Kommissar Maigret - Auf den Spuren von Georges Simenon

Shownotes

Was ist das für ein Mensch, der wie am Fließband schreibt und dabei über 400 Bücher entstehen lässt – Romane, Krimis, Geschichten voller Abgrund und Alltag, aber auch Groschenromane? Wir begeben uns auf die Spur von Georges Simenon, dem Getriebenen an der Schreibmaschine und Lebemann zwischen Villen, Yachten und Liebesaffairen.

Wer war dieser Mann, der mit Maigret einen Kommissar erschuf, der den Menschen zuhört, statt sie zu verurteilen? Warum nannte er manche seiner Werke „romans durs“, also harte Romane, in denen er illusionslos die Getriebenen, Verlorenen und Gescheiterten zu Wort kommen ließ? Und wie hängt das alles mit seiner Sehnsucht nach Anerkennung zusammen, die er in der literarischen Welt nie ganz fand?

Wir erzählen von Simenons Leben, nähern uns Maigrets sanfter Beharrlichkeit und versuchen zu verstehen, wie er seinen Figuren mit jeder Zeile ein Psychogramm ihrer Persönlichkeit zeichnete und sie bis heute lebendig wirken..

Unser besonderer Dank gilt Andreas Kolbe, der uns am Beginn der Folge mit seiner Lesung aus "Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes" mitten hinein in die Welt des warmherzigen Kommissars entführt und so den Weg in Simenons Welt für Euch eröffnet.

Weitere Infos und Bildmaterial zu Georges Simenon und seinem Werk findet ihr auf unserem Instagram-Kanal: @lit.ermittlerinnen

Transkript anzeigen

00:00:00: Da saß zum Beispiel eine junge Frau, die bestimmt noch keine zwanzig Jahre zählte, in einem kleinen, gut geschnittenen und perfekt sitzenden schwarzen Kostüm, dem man dennoch ansah, dass es schon hundertmal frisch aufgebügelt worden war.

00:00:17: Ein merkwürdig müdes, angespanntes Gesicht.

00:00:21: Sie hatte einen Skizzenbuch neben sich liegen und mitten unter Leuten, die apparativ zu zehn Franch lürften, trank sie ein Glas Milch und aß ein Hörnchen.

00:00:32: Und das um ein Uhr mittags.

00:00:35: Es musste ihre einzige Mahlzeit sein.

00:00:37: Sie nutzte die Gelegenheit, um eine russische Zeitung zu lesen, die für die Gäste des Hauses bereit lag.

00:00:45: Sie hörte nichts, sie sah nichts.

00:00:48: Gemächlich knaberte sie an ihrem Hörnchen, trank bisweilen einen Schluck Milch, ohne die Gesellschaft zu beachten, die am gleichen Tisch saß, und bei ihrem vierten Cocktail angelangt war.

00:01:03: Nicht weniger auffallend war ein Mann, dessen Haarschopf allein schon alle Blicke auf sich ziehen musste.

00:01:09: Sein Haar war rot, graus und ungewöhnlich lang.

00:01:15: Er trug einen dunkelglänzenden, abgewetzten Anzug und ein blaues Hemd ohne Krawatte, dessen Kragen weit offen stand.

00:01:25: Er saß im hintersten Winkel der Bar, wie ein alter Stammgast, den niemand zu stören wagte und löffelte ein Joghurt.

00:01:33: Hatte auch er nur fünf Frauen in der Tasche?

00:01:37: Woher kam er?

00:01:39: Wohin ging er?

00:01:41: Und wie verschaffte er sich die Passu für dieses Joghurt, das vermutlich seine einzige Mahlzeit am Tag war?

00:01:50: Er hatte feurige Augen wie die Russen und faltige Lieder, aber einen ungemein verächtlichen, hochmütigen Ausdruck im Gesicht.

00:02:00: Niemand trat zu ihm an den Tisch.

00:02:03: Niemand reichte ihm die Hand.

00:02:05: Niemand richtete das Wort an ihn.

00:02:35: Vielen lieben Dank auch an unseren guten Freund Andreas Kolbe, der diesen Text so fantastisch eingelesen hat für uns.

00:02:43: Ich bin mir nicht sicher, ob man gleich erkennt, um was es sich da handelt.

00:02:46: Aber wenn ich jetzt sage, den Titel werden einige vielleicht sagen, ach ja.

00:02:51: Und zwar war das ein Auszug aus dem Werk, Migré kämpft um den Kopf eines Mannes.

00:03:05: Megré.

00:03:06: Von Inspector Megré, genau.

