelte es in der Welt von Gegenständen und Möglichkeiten und Personen die weder einen Namen trugen noch sich sonst vom Rest unterschieden.
00:00:26: Es war dies eine Epoche, in welcher der Wille und die beharrliche Bemühungen da zu sein.
00:00:31: Eine Spur zu hinterlassen sich mit dem Seienden auseinanderzusetzen noch nicht mit ganzer Kraft eingesetzt wurden, da sich viele Leute nichts daraus machten sei es aus Armut oder aus Ignoranz oder im Gegenteil weil ihnen alles trotzdem gut von der Hand ging weshalb sich denn eine gewisse Menge jener unverbrauchter Energien im leeren Auflöste.
00:00:56: Damals also konnte es geschehen, dass sich ein derart verflüchtigter Wille einen Selbstbewusstsein an einem Punkt zusammenbalte wie sich der kaum wahrzunehmende Wasserstaub zu Wolkenflocken verdichtet und das diese Kräfteansammlung sei es durch Zufall, sei ist durch Instinkt in einem Namen oder Adelsgeschlecht wo es in jenen Zeiten häufig Vakanten gab In den oberen Rängen einer militärischen Organisation, an der Stelle wo unerledigte Aufträge und feste Regel sich kreuzen oder auch – und dies vor allem in einer leeren Rüstung ihren Niederschlag fand.
00:01:36: Denn in der gearteten Zeitläufen drohte auch einer existenten Person die Gefahr zu verschwinden von jemandem, denen es nicht gab ganz zu schweigen!
00:01:46: Und so hatte denn Agilulf Dera von Gildiverne mit seinem Wirken und seinen Rumestaten begonnen.
00:02:04: Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Die Literatur mittlerin!
00:02:09: Ich bin den Leisner, und mir ging über sitzt...
00:02:13: Jelena Molic.
00:02:14: Schön Dass du heute auch wieder da bist.
00:02:17: Wir haben es uns gemütlich gemacht in Jellinas Wohnung und sind bereit, über jemanden zu sprechen der diesen Text geschrieben hat den wir gerade gehört haben.
00:02:26: Und das war ist Italo Calvino
00:02:30: Genau!
00:02:31: Wir beginnen jetzt eine Reise In die italienische Literatur in der Nachkriegszeit Erinnern uns eigentlich an einen großen Schriftsteller, der langsam schon in Vergessenheit geriet.
00:02:53: Wird nicht sehr viel über ihm gesprochen und das deutsche Publikum hat eben einige seine Werke gerne gehabt und er war ich glaube auch Bestseller.
00:03:05: aber mittlerweile ist er ziemlich... vergessen und es herrscht eben viel stille um ihn herum.
00:03:15: Wir wollen jetzt an seine Werke erinnern, euch dazu eigentlich motivieren wie da seine Bücher in die Hände zu nehmen und sich ein paar Tage wunderschöne fantastische Reise zu
00:03:30: gönnen.".
00:03:31: Wir wollen ihm dem Platz wiedergeben der ihn jetzt so lange vergönnt war oder nicht vergönnte.
00:03:37: Und wir haben gerade einen Ausschnitt gehört, aus einem Werk, was er in den letzten Jahren in der Mitte von neunundfünfzig geschrieben hat.
00:03:44: Es nannte sich der Ritter, den es nicht gab.
00:03:48: Das hat man vielleicht schon ein bisschen herausgehört.
00:03:51: Es ist tatsächlich eine Geschichte um ein Ritter Agilulf genannt und das Besondere ist dass es ihn gar nicht gibt.
00:04:00: Und da denkt man erstmal... Wenn man dieses Buch in der Hand nimmt, was erwartet mich jetzt?
00:04:05: Was kann das für eine Geschichte sein über jemanden, den es eigentlich gar nicht gibt.
00:04:08: Und wenn ihr aber anfängt ist zu lesen, werdet ihr so schnell in den Bannen gezogen werden, weil das ist eine Geschichte bestehend aus so schönen Bildern, so viel Fantasie und auch so viel Ironie, dass man da so schnell im Bann gezogen wird und da eigentlich auch gar nicht mehr raus möchte.
00:04:27: Gleich kurz Zusammenfassung, worum geht's da?
00:04:29: ... Also wir haben diesen Ritter Einen sehr dienstnicht gibt.
00:04:34: Man sieht ihn, er hat seine Rüstung an und würde mal das Visier aufklappen ist da nichts Und erst entstanden aus der allein den Willen zu sein aus dem Willen der Gedanken und aus der Idee des Ritter-Tums.
00:04:49: letztendlich, weil was er verkörpert ist wirklich dieses extreme Pflichtbewusstsein.
00:04:53: Das ist jemand, der sich extrem an die Regeln hält, das Militärs, die Ehre bekannt, wer sich ein bisschen beschäftigt hat auch Mittelalter wie wichtig diese Ehre des Ritters war und wie viel Ritual geprägt das auch war.
00:05:08: Das wird ja sehr fantastisiert oder sehr idealisiert, diese Idee des entsteht, ist sozusagen nur aus diesem Gedanken heraus entstanden.
00:05:16: Kann man das so sagen, Jelena?
00:05:18: Dass er so eine... Wie würdest du beschreiben was dieser Ritter, den es eigentlich gar nicht gibt?
00:05:23: Also diese ganze Spiel oder überhaupt diese Idee Ritter der es nicht mehr gab oder der es nichts gibt?
00:05:37: wir haben mehrere.
00:05:39: Das ist ein Motiv in der italienischen Literatur im Nachkrieg oder in der Nachkriegszeit.
00:05:47: Und ein der bekanntesten ist eigentlich Luigi Pirandello, mit seiner Drama und seinem Werk sechs Personen auf der Suche nach einem Autor wird ich glaube immer noch ab und dann in den deutschen Theatern eben gespielt.
00:06:08: Und Luigi Pirandello hatte eine Geschichte geschrieben über einen Mann, der seinen Ausweis vergessen hat bzw.
00:06:17: verloren hat und den gibt es nicht mehr.
00:06:20: Der hat Schwierigkeiten überhaupt sein Dasein zu beweisen.
00:06:25: Dann gab es auch ganz viel.
00:06:27: bei Dino Buzati, haben wir solche Figuren die es überhaupt nicht gibt oder geben kann.
00:06:36: Und dann entwickelt man eigentlich eine ganze Existenz.
00:06:41: und in Grunde genommen ist das von Anfang an eine Tautologie, wir schreiben oder wir lesen einen Roman über jemanden den es nicht gibt.
00:06:53: Wie kann man überhaupt Geschichte entwickeln?
00:06:57: Und Geschickte erzählen über etwas was nicht existiert?
00:07:01: Und gerade da liegt eben die Besonderheit von dem Werk von Italo Calvino, das einerseits sehr experimentell ist und sehr modern und postmodern sein möchte.
00:07:22: Aber auf der anderen Seite überhaupt nicht zu dieser cubistische... Unterkühlte Welt der postmoderne, von Rollernbad durchdachte.
00:07:38: Also Phase passt.
00:07:42: Italo Calvino ist etwas
00:07:44: anders.".
00:07:46: Und also kann man sagen dass dieser Agilulf eigentlich nur so eine Art abstrakte Idee des Ritterthums ist?
00:07:53: einerseits.
00:07:54: Anderseits ist er auch ein Schatten von Don Quixote, ein Schaden von einem Ritter der kein Ritter war sondern ein Verrückter
00:08:08: war.
00:08:09: also er sublimiert sehr viel aus der Weltliteratur eigentlich in einer Figur die noch Dazu so, glaube ich heisst.
00:08:24: Genau!
00:08:25: Diese Namen, das zieht sich so ein bisschen auch in der ganzen Geschichte.
00:08:30: Also einmal treffen wir auch Karl den Großen.
00:08:32: Der spielt eine Rolle und er bringt ihn mit dem...
00:08:34: Aus dem Meer, wo taucht er auf?
00:08:37: Und
00:08:37: dann denkt
00:08:37: man, was magst du hier?
00:08:39: Genau!
00:08:40: Also der ist da auch aus dem Schlachtfeld zugegen.
00:08:43: Dann treffen wir noch Rambald.
00:08:45: Rambwald ist ein junger Ritter, der den Vater rechen will und der sich dann an die Kriegerin Bratmante verliebt, die aber wiederum an den nicht existierenden Ritter und ihnen schieße ich auch rettet.
00:08:58: Dann tritt auch noch jemand mit dem Sperring namen Torres Mund aus.
00:09:02: Und das ist dann auch so ein bisschen der Knackpunkt der Geschichte, weil er sagt nämlich dass Agilulf gar keine Jungfrau gerettet hat.
00:09:10: Warum ist das interessant?
00:09:11: Um sozusagen an die Ritter Ehre zu bekommen gilt es ja nur, wenn man bestimmte Heldentaten vollbracht hat und dazu gehörte unter anderem eine Jungfraud zu retten.
00:09:21: Jetzt taucht halt dieser Torres Mund auf und sagt naja aber hier Agilulph Das war keine Jungfrau, woher ich das weiß?
00:09:27: Das war meine Mutter.
00:09:29: Und es geht ja nicht ... Ich war schon geboren, also Mama, keine Jung-Frau mehr Problemen.
00:09:35: und was dann Agilulf macht ist, dann begibt er sich auf dem Weg und will diese ehemals angebliche Jungfrauf finden um seine Ritterähre wieder
00:09:44: herzustellen.".
00:09:46: Interessant ist auch, wir haben so einen kleinen Exkurs.
00:09:48: Wir treffen die Ritter des Heiligen Grals, weil Thoris Mund unterwegs ist und möchte gern seinen leiblichen Vater finden.
00:09:55: Und ihm wurde gesagt es ist ein Ritter, der bei den Rittern des Heiligens Grals ist, die sich aber nur als sehr obscure und brutale Sekte herausstellt.
00:10:03: Also vollkommen disillusioniert kehrt er dann zurück.
00:10:08: Im Endeffekt stellt sich aber raus das nicht die Mutter von Thorys Mund war sondern seine Schwester Aber das Erfährt-Agelöw gar nicht mehr.
00:10:16: Also er erfährt nicht mehr, dass seine Ehre eigentlich gerettet ist und er löst sich dann tatsächlich auf weil mit der nicht vorhandenen Ehre kann er ja auch nicht mehr existieren.
00:10:27: Und er vererbt dann seinen Schwert an den Rammwald von dem ich vom gesprochen habe Und dieser kommt dann mit der Bradamante zusammen und dann geht es alles gut auf.
00:10:36: Das klingt jetzt alle so ein bisschen an den Haaren herbeigezogen, wenn man das so erzählt.
00:10:41: Es geht auch die Märchen, da kann man nachher noch mal zynterienischen Märchen.
00:10:45: Aber ist es wirklich extrem lesenswert?
00:10:47: Und diese absurde Geschichte hält einen wirklich gefangen!
00:10:52: Auch schon durch diese Ironie, diese Sarkasmus, den Carvino da auch einsetzt oder mit dem er da schreibt.
00:10:58: also ein unglaubliches Lese vergnügen.
00:11:01: Es ist ein Spiel, also von Anfang an ist das ein Spiel und im Leser nicht.
00:11:08: dass jetzt eben unsere Zuhörer Angst bekommen und sagen so einen Chaos, das tue ich mir ja nicht an.
00:11:15: es ist ein spiel und der leser wird hineingesaugt, nicht hinein gezogen, sondern regelrecht hinein gesaugt und zwar auf eine ganz Fantastischer Art und Weise, die man die Italo Calvino immer verwendet.
00:11:34: Nämlich der Leser wird Mitspieler.
00:11:40: Er wird selbst eben der Handelnde.
00:11:44: Und das ist etwas was wirklich ganz besonders ist.
00:11:50: Trotz allen diesen Namen, mit denen man beworfen wurde, so die Regelrecht wo man denkt oh Gott wie komme ich aus diesen ganzen Kuddelmodel raus.
00:12:04: Das beim Lesen ist das alles unheimlich glatt und leicht und es fließt und man liest das mit wahnsinnig viel Neugierde.
00:12:18: und alle diese ganz komische Einwände, nein, die ist nicht Jungfrau.
00:12:23: Sie ist meine Mutter, wo man denkt, klar was ist jetzt hier los?
00:12:27: Und dann ist es auch noch die Schwester und mit der übrigens auch noch schläft und kurz denkt dass das jetzt die Mutter mit der geschlafen hat also wirklich in Verwicklungen.
00:12:35: Aber wenn
00:12:36: man wirklich ein wenig... Also wenn man gern ein richtig passioniertes Leser ist und die Weltliteratur kennt Und auch die unterschiedliche Phasen der Weltliteratur und auch die griechische Mythologie eben absolviert hat.
00:12:54: Die mittelalterliche Sagen, alles was eigentlich ein Leser wirklich in seinem Leben durchmarschieren oder durcheinander marschiert hat als Kind, als Jugendlicher.
00:13:07: Dann sieht man dass das eigentlich fast ein Überblick über Weltliteratur ist.
00:13:18: Also da tauchen alle Figuren und alle so... Metaphorische Einwände, wo man denkt, das hatte ich schon mal irgendwo gelesen.
00:13:30: Was ist das?
00:13:30: Ist es vielleicht ein Leungrin oder Tristan?
00:13:35: Da ist ganz viel aus der deutschen Mythologie und in Belungen.
00:13:41: Und da ist auch Beowulf und da ist Lusitana sind also alle diese mittelalterliche... Spiele und Texte werden dann hineingeworfen, durchgemischt.
00:13:58: Und natürlich am Ende löst sich eben die Hauptfigur in Luft auf.
00:14:05: Das muss auch so sein!
00:14:06: Ein anderes Ende wäre irgendwie gar nicht zu erwahrt, weil was nicht ist kann ja auch dann letztendlich nicht weiter existieren.
00:14:12: Aber damit unsere Zuhörer jetzt wirklich einen wenig Durchblick bekommen... Kannst du was eben über Italo Calvino uns erzählen?
00:14:22: Ja, natürlich.
00:14:24: Italo Calvino.
00:14:25: Ich bin ja, wer uns schon öfter gehört hat, der weiß dass ich immer diejenige bin, die so ein bisschen ganz tief in die Biografie unserer Liebenautoren und Autorinnen eintaucht und Jelena dann immer noch die wichtigen Sachen sozusagen ergänzt.
00:14:42: Und natürlich möchte ich euch auch nicht vorenthalten Wer war eigentlich Italo-Calvino?
00:14:46: Wie kam er dazu auch solch einem wunderbar?
00:14:48: Das ist nicht das einzige allegorisch fantastische Werk was er geschrieben hat.
00:14:52: Da haben wir noch einiges.
00:14:54: nur der Baron, der auf den Bäumen auch nochmal sehr spannend kommt.
00:14:59: Da kommen wir bestimmt gleich noch mal dazu.
00:15:02: Italo Galvino wurde geboren am fünftzehnten Oktober neunzentunddreinzwanzig und nein nicht in Italien!
00:15:10: Und da fängt vielleicht das interessante Leben auch schon an sondern er ist auf Kuba geboren.
00:15:15: Warum seine Eltern?
00:15:17: Das war Mario Calvino, Agrarwissenschaftler Und Evelina Mamelli, die Botanikerin war.
00:15:25: Also Eltern, die wirklich so aus der Wissenschaft kamen viel geforscht haben und deshalb auch auf Kuba waren.
00:15:32: Eigentlich wollten sie gerade zurück nach Italien und dann hat aber Eveline festgestellt, sie ist schwanger.
00:15:37: Dann hat man erst mal in die Überfahrt abgebrochen und ist dann etwas später nach Italie wieder gereist.
00:15:44: Da war halt auch Caivino Italo schon geboren Und im Jahr und zwanzig, also zwei Jahre später da war Italo II sind sie nach San Remo zurückgekehrt.
00:15:56: San Remo liegt in Ligurien an der Grenze zu Frankreich?
00:16:01: Warst du da schon mal?
00:16:02: Kennst du die Gegend?
00:16:03: Ja!
00:16:05: Heute ist San Remo.
00:16:06: eigentlich ist Sanremo ein Welt bekannt geworden durch einjährliche Musikwett.
00:16:17: Also italienische Schlager wurden da jährlich eben in einen Wettbewerb geschickt.
00:16:25: und da ich ein bisschen älter bin, ich kenne ganz viele Hits die in San Remo gewonnen haben.
00:16:35: Zum Beispiel?
00:16:36: Das ist auch da Marina, meine Mutter wollte mich Marina nennen.
00:16:46: Gott sei Dank mein Vater hat sich durchgesetzt.
00:16:49: so bin ich hier lena geworden.
00:16:52: Also San Remo ist dadurch weltbekannt geworden.
00:16:55: an sich ist das ein städtchen sehr malerisch sehr schön und auch mittlerweile sehr reich.
00:17:03: natürlich weil das klima ist sehr angenehm Gut betuchte, es gibt kaum Industrie.
00:17:12: Also gut betuchten Bewohner halten ihre Stadt immer noch im Schuss.
00:17:20: San Remo ist auf jeden Fall ein Besuch
00:17:23: wert!
00:17:24: Und Calvino ist auch in einer schönen Villa aufgewachsen.
00:17:27: Der Villa Meridiana muss mir vorstellen, mit einem riesigen Garten.
00:17:31: Logisch passt er zu den Eltern wo der Vater dann auch Avocado versucht hat anzubauen und andere viele seltene Pflanzen.
00:17:38: Da hat auch Calvina mal gesagt wenn er durch den Garten gelaufen ist überall stand wie lateinischen Namen der Pflanzen.
00:17:44: also sozusagen der Ort wo er gelebt hat war gleichzeitig geprägt durch die Beruf seiner Eltern.
00:17:49: Und ich habe schon gesagt, er in der Tuwissenschaft spielte eine große Rolle.
00:17:52: Er wurde auch sehr agnostisch und non-performistisch erzogen hat seine Erziehung aber auch als sehr repressiv empfunden.
00:17:59: also da herrschte auch eine gewisse Strenge in seiner Beziehungen zu seinen Eltern.
00:18:05: und er hat auch mal gesagt meine Eltern die waren sehr starke Persönlichkeiten wo es vielleicht auch schwer war sich dann selbst als Kind seinen Platz zu finden sich zu beweisen.
00:18:14: Er hatte auch einen Bruder, ein kleinem, der hieß Floriano.
00:18:17: Und so ist er da sozusagen aufgewachsen und erst ins Gymnasium gekommen war aber nie wirklich ein guter Schüler.
00:18:24: Er hat sich sehr interessiert fürs Kino also für dieses Bild.
00:18:27: Bilder spielen auch später eine große Rolle die er dann eher durch seine Werke also diese Bilder beschreiben, was besonders darstellt.
00:18:34: Er sagte auch sein, mein Werk muss immer mit einem schönen Bild enden, was er möchte und was dem Leser noch lange im Kopf bleibt.
00:18:40: Etwas das nicht vergeht also die Bilder.
00:18:43: Er hat Comics gezeichnet, hat auch Karikaturen in der Schule mit einem Freund.
00:18:49: Da war ein kleiner Wettbewerb.
00:18:50: Hat dann den Titel bekommen dümmste Karikatur des Jahres und hat sich da schon ein bisschen seine kreative Ader auch sehr gut gezeigt.
00:19:00: Und er wollte zunächst schriftsteller fürs Theater werden, das war so sein Weg.
00:19:06: Er hat dann ausreichend bestanden in der Abitur.
00:19:12: Und hat sich dann ein bisschen in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten, hat sich an der landwirtschaftlichen Fakultät in Turbin in Agrarwissenschaften eingeschrieben um dann da zu studieren.
00:19:26: Aber wir sprechen von unheimlich aus, es war keine einfache Zeit und wir befinden uns im zweiten Weltkrieg wenn wir das einundvierzig.
00:19:41: sein Studium unterbrochen, also hat nicht lange studiert und hat dann sich später zum Ende des Zweiten Weltkriegs einer Partisangruppe angeschlossen.
00:19:53: Da ist die Kapitulation Italiens.
00:19:58: Und eben die Resistenz oder die Widerstande in Italien war von Anfang an ziemlich stark.
00:20:06: Die Partisangruppen waren besonders in Norditalien sehr, sehr stark und ab dreiundvierzig natürlich Besonders.
00:20:18: Dann haben die an der Seite von der Alliierten
00:20:20: gekämpft.".
00:20:21: Genau, er hat sich also zum Untergrund der italienischen kommunistischen Partei angeschlossen und hat dann in der zweiten Sturmdivision Garibaldi gekämmt.
00:20:31: Sein Deckname war San Diego, ein bisschen mit Zucker zu Kuba, und hat auch in den logorischen Bergen gekämft gegen die faschistische Milizen und die deutschen Besatzer.
00:20:43: Das ging auch so weit, dass seine Eltern von den Deutschen zippenhaft genommen wurden.
00:20:49: Es ist aber nichts passiert und sie sind da gut wieder rausgekommen.
00:20:52: Und er wurde verhaftet, vielenvierzig wegen konspirativen Aktivitäten schafft es aber zu fliehen was sein Glück war weil wir wissen alle das dann nicht zögerlich umgegangen wurden.
00:21:01: die meisten wurden einfach erschossen.