00:03:09: Wenn du Georges Simonon hörst, Jelena, was geht dir dann sofort durch den Nebenmegré, natürlich?

00:03:16: Na ja, meine erste Assoziation wäre eigentlich meinen Vater.

00:03:21: Also der war ein großer Fan von Georges Simonon und Inspector Megré.

00:03:28: Ich bin neunzehntundundsechzig geboren, das heißt eben... Das mussten späte sechstige, früher siebziger Jahre gewesen sein und mein Vater war ein ganz großer Fern von Paris und überhaupt diese Pariser Milieu, Arbeitermilieu und auch kannte auch die Stadt sehr innen und auswendig und sehr gut.

00:03:55: Und natürlich geht auf Hell und Inspektor Migré waren immer irgendwie da und dabei.

00:04:02: Und die Bücher, ich erinnere mich, dass die Bücher sich neben seinem Schlafbett gestapelt haben.

00:04:11: Und natürlich, sobald ich es konnte, habe ich auch angefangen, Inspektor Migré zu lesen.

00:04:18: Und ich glaube, dass daher auch meine Zunagung eigentlich zu Krimiromanen herrührt.

00:04:26: Also ich lese sehr gerne Krimis immer noch heute.

00:04:29: Und dann hauptsächlich diese klassische Krimis oder sagen wir nicht diese Hot Boil, Krimis amerikanische so.

00:04:37: Wo

00:04:38: es richtig blutig zugeht.

00:04:40: Genau, sondern immer diese Rätseln und diese Mysterien und sowas.

00:04:46: Und ich glaube, dass ihn unter allen diesen Romanen, natürlich Ergata Christi und Conan Doyle, Also Josh Zimmern hat eine herausragende Rolle bei mir gespielt.

00:05:01: der auch den Kriminalroman auf seiner Art und Weise auch geprägt hat, muss man sagen.

00:05:05: Also einen ganz großen Einfluss auch hatte.

00:05:07: Und das werdet ihr auf jeden Fall heute auch erfahren, so ein bisschen auch in die Geschichte der Kriminalliteratur wollen wir auf jeden Fall auch eintauchen.

00:05:14: Und man muss sagen, Georges Simonon war ein herausrangender Mensch.

00:05:18: Und deswegen, der gehört wirklich mit einer zu den meist gelesenen, meist übersetzten Schriftstellern, also auf der ganzen Welt auch.

00:05:26: Und er war auch nicht nur, dass er auch wirklich... Tolle Sachen geschrieben hat die einen auch in den Band ziehen.

00:05:32: Also man kommt schwer los von den Werken, von den Büchern.

00:05:36: Da sprechen wir natürlich auch nochmal drüber.

00:05:38: Und er hat auch wirklich viel geackert.

00:05:41: Also jemand, der über fast zweihundert Romane geschrieben hat, plus noch ganz, ganz viel andere, also richtige Romane.

00:05:49: Das Wort richtige Romane oder Semi-Roman oder Semi-Literatur, das sind auch noch ein bisschen paar Worte, die heute eine große Rolle spielen werden.

00:05:57: Also er war ein unglaublicher Vielschreiber.

00:06:00: Genau, er war Skriboman, nicht nur ein Vielschreiber, er war wirklich Skriboman.

00:06:05: Also seine ... Sagen wir, schreiberische Errungenschaften sind wirklich unglaublich.

00:06:16: Also ich habe ein paar Daten herausgesucht und herausgefunden.

00:06:21: Also er hat um vierhundert Romane geschrieben.

00:06:27: Zweihundert unter seinen Namen, Georges Simonon, aber zahlreiche unter Psydonymen, die er sich immer zugelegt hat.

00:06:37: Und man sagt, dass im Laufe seines Lebens er rund um fünfhundert Millionen exemplare Bücher verkauft hat, was natürlich ihnen auch ein sehr angenehmes und sehr luxuriöses Leben eben ermöglicht hat.

00:07:00: Unglaublich, genau.

00:07:01: Also die Vierhundert, weil was ich nicht mitgezählte, weil er hat auch ganz viele Groschenromane geschrieben.

00:07:05: Er war wirklich auch ein Meister der Trivialiteratur.

00:07:08: Und das ist vielleicht auch das Spannende bei ihm, weil es gibt, in Frankreich ist er bekannt oder unter dem Le Car Simonon, also der Fall Simonon.

00:07:17: Und das geht nämlich darum, dass er ein Vielschreiber war, viele, viele Fans auf der ganzen Welt hatten, aber in der, sozusagen immer etwas kritisiert wurde, schreibt er wirklich echte Literatur.