00:21:02: Die Partys sahen die Deutsche vor allem in den Händen gefasst haben Und er nahm im März, noch an einer Schlachteil, die Schlacht vom Bajardo.
00:21:12: Das war so eine Letztenspartisan-Kriegis und hat das zum Glück auch überlebt, hat es geschafft oder hat auch später mal in einer Erzählung darüber berichtet über diese Schlacht.
00:21:21: Ja, dann war Italien befreit der Zweite Weltkrieg zu Ende.
00:21:30: Im Was für ein Italien befinden wir uns denn dann?
00:21:33: Jelena nach Nr.
00:21:38: Ja, das ist ein Italienfunkkrieg gebeutet.
00:21:45: Das ist auch immer noch heute das Problem nicht so richtig zusammengewachsen, also sehr regional aufgeteilt eigentlich und das ist eine Land wo in der Literatur, Neorealismus eben ganz wichtig ist.
00:22:16: Es ist ein Land das sehr nach links orientiert war also vor allem es ist aber auch sofort nach dem Krieg geschieht wiefalls in allen europäischen Ländern das berühmte Wirtschaftswunder.
00:22:38: Die Wirtschaft beginnt zu florieren und die Menschen leben besser, natürlich.
00:22:48: Aber ein bisschen später als in Deutschland?
00:22:53: Es geht immer um Nord- und Süditeiten.
00:22:56: Mittelitalien eigentlich auch oben ist ja irgendwie also die Grenze, die ganze Zeit.
00:23:03: Und wenn wir darüber sprechen, sprechen wir eigentlich hauptsächlich über Norditalien weil Süditalien ist wirklich Geschichte für sich und da werden mir auch später haben wir jetzt gerade festgestellt Wir müssen noch ein paar Autoren aus Italien eben hier besprechen Die vergessen wurden beziehungsweise die nicht so so sehr bekannt sind in Deutschland.
00:23:30: Aber das ist ein Italien, dass wir eben vordergründig aus den Filmen kennen.
00:23:36: Wir kennen Vittorio di Sica, wir kennen eben Miladri di Picicletta also die.
00:23:47: Wir kennen auch Silvana Mangano als ein Filmstar und das ist die Zeit von Junge Sofia Loren, der dann mit ihren fantastischen Filmen beginnt.
00:24:01: Und Marcello Maistriani sind so Filme, die meine Kindheit sehr geprägt haben.
00:24:09: Sehr gerne gesehen.
00:24:10: und diese ganze Welt, dieser Welt der ärmlichen Arbeiter die in Vororten der Großstädten leben.
00:24:21: Kinder, die hauptsächlich auf der Straße aufwachsen.
00:24:24: Familien mit ihren finanziellen und persönlichen Problemen zu kämpfen haben, die politisch auch Schwierigkeiten haben.
00:24:36: Also sehr viel passiert natürlich in sogenannten Vergangenheitsaufarbeiten.
00:24:44: nicht vergessen.
00:24:45: also Italien war faschistisch.
00:24:46: Italien hatte auch Faschismus verarbeiten müssen was nicht so richtig gelangt und das sehen wir heute Im Kunst, besonders in der Literatur, passiert eine ganze Menge.
00:25:04: Bis sechziger Jahren ist das Neorealismus geprägt.
00:25:07: Sechzigern beginnt eben eine neue Ehre und da merken wir eigentlich ... Italo Calvino hat seinen Roman, ich glaube, die war in den Nr.
00:25:25: einen Jungen, der während des Widerstands im zweiten Weltkrieg kämpft.
00:25:30: Also das ist...
00:25:32: Wo spinnen ihre Nesterbauen?
00:25:33: Genau wo die spinnen ihren Nesterbauern.
00:25:42: Und dann später hatte er wieder so ein Roman veröffentlicht, die jungen Leute, i giovanni del po, eine Sammlung von Kurzgeschichten.
00:25:55: Auch sehr geprägt von der Zeit und Zeitgeist in Italien.
00:26:05: Das ist nur noch eine ganz kurze Sache, das ist eben ein ganz besonderes ... Es ist besonders die Bilder, die man eben im Kopf hatte aus dieser Zeit sind sehr prägnant.
00:26:20: Die Schönheit der italienischen Geschichte ist da.
00:26:26: Da ist auch die italienische Renaissance und also alles was wir so sehr in Italien lieben ist da.
00:26:36: aber da ist auch der Krieg Und die Armut und diese Mischung, die kennen wir eigentlich nicht hier in Berlin oder vielleicht in anderen Städten.
00:26:50: Aber diese Mischen zwischen Schönheit und Brutalität des menschlichen Handels ist etwas was ich glaube Jungen Kalvino sehr prägt und auch die ganze Generation der jungen Autoren unter denen Ganz viele sind.
00:27:11: In Natalia-Ginsburg, also Alberto Moravia... Die sind mehr oder weniger gleichaltrig.
00:27:20: Manche sind jünger, manche sind älter und Umberto Eco, Luigi Malerba.
00:27:29: Die werden oder die sind alle von dem selben Geist eigentlich getragen Wunsch, dass eine neue Zeit einbricht und das die Realität so hässlich und brutal wie es sein kann eigentlich noch was braucht.
00:27:51: Und die Flüchten fast alle, fast alle flüchten eigentlich in die Literaturwissenschaft.
00:28:01: Das ist Echo, das ist Malerba, das is Calvino.
00:28:07: Das heißt, die beginnen eben über das Buch den Text nachzudenken.
00:28:13: Die beginnen zu experimentieren und was aus der Tradition erwischt ist diese Fantasie.
00:28:21: Die Fantasies, die wir eigentlich natürlich aus de Camerone kennen also aus italienischer Renaissance und noch früher.
00:28:32: Also Dante ist allgegenwärtig und überall präsent Aber auch italienischer Barock.
00:28:40: Barock, der mit allen seinen Facetten und Farben... Und die sind eigentlich alle so... Das ist eine wahnsinnig spannende und sehr inspirierende Menschmischung.
00:28:54: Und Italo Calvino dadurch, dass er so aufgewachsen ist in einer Familie wo beide Elternteile Wissenschaftler waren.
00:29:03: Und zwar Naturwissenschaftler Der hat diese... Sehr interessante Kombination.
00:29:10: Der Hatagra wird schon angefangen zu studieren, das heißt eben der ist in einem Garten groß geworden.
00:29:16: Der ist zwischen eben lateinischen Namen von unterschiedlichen Pflanzen großgeworden.
00:29:22: Der konnte auch perfekt Latein.
00:29:24: Das war nachdem was ich weiß ein der seltenen Fächern die ihn wirklich in der Schule interessiert haben.
00:29:33: und man merkt also der hat Ovid gelesen quer also diese Mischung zwischen einem rassigen Schriftsteller, aber auch gleichzeitig Wissenschaftler.
00:29:48: Ein Gehirn oder ein Intellekt der sehr theoretisch denken kann einerseits, aber andererseits sich komplett in Fantasie auflösen kann.
00:30:00: Und zunächst war es ja auch so, dass er nach seiner Erfahrung – das hattest du gerade schon beschrieben mit dem Werk Wo Spinnen ihre Nester bauen.
00:30:07: Dass er erst mal dieses Ganze verarbeitet hat natürlich.
00:30:10: Seine Erfahrungsresistenzer als Partisan, das hat der dann Artikel verfasst, war weiterhin noch erstmal aktiv in der kommunistischen Partei Italiens und da ist er genau an diesen linksliberalen Kreis von dem du gerade berichtet hast, ist er da eingetreten und zwar dadurch, genau die angefangen hat zu arbeiten.
00:30:32: Und da war er erst so eine Art fliegender Buchverkäufer dann in der Presse- und Werbeabteilung, also der hat so Tite sich überlegt, Klapptexte verfasst, Umschlagrückseiten, Werbetexte
00:30:45: etc.,
00:30:46: das war sozusagen damit erstmal angefangen dort zu arbeiten und es war viele Jahre lang hatte er noch im Lektorat gearbeitet bis einundsechzig in diesem Verlag.
00:30:57: Und da kam er in diesen Kreis rein.
00:31:00: Da war Natalia Ginzburg dabei, Césare Pavese
00:31:04: ... César
00:31:05: de Pavese, klar!
00:31:06: Meine Aussprache mal italienisch ist leider nicht so gut.
00:31:09: und Felice Balboe, das war ein Philosoph Massimo Mila im Musikwissenschaftler.
00:31:14: Da gab es wirklich verschiedene Paolo Serini vielleicht noch genannt.
00:31:18: Also auch ehemalige Weggefährten schon seit der Resistenze mit denen hat er ganz eng zusammengearbeitet zu sein diese linksliberale Intelligenz und Intelligenten, die ja geprägt haben einfach auch so die Literatur der nächsten Jahre.
00:31:35: Was ihn sehr mitgenommen hat Pavese ist dann da in den Neunzehntfünfzig gestorben, er hat leider selbstmord begangen.
00:31:41: Nicht nur er auch das ist Levy, dass es die Zeit von Levy eigentlich auch Selbstmord bekannte.
00:31:49: Also viele diese Erfahrungen aus dem Faschismus nicht Ja, genauso wie Jean Améry.
00:32:01: Das sagen wir nicht, dass sie überleben
00:32:04: konnten.".
00:32:05: Und das war für ihn ein sehr harter Schlag, weil Pavese auch derjenige, der ihn entdeckt hat, der den auch sozusagen gefördert hat bei seinem Werk Wo Spinnen ihre Nester bauen.
00:32:13: und Pavese hat ihn auch mal bezeichnet noch als Einhörnchen der Feder.
00:32:19: Das war so ein ... So wurde er als Eichhörnchen der Feder.
00:32:23: Weil es ja so flink war, aber so eine ganz spannende Bezeichnung auch, Eichhornchen der Feder.
00:32:29: Absolut und dann können sich unsere Zuhörer sofort eben vorstellen wie Ausa.
00:32:37: Der war ein ganz kleiner Mann zierlich sehr dünn, schmächtig mit einem Ganz freundlichen Gesicht, sehr wachen Augen.
00:32:54: Eine gewisse Schnelligkeit war bei ihm immer zu merken also eine gewisse Nervosität auch im Reden und der hatte nie so geredet wie die.
00:33:06: manche Autoren die ihre Größe so bewusst sind, reden im Sinne von ich verkunde jetzt die Wahrheit der Welt.
00:33:17: Nein ganz anders!
00:33:19: Der war eine zutiefst private Person und das ist auch die Zeit von Eugenio Montale.
00:33:28: Diese Zeit der italienischen Literatur ist mitunter in der spannendsten Zeit in der Weltliteratur.
00:33:36: Da wimmelt wirklich von fantastischen Werken.