00:07:31: Ja, weil das ist eine ... Ich meine, wir sprechen über ... Wann hat er angefangen?

00:07:36: mit Megree?

00:07:37: Ich glaube, ein Dreißiger.

00:07:40: Genau, ein Dreißiger.

00:07:41: Der ist neunzehntunhundertdrei geboren.

00:07:43: Der hat sehr früh angefangen, eben zu schreiben, weil er damit auch sein Geld verdient hat.

00:07:51: Und mit Migré hat er schon in den dreißiger Jahren begonnen.

00:07:55: Da hat er schon die Figur eigentlich konzipiert und kreiert.

00:08:01: Und das ist die Zeit, wo wir, natürlich haben wir schon Kondol und Agatha Christi.

00:08:10: und wir wissen auch schon, dass Edgar Allan Poe und auch unser Edgar Hoffmann eben mit so Formen oder frühen Formen der Kriminalliteratur oder Kriminalroman gespielt haben und experimentiert haben.

00:08:26: Aber ich glaube, dass wenn wir über Kriminalroman und Trivialliteratur sprechen, dann sprechen wir eigentlich über die Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts.

00:08:36: Wobei, man muss eben auch bedenken, dass diese ganze Begriffe, Trivialliteratur, Groschenroman, Giallovi, das Italiener genannt haben oder Dass das alles Begriffe sind, die aus der modernen Zeit herrühren, also aus der Zeit, wo das Buch praktisch auch ein

00:08:59: ein Massenpänomen

00:09:03: wurde.

00:09:05: Aber diese Idee von Straßenliteratur, wie das man früher nannte, oder Volksliteratur eigentlich, viel früher existierte und sehr ähnliche eigentliche Aufbauformen hatte.

00:09:21: Darüber können wir dann entweder ab.

00:09:24: Nebenbei, also in heutiger Folge, was erzählen oder vielleicht irgendwann mal wirklich nur darüber sprechen, was auch interessant wäre.

00:09:34: Die

00:09:34: Frage ist ja, ist das jetzt weniger wert, die sogenannte Trivialiteratur oder

00:09:38: nicht?

00:09:39: Nein, das ist das.

00:09:39: Das ist auch eine Zuschreibung und da würde ich mich auch nie da irgendwie in der Art und Weise dazu verleiten lassen, etwas als weniger gut, was ist auch gut zu betrachten.

00:09:50: Also wir, was wir in weder sprechen, auch gerade weil Sie non-fier kritisiert, auch wurde, dann ist das wirklich immer auch, wie er wahrgenommen wurde von Fachkritikern oder in der Presse etc.

00:10:02: Das ist, wie gesagt, ich würde mich nie erheben, irgendwas als gut, schlecht über zu sagen, das ist keine Literatur.

00:10:07: Das

00:10:07: ist auch

00:10:08: nicht unsere Aufgabe hier.

00:10:09: Nein, aber wie du das ja schon gesagt hast, das ist wirklich, glaube ich, wahr.

00:10:15: Er mit seinem Migré und dieser sehr langen Rei, ich glaube, da gibt es irgendwie über siebzig Folgen und mehrere auch Erzählungen, wo Migré wirklich eine tragende Rolle spielt, dass er überhaupt mit seiner Arbeit und seinem Werk Dazu beigetragen hat, modernen Kriminalroman zu formen und zu charakterisieren.

00:10:41: Natürlich gibt es jetzt unterschiedliche Ausrichtungen, die wir auch erkennen können.

00:10:48: Wir können das auch typisieren, typologisieren.

00:10:51: Aber da hat er wirklich eine ganz entscheidende Arbeit geleistet.

00:10:57: und auch immer mit so ein bisschen sozialkritischen Aspekten auf jeden Fall.

00:11:00: Und was bei ihm auch interessant ist, er hatte sich als Ziel gesetzt, diesen Lomnü, also den nackten Menschen darzustellen.

00:11:08: Und wie er dazu kam, wollen wir ein bisschen in seine Biografie eintauchen und dann kommen wir bestimmt auch nochmal auf Migré zu sprechen und auch aus einer anderen Romane und wie er auch nochmal wahrgenommen wurde in der Literatur-Szene.

00:11:20: Sehr gerne, aber da überlasse ich dir die Leitung wie immer und spiele die zweite Geige sehr gerne.

00:11:27: Gut, dann empfiedelier ich mir jetzt mal los.

00:11:30: Du hast ja schon gesagt, er ist geboren am zwölf, zweiten, neunznott, drei und er war Belgien.