00:33:43: und natürlich Italo Calvino als jemand, der als Lector in einem der wichtigsten Verlagen eben Italiens jahrelang gearbeitet hat.
00:33:54: Hat er das alles gelesen?
00:33:56: Er hat sie alle kennengelernt und stille in seiner Camerline!
00:34:03: hat er eben an eine große Trilogie gearbeitet.
00:34:08: Genau, und
00:34:08: da haben wir ja schon ein Werk dieser Trilologie haben wir auch schon vorgestellt der Ritter, den es nicht gab Und dazu gehörte auch der Geteilte.
00:34:17: wie's konnte und hatte ich auch schon erwähnt Der Baron auf Den Bäumen und das war alles.
00:34:25: sozusagen Paste rein diese allegorische fantastische Literatur.
00:34:30: und vielleicht noch mal kurz zu den Baron auf dem Bäumen.
00:34:33: Das möchte ich nochmal, das war auch... Ich habe auch das Werk, ich kannte es vorher, also ich hab's schon einmal gehört aber ich hatte es nicht gelesen.
00:34:39: und Jelena hat gesagt auch im Vorbereitung du musst das erstmal hier lesen sonst kannst wir gar nicht mit deiner Biografie erst mal lesen und dann kannst du ein bisschen recherchieren.
00:34:49: Und der Baron auf den Bäumen Ja, kann man sich erst mal nicht vorstellen.
00:34:54: worum geht es da?
00:34:55: und es ist tatsächlich wie der Titel sagt.
00:34:57: Also Titel beschreibt ja immer eigentlich schon so.
00:35:00: das Hauptmotiv des Buches ist und hier auch Es geht um einen
00:35:03: Baron
00:35:05: Cosimo Piavasco di Rondo.
00:35:08: War das richtig ausgesprochen?
00:35:10: Ja, denke schon!
00:35:11: Sehr schön.
00:35:12: Und der ist als die Jünger, so zehn, elf muss er ungefähr sein und kommt aus einer Adelsfamilie.
00:35:20: Nicht sehr reichen mittelreiche Arbeitsfamile in Ligurien.
00:35:25: Und da gibt es einen Vorfall während des Essen, er sitzt da mit seinem jüngeren Bruder, der auch die ganze Geschichte erzählt.
00:35:34: Der älteren Schwester, die anscheinend ein sehr unangenehmer Zeitgenossen ist, denn die packt immer Dinge für die Küche verantwortlich und packt auf den Tisch, die keiner mag – unter anderem diesmal Schnecken!
00:35:47: Und Cosimo hat überhaupt keinen Bock auf diese Schnecken und will die nicht essen, wird aber mehr wie gezwungen.
00:35:51: Er soll das jetzt hier essen und da beschließt er nach diesem Vorfall und sagt Jetzt reicht es mir ich gehe jetzt lebe auf den Bäumen.
00:35:59: Was er macht ist dass er dann in die Garten geht.
00:36:02: Da ist eine Eiche im garten und da begibt er sich hinauf.
00:36:05: der Vater denkt noch naja Das sind irgendwelche komischen Dummheiten und er wird schon bald wieder runter kommen.
00:36:09: Aber nein bis zu seinem Lebensende wird Cosimo auf den Bäumen liegen.
00:36:14: Und es fragt sich vielleicht, fragt ihr euch auch, was kann das für eine Geschichte sein?
00:36:17: Jemand, der auf den Blumen liegt ... Nein!
00:36:19: Da steckt so viel drin.
00:36:21: Denn Cosimo erlebt so viel Zeit seines Lebens auf diesen Bäumen.
00:36:26: Er kann dort verfolgt, dörfliche Ereignisse.
00:36:29: Weil alles miteinander verbunden ist natürlich.
00:36:32: Also er hat halt durch die Möglichkeit um sich von einem Baum aufeinander zu schwingen da auch die ganze Umgebung kennenzulernen.
00:36:37: er nimmt auch an familiären festen Teil wie die Hochzeit dieser ungelebten Schwester.
00:36:43: Er verliebt sich auch.
00:36:44: seine große Liebe ist Viola eine Nachbars Tochter.
00:36:47: Er freundet sich mit einem Räuber an der aber auch sehr lesewütig ist und den beschafft er dann die Bücher.
00:36:52: Er hilft mit ein Feuer zu löschen.
00:36:55: auch ein Wachschutz, wo sich die ganze Gemeinschaft zusammen tut und dafür sorgt das nichts mehr zu brennen, dass nicht mehr zu bränden kommt.
00:37:01: Er bekämpft Piraten, sein betrügerischen Onkel... er wird Freimaurer!
00:37:08: Er schreibt auch an Rousseau, an Voltaire.
00:37:11: Hier vorhin war es Karl der Große.
00:37:13: also diese großen persönlich geschichtlich wichtigen Persönlichkeiten kommen bei ihm vor.
00:37:18: Er spricht mit Napoleon von Kindesalter an.
00:37:21: bis er in den Kreis wird lebt er auf diesen Bäumen.
00:37:26: Eine wundervolle Geschichte.
00:37:28: und jetzt fragt man sich vielleicht auch am Ende, kommt er irgendwann mal runter?
00:37:32: Und ich möchte nicht zu viel verraten aber ich sage mal so auch am ende weil es wird genau beschrieben wie er dann letztendlich stirbt, wird er nicht auf den Boden landen sondern wird eine ganz poetische Form sozusagen des Todes finden.
00:37:46: ja und das sind diese drei Bücher die sich in dieser Triologie bilden Und für die er dann mit der auch international bekannt wurde.
00:37:57: Also das war dann auch so der Durchbruch von ihm.
00:37:59: und man muss auch sagen, Talo Calvino ist in Deutschland leider haben wir am Anfang anfangs gesagt nicht so bekannt aber das gehört letztendlich auch inzwischen als zur Schullektüre.
00:38:07: ja also jedes Kind kennt die Talo-Calvino und liest mindestens ein zwei Bücher denke ich im Leben oder muss es auch lesen?
00:38:14: Ich sage mal dass eine schöne Pflicht lecktüre!
00:38:17: Auch in dieser Zeit... Das war alles so in den sechziger Jahren wo er diese Bücher veröffentlicht hat Und der Enaudi-Verlag kam auch mit ihm, ist an ihn herangetreten und das passt auch sehr gut hinein zu seinen Werken.
00:38:31: Denn man hat ihn gebeten doch eine italienische Märchensammlung zu veröffentlichen.
00:38:40: Märchenschammlung?
00:38:42: Fjabe Italiane!
00:38:44: Aber bevor wir ... Also ich wollte noch mal nur ganz kurz zu unserem Baron auf den Bäumen.
00:38:57: Ich muss, wenn ... Du hast jetzt darüber erzählt.
00:39:01: Und dann musste ich sofort an den Film Amercord von Federico Fellini denken.
00:39:10: In Amercort gibt es Figuren die Fellini direkt aus der italienischen Literatur herausnimmt.
00:39:20: Ob das Volpina ist, den Informalin Die direkte Bezug ist eben auf die Geschichte La Lu Pa Oda.
00:39:30: Da gibt es eine Szene, wo der verrückte Onkel von der Hauptfigur, also in Amarkot wird.
00:39:42: die Geschichte oder Verlinie erinnert sich an seine Kindheit im zweiten Weltkrieg In einer auch imaginäre Küstenstadt Und seine Mutter hat einen verrückten Bruder, den sie in Krankenhaus oder ihren Haus besuchen.
00:40:00: Der Bruder reist jedes Mal
00:40:04: aus
00:40:05: der Flied und klettert sofort auf einem Baum.
00:40:11: Dann sitzt er da oben und schreit die ganze Zeit ihr Volonadonna – ich möchte eine Frau!
00:40:22: gebunden an diese Geschichte oder an dieser Figur von Baron auf den Bäumen und Italo Calvino.
00:40:31: Und das ist auch sehr interessant, wie die sich eigentlich immer die Bälle zugespielt haben – die ich habe voneinander profitiert, voneinander gelernt, einander befruchtet, einandermotiviert, inspiriert.
00:40:47: Das ist auch interessant!
00:40:48: Mich interessiert noch eine Sache, die du mir vielleicht beantworten kannst.
00:40:54: Wir nennen diese Trilogie immer
00:40:57: Ahnentrilogie.
00:41:00: Das heißt eben die Geschichten von unseren
00:41:03: Vorfahren.
00:41:07: Warum?
00:41:10: Vielleicht auch das stimmt und ich habe mich tatsächlich gar nicht gefragt warum das so heißt.
00:41:16: Ich weiß dass ich kurz darüber gestolpert bin, dass ich dachte ah ja die Ahnen ist erst mal gar nicht so erschließbar.
00:41:22: Aber vielleicht auch tatsächlich, weil das auch Geschichten sind.
00:41:27: Die letztendlich in einer anderen Zeit spielen.
00:41:30: Das würde ich jetzt bei der Ritterdienst nicht gaben.
00:41:34: Es war im Ritterzeitkal des Großen.
00:41:37: Jetzt sind wir hier im achtzehnten Jahrhundert verwurzelt, also der Übergang sozusagen.
00:41:43: da sind wir verwurzelt und genau aber das halt so fantastisch aufgeladen.
00:41:50: diese Geschichten einfach
00:41:51: Genau, und die eigentlich alle.
00:41:54: Und das war seine Intention.
00:41:57: Die waren...die sind tatsächlich Ahnen der ganzen literatischen Generationen.
00:42:04: Die haben eigentlich von denen gelernt, die sind von den Beeinflusst gewesen.
00:42:10: Das war deren Welt, das waren deren Lehrer.
00:42:14: Und die, also Kalvino webt eigentlich Geschichten
00:42:21: aus
00:42:22: Geschichten, die ihn Spaß gemacht haben.
00:42:26: Die ihn auch erzogen haben letztendlich und das ist die ganze Generation.
00:42:32: Und deswegen nennt er das seine Ahn-Trilogie weil da sind die Lehrer.
00:42:37: Da sind die Vorfahren der italienischen Schriftsteller dieser Zeit, Sechziger-Siebziger.
00:42:45: Das ist die Zeit über die wir jetzt
00:42:48: sprechen.
00:42:49: Und da hat es die Frage wie passen diese Märchen auch rein?
00:42:51: Es war eigentlich ein Auftrag den er bekommen hat aber eigentlich passt das ja wiederum ganz gut zu dem was wir gerade zu dem womit er sich auch gerade befasst in seinen Geschichten und seinen fantastischen Geschichten.
00:43:03: vielleicht mal kurz zu diesen Märchen.
00:43:06: Also wir haben uns in der Familie jetzt auch die italienische Märchen besorgt und das ist so, dass ich seit mehreren Monaten meinen Kindern immer mal wieder ein italienisches Märchen vorlese.