00:11:37: Belgier, er war Belgien.

00:11:38: Er ist in Belgien geboren, in Lüttich.

00:11:41: Und es gibt so eine kleine Episode gleich zu Beginn seines Lebens bei.

00:11:44: Man sagt, dass er eigentlich am Freitag den dreizehnten zweiten geboren wurde.

00:11:49: Aber seine Mutter fand das gar nicht so gut.

00:11:52: Freitag der Dreizehnte, bei allem bekannt, ist ein Unlügstag.

00:11:55: Und somit veranlasste sie dann den Vater von Simonon, wenn er als er dann zum Standesamt gegangen ist, doch zu sagen, er sei am zwölften, zweiten geboren, nicht am dreizehnten, zweiten.

00:12:07: Das ist schon mal eine nette Geschichte, mit der Simonon.

00:12:10: auf die Welt Kulatt kam.

00:12:12: Sein Vater war Desiree Siminot, ein Mensch mit, sage ich mal, einem gemächlichen, einfachen Leben, aber auch gut bürgerlich.

00:12:21: Er war Buchhalter bei einem Versicherungsunternehmen.

00:12:25: Und seine Familie war sehr alt eingesessen.

00:12:27: Das waren die Petit Bourgeois.

00:12:30: Und hatten auch eine starke Familie, Bindung, auch flemische Wurzeln.

00:12:34: Aber haben ein gutes, großes, balonisches Zugehörigkeitsgefühl.

00:12:38: Wir haben ja, welchen ist ja geteilt, wissen wir in einem französischen, balonischen Part, einem flemischen Part.

00:12:44: Und er war so ein, wie sagt man, ein einfacher Mann, der gerne arbeiten gegangen ist, der gerne auch sehr bescheiden war, so die kleinen Freuden im Leben gesehen hat.

00:12:55: Und man sagt auch ein bisschen, dass das so der Vater von Migré sozusagen ist oder der Vater, der Vater hat Pate gestanden für Migré.

00:13:03: Die Mutter war ein bisschen, ein bisschen anders zu ihr, hatte Simeon auch eher ein schwieriges Verhältnis seit seines Lebens.

00:13:10: Seine Mutter war Henriette Brühl.

00:13:13: Sie war Hilfsverkäuferin im Warenhaus und da hat sie auch den Vater von Simonon kennengelernt.

00:13:18: Und sie war die Tochter eines Preußen und eines Niederländerinnen.

00:13:23: Und galt damit auch in Belgien als Ausländerin, hat es nicht so einfach gehabt, auch mit der Familie.

00:13:30: Es gab viele in der Familie, die hatten... Probleme, Spielsucht, wann süchtig nach Alkohol oder anderen Drogen.

00:13:37: Und man sagt, dass diese ganze Vermehresituation und auch die Angehörigen, die er hatte, auch Simonon diese Geschichten auch mitgenommen hat und später in seinem Werk verarbeitet.

00:13:49: Er war nicht alleine, er hatte auch ein Bruder, Christian.

00:13:53: Er spielte aber in dem Leben keine große Rolle.

00:13:56: Sie hatten auch keine sehr enge Bindung.

00:13:58: Er ist auch schon früh gestorben, und zwar in den Jungen, und zwar im Indus-China-Krieg.

00:14:06: Und er war in der Fremdenlegion untergetaucht auf Raten seines Bruders, weil er Anhänger einer der faschistischen Bewegungen in Belgien gewesen war.

00:14:15: Und er ist dann aber, wie gesagt, leider schon ganz früh verstorben.

00:14:20: Henriette, die Mama, hatte sich überlegt, wir wollen ein bisschen Zusatz neben dem Buchhalterjob des Vaters.

00:14:25: Das wollen wir noch etwas verdienen.

00:14:26: Er hat dann ihr Haus geöffnet für Pensionsgäste.

00:14:33: Da kamen Gäste aus ganz Europa, die da untergekommen sind.

00:14:38: Und auch das sieht man dann gerade die Menschen, die auch aus Osteuropa kamen, weil viele seiner Figuren haben tatsächlich diesen Hintergrund auch.

00:14:47: Und diese Geschichten, was er erlebt hat, hat er dann auch ganz wunderbar in sein gesamtes Werk mit verwoben.

00:14:53: Klar.

00:14:54: Und nicht zu vergessen, die Zeit, also Zeit seiner Kindheit, ne, von three bis nineteen hundert vierzehn.

00:15:03: als der Weltkrieg anfing und dann eben auch mit Überfall auf Belgien.

00:15:11: Das ist bekannt als Belebock.