00:43:17: Auch im Vorbereit auf den Podcast, ob ich sage, Kinder mögen Märchen... Und wir sind alle sehr fasziniert und auch lesen die Geschichten uns gegenseitig vor, mit sehr viel Kopfschütteln.
00:43:28: Weil was ich bei diesen Märchen so wirklich spannend finde ist ja gewöhnt an die Märchen der Geburter Grimm klar das ist sozusagen unsere Volksliteratur, jeder kennt diese Märchen und gefühlt um es mal ganz pro Schall zu sagen sind das so Märchenextreme.
00:43:43: Also, da gibt's dann meist immer einen Mann.
00:43:46: Eine Frau ist ein Mann, der etwas entdecken möchte und seine Heimat verlässt.
00:43:50: Der trifft dann ... Und er wird auch gewarnt, trifft unterwegs drei Hexen.
00:43:54: Die sagen ihm pass auf, nimmt das Schiff nach sowieso.
00:43:57: Da ist diese Prinzessin, die musst du befreien.
00:44:00: Dann trifft er am Hafen einen Mann, sagt den ja, nehmt das mit.
00:44:03: Das wird dir noch helfen, drei Dinge natürlich.
00:44:06: Dann geht ihr zu einem Pferd mit dem Boot oder einem Schloss.
00:44:09: Trifft eine Fee, sagt ihm, du hast diese drei Aufgaben was er natürlich mitgenommen, hilft ihm dann diese Aufgaben zu bewältigen.
00:44:15: Aber da ist auch nicht noch vorbei!
00:44:17: Nein, er befreitern die Prinzessin, kommen will ihn nach Hause und gibt es wieder neider.
00:44:21: Er wird getötet, der Kopf wird abgehackt, irgendwie gibt's aber doch wieder die Möglichkeit, dass er wieder zusammen gepflegt wird.
00:44:27: Es ist immer so aufgeladen... Wunder, wunderschön!
00:44:32: Also wir lesen das wirklich mit großer Begeisterung.
00:44:35: Es sind viele, viele Märchen.
00:44:36: da gibt es auch eine tolle Sammlung die man sich da besorgen kann und er hatte.
00:44:41: aber das wirkt alles so leicht wenn man das jetzt liest.
00:44:44: Aber für ihn was ich gelesen habe war die Aufgabe gar nicht so einfach zu bewältigen weil Märchen wie wir wissen davon gibt es viele,viele Versionen.
00:44:53: Und er hatte auch mal gesagt, er hat immer das Gefühl, er könnte ... Er kann es so schreiben.
00:44:57: Aber er hätte's auch so schreiben können!
00:44:58: Weil diese Vielfältigkeit, der hat mit vielen gesprochen.
00:45:01: Er hat mit Ethnologen gesprochen und mit Sammlern, mit allen möglichen.
00:45:05: Dann gibt's natürlich auch noch unterschiedliche Regionen, unterschiedliche Dialekte.
00:45:09: Da unterscheiden sich natürlich auch so... Die italienischen Märchen sind ja vom arabischen Raum mit geprägt.
00:45:16: Das ist die Besonderheit, dann schaltet sie ein bisschen von den Märchenden wieder grimm.
00:45:21: Also er hatte da wirklich eine Mammut-Aufgabe zu bewältigen, die er aber finde ich fantastisch gelöst hat.
00:45:28: Meisterhaft!
00:45:29: Ja genau und da gibt es ein paar Sachen, die man im Voraus eben sagen muss.
00:45:38: natürlich die Märchen, die wir kennen von Gebrüder Grimm sind verarbeitete Märchen.
00:45:43: die sind pädagogisch auf und ich meine wenn wir Gebruder Grimm und Märchen Welt der Volksliteratur, die Romantiker neu entdecken und dann auch eben als
00:46:03: Stoff
00:46:03: verwenden.
00:46:06: Kalvino wollte Rohmaterial.
00:46:10: Und diese sind so wie sie waren Teil von diesem, wie du das erzählt hast.
00:46:17: Teil dieser Sammlung sind wirklich in Dialekt.
00:46:21: Die muss man auch wenn man den italienischen Original lesen möchte, die muss man praktisch auf hochitalienisch übersetzt lesen weil Dialekt kann besonders wenn die aus dem Süden kommen.
00:46:37: Die sind fast unlesbar.
00:46:38: dann also man kann das nicht sehr gut verstehen.
00:46:41: Und italienische Märchenwelt hat eine Besonderheit.
00:46:45: Du hast eine Komponente schon eben dargestellt, die sind vom arabischen Raum geprägt weil das ist auch dieser Raum von den... Also ich hab
00:47:01: Genau, also tausend eine Nacht.
00:47:03: Man merkt auch
00:47:03: dass das Mitte mehr in der Nähe war weil immer viele Schifffahrten auf ihn.
00:47:06: Das wird sehr viel Schiff Fahrten werden da unternommen.
00:47:09: Genau, tausende und eine Nacht einerseits aber viel tiefer.
00:47:13: wenn man gräbt ist das eigentlich die Geschichte von Enneas Und das ist diese Reise In Grund genommen.
00:47:25: ist das wie?
00:47:27: Ist die alte antike Welt, griechische Antike.
00:47:33: Wie hat sie die grieche Antike den Weg nach Europa bzw.
00:47:39: den Weg heute Italien damals eben rum?
00:47:45: Was haben wir daraus bekommen und was haben wir mitgenommen auf diesen Schiffen, die dann Mittelmeer überquert haben?
00:47:55: Und der hatte eine Vorlage gehabt, nämlich das ist Ben-Tamerone von Basile.
00:48:02: Das ist auch eine Märchensammlung, gibt es in einer deutschen fantastischen Ausgabe und ist auch lesenswert.
00:48:14: Das war eben italienischer Barock, fünf zu der sechzehnte Jahrhundert.
00:48:19: Und natürlich so vorlage ist auch de Cameroon.
00:48:24: Das ist auch der Sonsleb da.
00:48:27: Und diese italienische Märchen haben eine ganz besondere Couleur, eine ganz besonderer Welt wird – das ist eine sehr mythische Welt!
00:48:37: Das ist eine Welt die nicht belehren möchte sondern eine Welt, die eigentlich Angst machen möchte Weil das ist das.
00:48:50: Die Märchen waren erzählt im Winterzeit und zwar haben erzählt über Ereignisse, die nicht erklärbar waren Und genau das ist was diese Märchen färbt und was sie besonders macht.
00:49:06: Wir wissen dass eigentlich italienische Aschenputtel auf Italienisch ist das Generantola Italienisches Aschenputtel Ganz anders als eigentlich das, was wir kennen.
00:49:22: Ein armes Mädchen von Stiefmutter geplagt wird und dann wird sie mit Hilfe von kleinen Tieren den Weg zu Prinzen finden.
00:49:40: In der italienischen Vision tötet ihre Stiefmutter.
00:49:48: Und nicht nur das, sondern weil.
00:49:50: Italo Calvino hat sich sehr viel mit Alexander Proppe beschäftigt.
00:49:54: und diese Märchenwelt, die Ökologie des Märchens.
00:49:59: Was für Bilder!
00:50:00: Weil den hat er auch fasziniert – die Tatsache dass die Märchen eben im Mittelmeerraum über National gehen.
00:50:09: Also das sind die Motive, die wir fast überall finden und die sind dann auch unterschiedlich verarbeitet.
00:50:16: Und das ist das was er eigentlich zur Verfügung stellen will.
00:50:20: Er will eben die Tradition also diese unentdeckte mündliche Tradition, mündlichen Überlieferung wird, will er den Lesern zur Verfügung.
00:50:36: Und da haben wir heute wirklich eine Sammlung, die ist atemberaubend.
00:50:42: Ob das irreserpente oder wie heißen alle diese?
00:50:48: Diese wunderschöne Märchen zum Teil brutal, zum Teil auch unfassbar.
00:50:54: Ich erinnere mich an eine Geschichte, wo drei alte Schwestern zusammenleben und die alte Scheiße, die älteste fast schon neunzig hat es geschafft sich im Prinzen zu angeln aber in dem sie nie ihre wahre Identität gezeigt hatte, der wusste gar nicht dass sie alt war, hat sie dann als Erfeske das sie alt aus einem Fenster geschmissen, blieb sie irgendwo hängen, da kamen drei Fähnen vorbei haben sich halt tot gelacht Und auf einmal war sie jung und schön.
00:51:19: Dann kommt die andere alte Schwester vorbei, wie bist du denn so schön geworden?
00:51:22: Ja ich habe mich hobeln lassen.
00:51:23: Ach wirklich hobelnlassen ja!
00:51:25: Und dann rennt sie da irgendwie zum Schreiner und lässt sich... Das war sehr schwer, das seinen Kindern zu erklären.
00:51:31: Also ich empfehle vielleicht vorher doch noch mal nachzulesen und dann ... Ab welchem Alter man das vorliest muss man dann entscheiden?
00:51:37: Aber es ist wirklich diese Brutalität.
00:51:40: Die ist da wirklich gut in den Grimmsmärchen sind auch nicht sag ich mal für die neuen Versionen oder die Version, die wir lesen, sind ja meist immer so ein bisschen zensiert.
00:51:51: aber da steckt schon einiges dahinter Und das war diese eine Phase.
00:51:58: Ich will noch mal ganz kurz, was noch interessant ist.
00:52:01: Was ja vielen dann auch so ging.
00:52:03: ein bisschen den politischen Kalvino, der sich das, was aber relativ schnell sich da angeht beendet, dass er aus der Kommunistische Partei austritt, klar mit sixenfünfzig, den Aufstand von Ungarn.
00:52:16: Er selber hat es auch, weil er vorher in der Sowjetunion gewesen war, bin fünfzig, hat auch in seinen Tagebuch geschrieben und den Alltagsleben dargestellt.
00:52:26: dann aber auch, es war sehr apolitisch dieses Buch.
00:52:31: Das wurde zum Teil auch kritisiert.
00:52:32: später und er hat sich selbst eingestanden dass das auch Stalin, der zu der Zeit diese Umhetung geführt hat.
00:52:43: Dass er immer diese Thüranei und so, dass es immer gerechtfertigt wurde, obwohl das zufrieden alles war.
00:52:48: Und dass er das auch gerechtfertigt hat mit dem Satz naja man hat irgendwie an das Ganze geglaubt, an die Idee einfach aber dann mit dem Aufstand ... fifty-six hat er dann ist er dann siehundfünfzig aus der Partei ausgetreten und hat sich dann auch nicht mehr wirklich, ist jetzt mein Intenzum von dem was ich gelesen habe so wirklich als politischer Mensch nicht mehr so sehr gezeigt.
00:53:16: Ja ja
00:53:17: das kann man eigentlich so sagen
00:53:18: oder?
00:53:19: Ganz anders als Natalia Ginsberg die eigentlich bis zum Ende ihres Lebens eben einer sehr... Man vergisst immer wieder diese.
00:53:31: also dass es die Zeit vor von Oriana Falaci.
00:53:35: Das ist eine ganz große Journalistin gewesen, die als erster Jasser Arafat interviewt hat.
00:53:43: Also das erinnere ich mich noch sehr gut und sich hat ein Buch veröffentlicht unter dem Titel einer ganz private Geschichte.
00:53:55: aber das passt alles eben in diese heiße Zeit politisch sehr bewegte Zeit.
00:54:03: Später wurde die Idee von Eurokommunismus entworfen, von Berlinguer.
00:54:10: Es ist eine ganz spannende Zeit und es ist ganz klar der hat sich dann zurückgezogen.
00:54:19: Ist er eigentlich in die Welt der Literaturwissenschaften
00:54:22: eingetreten?
00:54:23: Genau.
00:54:23: Und auch in die weltgenere... Also er hat viele, also ab den nachtsechzigern Jahren fingen auch an viele Reisen zu machen.
00:54:29: Ja, ja.
00:54:29: Er war den Stipendium bekommen, der Ford Foundation, war dann New York, war total begeistert von New York.
00:54:34: Sechs Monate war er da und er konnte dann auch inzwischen, er war jetzt vierzig geworden, Und er konnte dann auch, weil er wirklich gut leben konnte als Schriftsteller inzwischen und war für den Verlag eher nur noch so als Berater tätig.
00:54:50: Er fing an zwischen Rom- und Paris hin und her zu pendeln.
00:54:55: Ein ganz wichtiger privater Moment war, als er seine Frau kennenlernte.
00:54:59: Das war Ester Judith Singer eine genannte Chichita.
00:55:07: Eine Gantische Übersetzerin mit russischen Wurzeln.
00:55:10: Oh, sie zum Beispiel für die UNESCO arbeitete.
00:55:12: Und sie heirateten am sechzehnten zweiten vierundsechzig in Havana.
00:55:17: Da traf er auch Che Guevara übrigens und fünfundsechszig wird dann auch seine Tochter Giovanna in Rom geboren Und er ist dann auch Chichita zuliebe, ist ja in den Sechzig nach Paris gezogen.
00:55:30: Und das war eine ... also die Sechziger-Siebzigerjahre verändert sich auch so ein bisschen sein Werk und du hast schon gesagt, er wurde zum Literaturtheoretiker.
00:55:41: Also er war unglaublich wissbegierig!
00:55:45: Er hat sich viel beschäftigt mit Physik, Astronomie, Anthropologie und Biologie.
00:55:52: Das waren seine Themen, die ihn wirklich beschäftigt haben.
00:55:56: Er hat wie gesagt viele Reisen unternommen.
00:55:59: Und ihm wollte in der Zeit, da kannst du gleich noch mehr dazu sagen eigentlich herausfinden was Literatur alles kann?
00:56:12: Wegen kann und wie man Literatur vielleicht auch etwas verändern kann.
00:56:17: Und ging dann so in Richtung dieses Experimentelle?
00:56:20: Ja, ja das ist die Zeit wo Post-Moderne beginnt eben so Früchte zu tragen und wo er auch sehr viel mit Semiotik und Semiologie zu tun hat.
00:56:37: also der beschäftigt sich Zeichen ist schwer von Borches beeinflusst.
00:56:45: Und da schreibt er dann, also er schreibt kosmokomische Geschichte, Kosmokommix und also das sind so... und dann eben fünfund, nee, neunundsebzig veröffentlicht er eben ein Roman, wenn einen Reisende in einer Winternacht.
00:57:12: Und da ist er glaube ich auch dem deutschen Publikum ganz bekannt geworden.
00:57:18: also das war in den achtziger Jahren wirklich absolut ein Roman denn jeder lesen musste.
00:57:29: es ist wirklich eine sehr interessante Konstruktion eines Textes, aber ohne dabei... es ist ein Experiment.
00:57:44: Aber das was bei Calvino immer da ist, ohne dabei diese Lesensucht der seine Texte verursachen zu verlieren oder zu opfern.
00:57:58: Es ist genau so lesens Man wird genau so in die Geschichte hinein gezogen und hineingesaugt, wie eben schon gesagt und erzählt.
00:58:12: Aber weil wenn ein Reisender einer Winternacht vielleicht mal ganz kurz damit unsere Zuhörer wissen worum es eigentlich geht was dieses Experimentelle ausmacht.
00:58:20: ja also Es ist ja eigentlich Ein Roman der Aus zehn verschiedenen Romananfängen besteht.
00:58:28: Also Ausgangspunkt ist ein Leser, der wird auch die ganze Medu angesprochen.
00:58:32: also es geht man kann das auch.
00:58:33: so ein bisschen habe ich gesehen dass in meinem Zeichen etwas als Meta-Romanen der eigentlich um das um das lesen handelt sowohl des der Leser an sich für die Empfindungen des Lesers aber auch auch die Literatur alles was das technische angeht die Druckerei etc.
00:58:49: also wirklich das ist ein ein Meta Romal im Buch Über das Lesen, was den Leser in den Fokus stellt.
00:58:56: Es gibt diesen Leser und der hat erfahren es gibt ein neues Werk von Italo Calvino.
00:59:02: Genau!
00:59:03: Das sind so wie die Spiegeln, die sich immer wieder spiegeln hin und her.
00:59:12: Und er bekommt diesen Roman und er fängt an zu lesen und dann aber ab der sechzehnten Seite geht's auf einmal ganz anders weiter.
00:59:20: Und der Leser, natürlich ist gerade so spannend.
00:59:24: Wer kennt das nicht?
00:59:25: Ich lese grad ein Buch... Total spannend, in seltensten Fällen passiert dann was mit dem Buch oder es wird auf einmal ein anderer anfangen.
00:59:33: Aber man wird irgendwie abgelenkt das Telefon klingelt
00:59:35: etc.,
00:59:36: jemand will etwas von einem muss das Buch weglegen und eigentlich ist man vielleicht bei seiner Arbeit oder macht was man machen tut aber eigentlich denkt man die ganze Zeit oh Gott ich will doch eigentlich weiterlesen.
00:59:44: wir wissen wie's weitergeht.
00:59:45: Und so gehts diesen Leser auch Was er macht.
00:59:46: natürlich geht den Buch an und will das reklamieren sagt hier was sollen das?
00:59:51: Passt alles gar nicht.
00:59:52: Und da sagt der Buchelner, ja sind sie gar nicht die Erste!
00:59:55: Hier gibt es noch eine Dame, die sich dann als Ludmilla rausstellt... Die hat genau dasselbe Problem.
01:00:00: und oh, da gab's ein Problem mehr Druckerei.
01:00:03: Das was Sie gelesen haben ist eigentlich der Anfang eines Werkes eines polnischen Autors.
01:00:08: Und so gehts dann die ganze Zeit.
01:00:10: Also dieser Leser ist immer auf der Suche nach der Fortsetzung dieser Anfänge und das gelingt ihm aber nicht.
01:00:15: Es ist sozusagen ne Reise über mehrere Kontinente.
01:00:18: er trifft halt, er trifpt Schriftstätten Lektoren, Buchhändler, Literaturprofessoren, Zensoren auch.
01:00:26: Ja also mit Literatur sozusagen nicht frei ist.
01:00:28: Er lebt diese ganze Welt und ist immer auf dieser Suche.
01:00:34: Und das ist diese Geschichte.
01:00:35: Lettore, Elektrieche die verlieben sind... Da entwickelt sich eine ganz komische Beziehung.
01:00:44: Genau!
01:00:47: Ich will aber auf.
01:00:49: Also auch die Idee überhaupt, also wenn man schreibt dann weiß man ganz genau wie schwierig ist es eine Geschichte oder ein Text in ich Form zu entwerfen.
01:01:06: Diese Ich-Erzähler das kann man vielleicht in Bewusstsein strumen aber dann muss man ganz genau sich überlegen, was kann Leser jetzt wissen und was kann ich als Ich Wissen?
01:01:24: Und der macht noch einen Schritt weiter.
01:01:26: Und schreibt ein Roman eigentlich in Du-Form das, was deine Sache der Unmöglichkeit ist weil ich muss immer jemanden mit du anreden derjenige, den ich du nennen.
01:01:44: Und da sind also diese ganze Kreise die er zieht, die manchmal wirklich wie ein Sog sind.
01:01:53: In Grund genommen ist der Rahmengeschichte Suche nach einem Buch und es sieht so aus als ob zu Anfang auch das ein konkretes Buch wäre Und dann ist das auch kein richtig konkretes Buch, sondern es ist
01:02:17: Buch.
01:02:19: Genau, und ich glaube das ist besonders auch hier, dass dieser Leser so in den Mittelpunkt gestellt wird.
01:02:22: Weil es gibt ja auch die Theorie, dass der Sinn erst entsteht eines Werkes mit dem Leser von Echo oder Bartels.
01:02:29: Der hat geschrieben, er tut des Autors.
01:02:31: Dass damit erst wirklich Literatur entsteht durch den Leser.
01:02:35: Und dass der Auto eigentlich im Hintergrund
01:02:37: rückt?
01:02:37: Genau!
01:02:38: Das ist direkt der Einfluss eben der Theorie der Rezeption.
01:02:46: in dieser Phase, also sechstiger-siebziger ganz bekannt wird.
01:02:52: Also so Jaus und Ingarden und alle diese Literaturwissenschaftler die sehr viel darüber denken und schreiben letztendlich ich meine Umberto Eco ist auch in Literatur Theoretika zuerst gewesen.
01:03:10: Man hat ihn kennengelernt als Autor von Operaperta geöffnetes Werk oder offenes Werk.
01:03:18: wo er sehr viel über Rezeption auch nachdenkt, was ist eigentlich ein Text?
01:03:23: Ist das das, was ich rezipiere und interpretiere oder ist das der Autor eben seiner Intention.
01:03:31: Also da sind so ganz viele Punkte, wo man nachdenknt.
01:03:36: und wenn Calvino nachdenken,
01:03:40: der
01:03:41: schafft eine Erzählung!
01:03:43: Genau, er lässt das gar nicht so auf dieser Wetterebene und diese Theoretik sondern versucht es dann wirklich runterzubrechen.
01:03:50: Da kann ich vielleicht in dem Zusammenhang noch kurz... Es passt sehr gut zu diesem Thema.
01:03:55: Er hat sich diese experimentären Literatur geöffnet und er war da ein Teil eines Literakot-Literaturgreises, das nannte sich Levoire de la Literature Potentielle genannt Ulipo Und es war so ein Autorenkreis, vornehmlich aus französischen Autoren.