00:15:14: Das ist sozusagen entweder auf deutscher Hundertwende oder Belebock.

00:15:22: Eine Zeit, wo man eigentlich gut gelebt hat, dank Kolonien, auf dessen Rücken auch eigentlich europäisches Savoir-Livre ausgetragen wurde.

00:15:40: Das ist eben, und dann kamen wir in den

00:15:43: letzten Jahren.

00:15:44: Genau, der Erste Weltkrieg hat jetzt aber zumindest in der Biografie von Dolorsch-Siminon jetzt nicht viel Einfluss

00:15:53: gehabt.

00:15:54: Er hat ein katholisches Institut gegangen, hat da die Schule besucht, war auch Klassenbester, war sehr beliebt bei seinen Lehrern und er hatte die Idee, Priester zu werden.

00:16:07: Ganz interessant, wenn man hört, wie sein späteres Leben so verlief, gerade auch, was die Frauenquote anging.

00:16:14: Aber diese Idee war auch nur ganz kurz in seinem Kopf.

00:16:17: Er hat dann die Schule abgeschlossen.

00:16:21: Inzwischen wohnen seine Leistungen auch ein bisschen schlechter.

00:16:24: Er verlor auch das Interesse an der Religion.

00:16:26: Und er begann so auch mit kleinen Diebstilen.

00:16:28: Er lernte den Alkohol auch ein bisschen besser kennen.

00:16:31: Und auch Prostitution.

00:16:34: Also er war Zeit seines Lebens immer mal wieder Gänger in Modelle gegangen.

00:16:40: Und das hat ihn auch sein Leben lang begleitet.

00:16:44: Im Juni, hat sein Vater einen Herzinfarkt und das war sehr einschneidend für ihn, weil jetzt hatte er das Gefühl, als ältester Sohn, er muss sich jetzt um die Familie kümmern.

00:16:53: Und da brach er auch die Schule dann ab, also er hat sie nicht abgeschlossen, sondern er hat sie dann abgebrochen, tat das auch nicht ungern und hat dann erst mal geschaut, wie kann er jetzt am besten Geld verdienen.

00:17:06: Hat dann angefangen als Konditor, eine Lehre in der Konditorei, abgebrochen nach wenigen Wochen.

00:17:13: Dann wurde er Hilfsverkäufer in einer Buchverhandlung.

00:17:16: Handlung nach sechs Wochen wurde er entlassen.

00:17:18: Anscheinend hat er zu viel Widerspruch gegen seinen Chef in irgendeiner Art und Weise geäußert.

00:17:23: Und dann eines Tages, so sagt die Geschichte, ist er irgendwie rumgelaufen in der Stadt und hat vielleicht einen Job gesucht, vielleicht ist er auch einfach nur planieren gegangen.

00:17:33: Und da kam er an den Redaktionsräumen der Gazette Liège vorbei.

00:17:38: Und anscheinend dachte er sich auch, er hat schon ein bisschen auch geschrieben und ja, ich bewerb mich hier einfach mal und er wurde auch sofort genommen, mit nur sechzehn Jahren.

00:17:45: Also mit sechzehn Jahren hat er als Journalist angefangen zu arbeiten.

00:17:49: Der Chefgedarteur Joseph de Martot sah auch sofort das Talent und hat ihm auch extrem gefördert.

00:17:56: Und er nahm dann die Rubrik Unfälle und Verbrechen.

00:18:01: Ganz interessant, weil wir auch wissen, dass er später die Kriminalromane geschrieben hat.

00:18:04: Und er schrieb über alles lokale.

00:18:06: Also egal was, über Politik, Wirtschaft, Reportagen.

00:18:10: Er hatte auch eine eigene Kolumne, die hieß Monsieur Le Coq, oder auch du Poilier, außerhalb des Hühnersteins.

00:18:19: Und er schrieb auch satirische Texte und auch zum Teil mit leichten antisemitischen Strömungen, wo er auch dafür kritisiert wurde.

00:18:28: später, da hat er sich auch davon sehr vehement distanziert.

00:18:31: Und er hatte auch eine gewisse Frechheit.

00:18:33: Also zum Beispiel schrieb er auch über irgendwelche Versammlungen oder Ausstellungen, die aber dann abgesagt wurden.

00:18:38: Aber er war nicht mal anwesend, sondern hat das vorher schon verfasst und hat dann das in die Redaktion geschickt und dann hat man festgestellt, das hat aber gar nicht stattgefunden.

00:18:45: Also er war da auch ein bisschen ein bisschen eigen unter ... hatte sich dann auch so ein gewisse, sagen wir mal, Journalisten Outfit angeeignet, also hatte immer Regenmantel und Pfeiffer und hat sich da irgendwie auch gebärdet auf eine gewisse Art und Weise.

00:19:01: Ja, aber das ist auch die Zeit, wo er unter in einer großen Gesellschaft eben ankam, wo er auch seine erste Frau Regina kennengelernt hat.

00:19:12: Genau.

00:19:13: Und wo er unter Künstler, Journalisten, Schriftsteller, kamen und eigentlich so diese gesellschaftliche Schicht kennengelernt hat.

00:19:27: Er war so einer Künstler- und Anarchistengruppe, und da hat er dann Regine Ranchan kennengelernt und nannte sie aber Tigi.

00:19:37: oder Tigi, ich weiß gar nicht richtig, wie man das ausgesprochen hat.

00:19:42: Und das war eine drei Jahre ältere Kunststudentin und er war vor allem von ihrer Intelligenz sehr, sehr angezogen.

00:19:48: Aber der Vater hat gesagt von Tigi Nini, so geht das hier nicht, erstmal verdienen wir erstmal dein Geld, bevor du hier anfängst irgendwas Ernsteres mit meiner Tochter dir zu überlegen.

00:20:00: Inzwischen ist auch der Vater von ihm gestorben und zwar Und wo war das?

00:20:06: Wie gesagt, er war sehr, sehr pflichtbewusst, ist immer wirklich jeden Tag seine Arbeit nachgekommen und er ist dann tatsächlich auch in seinem Büro des Versicherungsunternehmens gestorben.

00:20:15: Er hat einen Herzinfarkt.

00:20:17: Das war ein schwerer Schlag für George.

00:20:18: Wie gesagt, er hatte eine sehr enge Bindung zu ihm.

00:20:21: Und umso mehr hat er jetzt das Quirk, er muss jetzt noch viel arbeiten, er muss sein Geld verdienen.

00:20:26: Und er hatte ja zum Glück diese Anstellung als Journalist, war kurz im Militärendienst in der belgischen Armee, hat sich aber dann wieder nach Lötig zurückversetzen lassen, konnte da also parallel weiterarbeiten.

00:20:37: Es hat ganz gut geklappt, aber er hatte den Traum rauszugehen.

00:20:40: Und du hast ja schon angedeutet, Paris war auch so a place to be damals.

00:20:45: Und er fuhr ... ... im Dezember, wo er mit dem Nacht ... nach Paris und wollte dort ein neues Leben beginnen.

00:20:53: Und in Paris, wir wissen ja aus Berlin schon, zwanziger Jahre, aber auch in Paris waren die sogenannten année voll, also die verrückten Jahre.

00:21:01: Genau, die verrückten Jahre, der ging nach Paris mit seiner Freundin.

00:21:06: Sie kam ein bisschen später noch nach.

00:21:07: Genau,

00:21:07: sie kam später nach.

00:21:09: Man muss aber sagen, dass das Leben in Paris, obwohl die beiden Einigermaßen Erfolg hatten sie mit ihren Werken.

00:21:20: Also Simonon hatte immer wieder Aufträge gehabt, dass das Leben doch eben schwierig war.

00:21:29: Und irgendwann mal, ich glaube, das hast du auch eben notiert, wurde er zu Sekretär eines Marquis.

00:21:44: Er war der Privatsekretär.

00:21:46: Wie muss

00:21:46: man sich das vorstellen?

00:21:48: Was ist, wenn ich so einen Privatsekretär von so

00:21:50: machen will?

00:21:50: Also ich glaube, der war zuständig für seine Korrespondenz und hat wahrscheinlich auch seine Ausgaben und Einnahmen überwacht und wahrscheinlich war er zuständig für irgendwelche Einladungen und Kondolenzbriefen und was es alles immer so zum Schreiben gab.

00:22:09: Aber das, was wichtig war, ist, dass dieser Arbeit, offensichtlich auch nicht schlecht bezahlt, war, ihn im Zeit gegeben hat, um mehr zu schreiben.

00:22:20: Und dann ist er auch mit dieser Makie, der eigentlich überall irgendwie seine kleinen Geschäfte eben hatte.

00:22:28: Genau, ist in ganz Frankreich auch rumgekommen, weil der da auch verschiedene Liegenschaften hatte.

00:22:34: Und das hat ihn dazu gebracht und hat noch viel Einfluss.

00:22:36: Also er hat ja dadurch auch Frankreich einfach auch noch mal besser kennengelernt.

00:22:39: Genau.