01:04:11: Also Perek, Quinoa und auch US-amerikanische wie Harry Matthews waren da zum Beispiel dabei.
01:04:19: Die hatten die Idee Literatur zu erschaffen, die auf eine bestimmte Art und Weise aber bestimmten Zwängen unterworfen ist eine gewisse Begrenzung haben.
01:04:35: Einfach so als Beispiel und die Idee war, durch eine begewisse Begrenzung können neue Ausdrucksformen geschaffen werden also eine neue Freiheit.
01:04:42: Wir sprechen sich ja Begrenzungen, Grenzen schaffen ist eher das Gegenteil von Freiheit.
01:04:47: aber die Idee was ich vom bestimmten Ideen zu lösen schafft nochmal neue Arden der Kreativität.
01:04:52: ein gutes Beispiel sehr bekannt es von Georges Perrec la disparation.
01:04:57: Das war einen Roman den er geschrieben hat wo er sich vorgenommen hat.
01:05:01: Ich benutze kein E Zum Beispiel.
01:05:04: Dann hat er das gleiche auch nochmal gemacht, das hieß dann Le Révenon und da hatte ein Werk geschrieben wo es nur den Vokal E gibt.
01:05:12: Hat sich dann aber auch so ein bisschen bedient.
01:05:14: Englischer Begriffe oder im Französischen kann man ja auch ein bisschen Vokale verschlucken, hat sich dem dann bedient... Oder eine andere Idee war auch dass Enquino hat zum Beispiel die selbe Anekdote erzählt in unterschiedlichen Stilen.
01:05:28: Also einmal hat sie zu seinem Grundanektot, das ist eine ganz einfache Geschichte bei einem Mann der in einer Bahn sitzt und da irgendwas erlebt oder was vergessen hat.
01:05:35: Und dann beginnt ja zum Beispiel diese Geschichte von hinten zu erzählen also mit dem letzten Satz.
01:05:40: Oder er schreibt es in einen sehr telegraphischen Stil.
01:05:44: Also
01:05:44: zeigt halt wie man diesen Text neunundneunzig mal verändern kann Und wie das sozusagen auch diesen Text dann, dass man ihn dann ganz anders wahrnimmt.
01:05:54: Oder es gab noch Einschriftsteller.
01:05:55: der hat es zum Beispiel so gemacht er hat alle Substantive ausgetauscht.
01:05:58: Der hatte immer statt eines Substantives wenn ein Substantiv vorkam.
01:06:02: in seinem Text hat er das Wörterbuch aufgeschlagen und hat den siebten, die siemte Wort nach diesem Wort genommen und eingesetzt.
01:06:10: Da sind natürlich ganz fantastische Kreationen daraus entstanden und da hatte sich auch Kalvino angeschlossen dieser Gruppe bisschen experimentiert.
01:06:20: und was Calvino ihm, da kommen wir auch gleich nochmal auf sein letztes Werk.
01:06:25: Was für ihn so wichtig war, was er sehr geschätzt hat ist die Kürze.
01:06:31: also er hatte auch den Traum ein ganzes Buch zu schreiben in nur einem Satz ungefähr oder drei Sätzen.
01:06:37: ja und das ist auch keine wieder.
01:06:41: mich fasziniert immer wieder bei Calvina eigentlich Art und Weise wie er diese Diese Suche nach den neuen Räumlichkeiten der Kreativität und des Ausdrucks, wie er das eigentlich formuliert.
01:07:09: Du hast gerade über diese zahlreiche Experimente eben berichtet.
01:07:15: Das ist auch für einen ganz Wake von Joyce kaum verständlicher Text.
01:07:24: Aber bei Calvino ist das in eine Geschichte eingebettet und das ist eben das, was mich immer wieder so begeistert.
01:07:34: Der versucht zu experimentieren, der experimentiert, der sucht, der versucht
01:07:44: aber trotzdem
01:07:45: ist es eine Geschichte.
01:07:47: Er will das auf einer fassbaren Ebene irgendwie finden.
01:07:49: Genau, und diese Geschichte ist lesbar.
01:07:52: Und nicht nur lesbarsuppen sondern auch wenn genießt
01:07:56: dabei!
01:07:57: Aber man muss sich auch trotzdem ein bisschen darauf einlassen.
01:07:59: Also wenn man hier sieht zum Beispiel, wenn einen Reisen dann einer Winternacht da muss man schon aufpassen dass das nicht sehr frustrierend wird.
01:08:07: Es ist
01:08:08: ja auch frustrierende.
01:08:08: Man kann diese Anfänge und es sind ja auch verschiedene Arten der Literatur.
01:08:12: So Gangster-Crimi ist da nur Voraumon, Realismus haben wir da also so ein Querschnitt
01:08:18: durch die Idee.
01:08:19: Postmoderne, Querschnitte.
01:08:20: Alles durcheinander gebrauchen?
01:08:22: Genau!
01:08:22: Und das ist schon so, wo führt das hier alles hin?
01:08:25: aber man kann sich... dem auch nicht entziehen.
01:08:27: Ja, und das ist das!
01:08:29: Ich meine ich genne noch einen Post-Moderner der genau so diese fantastischen Geschichten auch strikt und wäbt.
01:08:38: Das ist John Fowles mit seinem Magier.
01:08:42: ein faszinierender Roman, wo man weiter und weiter liest enttäuscht und frustriert ist.
01:08:49: Und ich muss an eine Kollegin von mir denken, wir haben zusammen Weltliteratur, eigentlich damals hieß es so, allgemeine Literaturwissenschaft studiert.
01:09:03: Sie hat irgendwann mal Felix Kruhl in die Hände bekommen und sie war so fasziniert von dieser Geschichte.
01:09:14: dann ist sie zum Professor gegangen und wollte ihm fragen, können Sie mir bitte eben sagen wo ich den zweiten Teil finde.
01:09:23: Und das war so lustig weil er hat sich rausgeworfen natürlich aber diese also ... sie war so verliebt in der Text- und dieser Figur von Felix Krull dass sie weiterlesen wollte.
01:09:40: Und
01:09:40: genau dieses Gefühl habe ich jedes Mal, wenn ich eine Winter Nacht und Winter nacht.
01:09:49: Man geht nach Hause kocht Tee und will jetzt eine wunderbare Geschichte lesen.
01:09:54: Dann wird man immer wieder enttäuscht und dann beginnt man aber von neun an und wie du sagtest begegnet unterschiedliche Akteure der Literatur, Produktion und das ist unfassbar spannend.
01:10:11: Und wenn man eben Buchseiten zusammengeklappt hat und den Text zu Ende gelesen hat dann hat man nach wie vor so ein Loch in seinem Bauch weil die Geschichte ist irgendwie doch weiterzuerzählen.
01:10:28: aber das was eigentlich Kalvino meint ist ja dann erzähle es weiter Es erzähle das weiter.
01:10:37: Dann mach du weiter?
01:10:38: Du bist wieder mal Agins in seinem, also du bist jemand der in seinem Text eine Hauptrolle eigentlich spielt als Leser.
01:10:51: tatsächlich langsam zum Ende kommen, glaube ich.
01:10:54: Wir haben jetzt schon wieder so viel gelernt.
01:10:55: Eigentlich müssten wir auch noch unsichtbare Städte erwähnen.
01:10:59: Vor allem müssen wir sechs Lektionen erwähnt
01:11:01: werden?
01:11:01: Genau!
01:11:01: Also unsichtbaren Städten wird auch als Weltproeben beschreiben.
01:11:05: Das sind so fünffünfzig Miniaturen von Brosa-Gedichten und ein Kultbuch vor allem in Amerika da durch.
01:11:11: das war sein Durchbruch in Amerika.
01:11:13: vielleicht das auch der Grund, warum er dann eingeladen wurde.
01:11:16: Und dann kommen wir so ein bisschen jetzt auch schon zum Ende seines Lebens.
01:11:20: Er ist ja leider relativ früh schon verstorben und zwar in den Vierzehnten.
01:11:26: Vorher ist aber noch die Harvard University an ihn herangetreten und hat ihm gebeten, Vorlesung vorbeizubereiten für die Poetry Lectures – also Norden Poetry lectures sehr berühmt.
01:11:40: Das war eine sehr renommierte Lesung.
01:11:43: Z.B.
01:11:43: Bochers Pass waren alle mal dabei und er wurde also eine große Ehre, die ihm dazu teil geworden ist.
01:11:49: Und er
01:11:50: hat
01:11:51: angefangen zu schreiben Six Memos for the next millennium
01:11:57: Genau Seilezioni per i prossimo millennio oder zudeut Sechs Lektionen für das nächste Jahrtausend.
01:12:09: Was war das?
01:12:12: Das waren sechs Vorlesungen Und jede Vorlesung hat er eigentlich so konzipiert, dass er darüber nachgedacht hat.
01:12:26: Was
01:12:27: ist
01:12:28: das was ihn in der Literatur immer fasziniert hat?
01:12:34: Welche sind die Qualitäten oder die Merkmale der größten Literatoren oder Literaturwerke, die er gelesen hat?
01:12:47: Und dabei sind folgende Charakteristiken eben für ihn essentiell Leichtigkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit Vielfalt und Coherenz.
01:13:08: Coherence hat er nicht geschafft, der ist dann gestorben.
01:13:14: aber das sind Eigentlich Fähigkeit, zum Beispiel Leichtigkeit ist die Fähigkeiten der Literatur schwere und komplexe Inhalte durch Eleganz und Leichtigheit auszubalancieren bzw.
01:13:33: auf diese Art und Weise sie zu vermitteln Und das was er dann als Beispiele erwähnt höchst interessant.
01:13:47: Also bei Leichtigkeit nimmt er als Beispiel der Rherum Natura von Lucrez und da sagt er, dass Lucrez die Schwere der Welt mit leichter poetischer Sprache beschreibt, das die philosophische Inhalte auch allen zugänglich gemacht werden.
01:14:11: dann natürlich erwähnt er Ovid Metamorphosen Die Geschichte über Transformation zum Beispiel darf, die sich in ein Lorbeerbaum verwandelt.
01:14:23: Verkörpern Leichtigkeit als Bewegung und Veränderung.
01:14:28: oder der erwähnt Franz Kafka.
01:14:30: ich habe dir ja zuvor gesagt also ich hab nie verstanden wieso Italo Calvino so sehr Kavka mag aber das ist wirklich etwas was also meine Marke offensichtlich ist mein Mangel.
01:14:43: Aber der erwähnt da eben die Verwandlung von Kafka, also wie Georg Samsa in Eingefer sich verwandelt eigentlich.