00:22:40: Und was für mich sehr interessant ist, dass er eher bei einer Gelegenheit, wahrscheinlich hast du das auch, notiert, eben Bekanntschaft mit der berühmten Colette gemacht hat.

00:22:53: Genau.

00:22:54: Die damals wirklich als eine, sagen wir so, ja, eine sehr... Intrigante und also...

00:23:06: Ach, ist das so?

00:23:07: Das ist mir gar nicht so.

00:23:08: Was ich so gelesen habe, habe ich das gar nicht.

00:23:09: Wieso?

00:23:10: Intrigant?

00:23:11: Sie

00:23:12: war schon eine Person mit zweifelhaften moral oder ethischen Werten, sagen wir so.

00:23:21: Okay.

00:23:22: Hast du das nicht?

00:23:23: Nein, das habe ich gar nicht so in der Recherche so wahrgenommen.

00:23:26: Also ich habe vielleicht auch, weil ich zu sehr den Einfluss vor allem untersucht habe, den sie auf Georges Simonon hatte, weil sie hatte einen ganz, ganz wichtigen Einfluss.

00:23:36: Also es war ja so, wie du schon gesagt hast, er hatte Zeit ein bisschen zu schreiben und er hat halt dann angefangen, Kurzgeschichten zu schreiben für verschiedene Zeitschriften, auch erotische Zeitschriften zum Beispiel.

00:23:47: Die Zeitschrift fand ich so schön, muss ich einfach sagen.

00:23:49: Die Zeitschrift fru, fru, fru heißt, das ist das Rascheln der Damenunterrücker.

00:23:57: Also fru, fru, wenn man sich dann, wenn die Frau sich ausgezogen hat, das halt mit den ganzen Unterrücken so ein bisschen geraschelt, fand ich, fru, fru.

00:24:04: Oder die Zeitschrift Saint-Jeanne, also ohne, ohne Charme oder Paris-Flirt.

00:24:09: und da hat er dann schon einige.

00:24:11: Interessante Geschichten geschrieben, auch unter ganz wieder, was du vorhin schon gesagt hast, immer verschiedene Pseudonyme auch.

00:24:17: Er hat eigentlich selten unter seinem eigentlichen Namen veröffentlicht.

00:24:20: Und dann traf er auf, wie du schon erwähnt hast, Kulett, eine Schriftstellerin und Barriettik-Künstlerin und auch bekannte Journalistin.

00:24:27: Und sie war Literatur-Redakteurin der etwas anspruchsvolleren Zeitung Le Matin.

00:24:33: Also weg von Froufou zu Le Matin.

00:24:35: Und sie hat ihm gesagt, Er solle doch alles Literarische weglassen.

00:24:41: Ich habe da auch ein kleines Zitat, was sie ihm geschrieben hat, weil das hatte einen sehr, sehr großen Einfluss auf die Art und Weise, wie Georges Simonon dann auch in Zukunft geschrieben hat.

00:24:52: Und zwar hat sie geschrieben.

00:24:54: Mont Petit Sim.

00:24:56: Ich habe ihre letzte Erzählung gelesen.

00:24:59: Irgendetwas stimmt nicht damit.

00:25:01: Das meiste stimmt, aber irgendetwas stimmt nicht.

00:25:04: Sie sind zu Literarisch.

00:25:06: Sie dürfen keine Literatur schreiben.

00:25:08: Keine Literatur.

00:25:10: Streichen Sie alles Literarische.

00:25:13: Dann kommen wir der Sache näher.

00:25:16: Was meinte denn Colette mit, streichen Sie alles Literarische?

00:25:21: Ich glaube, Sie meinten, streichen Sie alles, was eigentlich reine Dekoration ist.

00:25:32: Wie du das gesagt hast, mich hat das immer eigentlich begeistert und fasziniert.

00:25:39: Simonon schreibt mit einem sehr suggestiven Stil.

00:25:48: Sein Stil ist sehr suggestiv, sehr beeindruckend, aber seine Sätze sind sehr kurz und sein Wortschatz ist ziemlich... ist ziemlich dürr, würde ich sagen.

00:26:06: Und trotzdem mit diesen wenigen Mitteln erreicht er faszinierende Effekte.

00:26:14: Und das ist das.

00:26:15: Das ist diese Zauber.

00:26:17: Und wahrscheinlich hat er eben Colette das gemeint.

00:26:21: Genau, sie hat halt einfach zu mehr Schlichtheit und Direktheit angeraten.

00:26:26: Also alles sozusagen weglasten, was einfach gar nicht notwendig ist.