01:14:58: Er hat durch eine paradoxe surreale Leichtigkeit eigentlich geschieht.
01:15:06: oder wenn er über Schnelligkeit spricht, rapidita Da erwähnte er Ludovico Arrasto, der rasende Roland oder Londofurioso.
01:15:17: Oder Shakespeare Hamlet.
01:15:19: Hamlet erwähnt er Schnelligkeit.
01:15:22: Der sagt die Geschwindigkeit mit der Hamlets Monologe Gedanken verknüpfen.
01:15:29: Oder ... Er erwähnts Hirano de Bergerac.
01:15:33: Damit kaufte er Milch bis Ende meines Lebens natürlich.
01:15:38: Hat er mit Kafka wieder gut gemacht?
01:15:40: Genau, der hat sich... Karvinus schätzt die Schnelligkeit der Gedanken und die Wendigkeit der Sprache bei Cyrano.
01:15:53: Oder genauigkeit!
01:15:55: Da natürlich taucht sofort Dante auf, die göttliche Komedie.
01:16:04: Kavkas Briefe und Texte auch wieder mal.
01:16:09: Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Stelle, wo er Guido Cavallanti ein italienischem ... Dichter erwähnt.
01:16:24: Er erwähnte Kavalkanti in Verbindung mit Schnelligkeit bzw.
01:16:32: Leichtigkeit und er beschreibt, wie leicht Kavarkanti eigentlich aus von einem Triedhof in die reale Welt überspringt.
01:16:42: Das ist eine kleine Anekdote, die beschreibt Also Spaziergänger Cavalcanti sieht, wie er durch einen Friedhof geht und dann spricht er ihn an.
01:16:57: Und dann sagt Italo Calvino, was für wie leicht Kavalkanti eigentlich aus der Welt der Toten in die Welt der Lebenden überspringt.
01:17:08: Also da sind so Sachen Anschaulichkeit.
01:17:12: Wieder mal William Blake erwähnt Erdane.
01:17:15: Blech Dichtung Illustrationen auch seine Älste.
01:17:20: Bei Vielfalt erwähnte er zum Beispiel die Machaparata Werke noch auf die Idee kommt, dass Mahabharata das indische Epos vereint für ihn unzählige Geschichten Figuren, Themen.
01:17:37: Das stimmt!
01:17:38: Das ist tatsächlich so in einem riesigen literarischen Kosmos natürlich Servantes Don Quixote und natürlich James Joyce, Juliusis.
01:17:50: Und da sind so Momente wo Wo ein Leser, der seine sechs Lektionen eben sich vornimmt, taucht wieder mal in eine reiche vielfarbige Welt eines Autors und eines Kenners.
01:18:11: Der alles gelesen hat!
01:18:13: Hat man den Eindruck?
01:18:15: Und nicht nur dass er das alles geliesen hat... ...der hat alles geliebt was er gelesen hatte und diese Liebe übermittelt er.
01:18:24: Das ist das, was man immer bei Calvino, diese Passion, diese Leidenschaften.
01:18:33: Auf einmal denkt Jad Zechlich Literatur hat seinen Sinn.
01:18:38: Literatur formt auch unsere Welt.
01:18:42: nicht nur dass sie unserer Welt beschreibt Sie nimmt Teil in die Formung der Welt wie wir die Welt wirklich nicht nur... sehen, sondern auch die Welt mitgestalten und die Welt erleben.
01:18:57: Also er hat Literatur – hatte ich glaube schon mal sehr viel zugetraut letztendlich – was Literatur kann?
01:19:02: Sehr
01:19:02: viel!
01:19:03: Und vielleicht noch kurz ein, dass man mal kurz hört wie das auch geschrieben ist oder wie er da formuliert in der Vierschichtigkeit, du hast es schon genannt, das letzte Kapitel, was er noch geschafft hat zu schreiben.
01:19:13: Da sagt er Zitat könnte doch nur ein Werk möglich sein, das außerhalb unseres Selbst konzipiert worden ist.
01:19:21: Ein Werk, dass uns erlauben würde aus der begrenzten Perspektive eines individuellen Ichs austreten nicht nur um in andere ähnliche Ichs einzutreten sondern um sprechen zu lassen was keine Sprache hat den Vogel, der sich auf die Dachrinne setzt dem Baum im Frühling und dem Baum am Herbst den Stein, den Beton, den Plastikstoff.
01:19:42: Genau
01:19:43: Ja, also das Literatur wirklich.
01:19:45: Das Literatur auch durch einen gewissen Erkenntnisgewinn, den wir da durch haben und immer aber vom Allgemeinen wieder auch ins ganz Konkreter.
01:19:56: Ich fand ich so ein sehr...
01:19:57: Und nie pathetisch!
01:19:59: Nein, nein, damit konnte man
01:20:01: viel anfangen.
01:20:03: Genau.
01:20:06: Und leider haben wir ja schon gesagt, hat er das nicht geschafft sozusagen diese zu Ende zu schreiben und dann auch letztendlich diese Vorlesung zumachen.
01:20:16: Das ist übrigens ein großer Bestzahler geworden, dieses ... Bostum!
01:20:22: Genau.
01:20:23: Und es war so dass er kurz vor der Abreise in die USA am sechsten September erleidet er leider einen Hirnschlag.
01:20:30: Dann kommt er ins Krankenhaus nach Siena und da wird er operiert.
01:20:34: Und da dachte man erst, er hat es geschafft.
01:20:37: Er war halt so berühmt, dass auch die tahinischen Medien standen davor seinem Krankenhaus viele Reporter und haben sozusagen stündlich immer eine Meldung gegeben den Stand weitergegeben wie's dann aussah.
01:20:49: Auch Natalie Ginzburg war noch mal bei ihm am Krankenbett.
01:20:51: das will ich vielleicht noch kurz vorlesen wie sie ihn nochmal wahrgenommen hat.
01:20:57: Sie erinnert sich Das letzte Mal, dass ich Kavino-Lebend gesehen habe war am Tag nach seiner Operation einem Zimmerm Krankenhaus von Sienna.
01:21:05: Er trug ein Kopfverband.
01:21:06: Seine nackten Arme lagen gebräunt und kräftig auf der Bettdecke und er war eingenickt.
01:21:10: Sein Gesicht war voll und gelassen, sein Atem ruhig und gesund.
01:21:14: Er zeigte kein Anzeichen von Leiden!
01:21:16: Ich dachte, er würde bald wieder gesund werden – er würde aus diesem Bett aufstehen.
01:21:20: Er betrachtete seine Umfusionen-Schläuche und sagte «Ich bin ein Lampenschirm».
01:21:24: Seine Tochterkamereien fragte ihn, wer bin ich?
01:21:27: Er sagte eine Schildkröte.
01:21:29: Einer der Ärzte hat ihm ein paar Fragen gestellt und ihn dann gefragt, wer Bin Ich?
01:21:32: Er sagte einen Polizeikommissar.
01:21:35: Für diejenigen, die ihn gern hatten waren diese Sätze ein wertvolles Geschenk Ein Zeichen das er immer noch er selbst war Dass sich an seiner Person nichts geändert hatte Das in seinem Kopf noch Schild kröten Lampenschirme-Polizeikkommissare kreisten Also auch dieser Humor, den er
01:21:51: ja auch hatte.
01:21:51: Wunderschön!
01:21:53: Aber leider war es dann so dass sich sein Gesundheitszustand wieder verschlechtert hat und der ist in der Nacht vom achtzehnten zum neunzehnem September gestorben.
01:22:04: Leiser aus dem Leben... Hat er sich herausgeschlichen?
01:22:10: Er war ja auch leise.
01:22:11: Bochress hat dir mal gesagt über ihn, weil er hat ihn einmal kennengelernt und er hat schon mit ihm gehört aber kannte ihn noch persönlich.
01:22:17: Und da meinte er ob ich ihn an seinem Schweigen erkannt
01:22:20: habe.
01:22:20: Genau, genau.
01:22:21: Wunderbar!
01:22:22: Also baute ich es echt.
01:22:24: Ja ja, genau das...
01:22:27: Weil wir gerade beim Zitieren sind würde ich auch gerne Kavino das letzte Wort geben wenn du einverstanden bist.
01:22:33: Ich bin sehr
01:22:34: einverstand.
01:22:35: Also er war ja eher, hat mir schon etwas zurückgezogen.
01:22:38: Er war jetzt noch einer von denen die sich gerne irgendwie in der Öffentlichkeit gedrängt haben, sondern eher für sich so rum gewerkelt hat.
01:22:45: und es gab aber den Moment das er lang gefragt wurde von einem Journalisten kurz bevor er starb.
01:22:52: Der bat ihm drei Schlüssel-und dreitalismanne für das Jahr zweitausend zu nennen.
01:22:58: Man sieht das auch.
01:22:58: ich habe mir dieses Interview nochmal angeschaut also er ist sehr ruhig, er hat auch viele Pausen.
01:23:04: Also überlegt sehr angestrengt, was er jetzt sagt und folgendes hat er dann gesagt.
01:23:09: Was soll ich sagen?
01:23:11: Gedichte auswendig lernen – viele Gedichte Auswendiglernen Als Kind als Jugendlicher Auch wenn man alt ist, Gedichte begleiten ein Man wiederholt sie sich im Geist Und die Entwicklung des Gedächtnisses ist ja sehr wichtig.
01:23:24: Zweitens Nach den schwierigen perfekt ausgeführten Dinge streben Den Dingen die Anstrengung erfordern So wie er es ja auch gemacht hat.
01:23:33: Er hat sich das nicht leichtgemacht!
01:23:36: Der Leichtigkeit, der Leichtfertigkeit dem Tun um des Tunzwillen misstrauen und die abstraktisch Sprache bekämpfen, die uns heutzutage überall aufgezwungen wird nach Präzisionstreben sowohl in der Sprache als auch an den Dingen, die man tut.
01:23:51: Drittens zu wissen dass alles was wir haben uns vom einen auf den anderen Moment genommen werden kann.
01:23:57: damit sage ich nicht man soll auf alles verzichten.
01:24:00: Im Gegenteil, genießen wir es mehr denn je.
01:24:03: Doch in dem Wissen, dass vom einen auf den anderen Moment alles was wir haben in einer Rauchwolke verschwinden kann.
01:24:11: In diesem Sinne...
01:24:14: Das war Italoge Vino!
01:24:17: Genau Danke fürs Zuhören.
01:24:19: Ich hoffe, ihr hattet genau wie Freude wie wir hier während des ganzen Gesprächs und natürlich auch in der Recherchenvorbereitung.
01:24:25: Schreibt uns gerne!
01:24:26: Folgt uns auf unser Instagram-Kanal und wir hören uns das nächste Mal eure Literaturmitlerin.
01:24:32: Tschüss!
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