00:26:32: Und also auch mehr Realismus wagen.

00:26:35: Also wirklich das darstellen wir es ist und nicht in irgendeiner Art und Weise.

00:26:39: auszudekorieren.

00:26:40: Und wir haben es ja schon angesprochen.

00:26:42: Zu Beginn, es war so eine Zeit, da nahm dieser Literaturbetrieb auch extrem Fahrt auf.

00:26:46: Also es kam zu neueren, günstigeren Möglichkeiten Bücher zu produzieren.

00:26:52: Es gab bessere Drucktechniken.

00:26:54: Es gab insgesamt auch mehr Wohlstand natürlich in der Zeit.

00:26:57: Die Leute hatten auch Zeit, in ihrer Freizeit zu lesen und sich der Literatur oder den die Büchern zu widmen.

00:27:05: Und es entstand ein erigerechter Massenmarkt damals.

00:27:08: So hat auch Georges angefangen, dann seinen ersten Groschen-Roman zu schreiben.

00:27:14: Und vergesse nicht, das ist die Zeit von Rundfunk

00:27:17: und

00:27:18: die Zeit von Hör-Roman, also Audiobooks, praktisch die ersten Audiobüchern, also auch die Rundfunk-Romane.

00:27:33: Wie heißt das?

00:27:35: Die Hördrahmen?

00:27:37: Hörspiele?

00:27:38: Hörspiele, genau, entschuldige.

00:27:40: Hörspiele, ganz wichtig, auch so Kriminalgenre würde dadurch, kriegt es so richtig, also Flügel praktisch, würde beflügelt.

00:27:52: Das, was mir sehr interessant ist, also natürlich liest oder kennt George Simonon Agatha Christie.

00:28:02: Und wir sollen nicht vergessen, dass es da auch so manche Merkwürdige Parallelen gibt.

00:28:09: Agatha Christi hat Erkülpo Aero.

00:28:11: Erkülpo Aero ist ein Belgier.

00:28:14: Und das ist auch so.

00:28:16: diese ganz kurze... Stimmt.

00:28:20: Am Magrie ist kein Belgier.

00:28:21: Am

00:28:22: Magrie ist kein Belgier.

00:28:23: Genau.

00:28:25: Aber Simonon ist ein Belgier.

00:28:27: Und das sind so kleine... Und was man auch sagen muss, ich meine, von Anfang an... Also, von klein auf war Georges Simonon ein sehr hart arbeitender Mensch.

00:28:43: Das ist richtig.

00:28:45: Er hat wirklich alles geschrieben.

00:28:48: Also, in ersten Groschen Roman, Le Romande und Dactylo, also der Roman einer Stynographien übersetzt.

00:28:54: Er hat Liebesromane geschrieben, Abenteuer Romane schon auch.

00:28:57: Beginn Kriminal-Romane und auch immer noch lustig-erotische Geschichten.

00:29:01: Das kam auch einfach gut an, wie wahrscheinlich heute auch noch.

00:29:04: Und er war auch.

00:29:05: nicht nur das er geschrieben hat, er war auch sehr, sehr gut in der Selbstvermarktung.

00:29:09: Also er hat, es gab auch eine Titelgeschichte über ihn in der Parisoare.

00:29:13: Also er hat das auch gut... ganz schnell gemerkt, wie kann ich mich auch selbst gut verkaufen und damit natürlich auch meine Werke.

00:29:20: Und er hat auch nicht schlecht verdient.

00:29:21: Also ein Roman von, von Zehntausend Zeilen brachte auch mal tausend bis tausend Fünfhundert Fonds, was in der damaligen Zeit oft nicht wenig war.

00:29:29: Und er hat sich auch selbst betrachte, sagt es war wie so ein Werkarbeiter, also wie so ein Fabrikarbeiter, ja, also Produktion am laufenden Band.

00:29:36: Das hat ihn am Leben erhalten und hatte auch ganz schnell einen, einen positiven Einfluss auf seine Geldtasche, auf seine Geldbörse.

00:29:43: Er hatte auf einmal Geld für Reis.

00:29:45: für Autos, für Feste, die man damals als Varorgin bezeichnet hat, für Boote, Frauen.

00:29:52: Und für ein Dienstmädchen.

00:29:54: Genau.

00:29:55: Und zwar Aurielle Berge.

00:29:58: Genau.

00:29:59: Auch den Namen hat er nicht so stehen lassen.

00:30:01: Er hat ihr auch einen anderen Namen gegeben, und zwar Bull.

00:30:05: Hat er sie genannt.

00:30:07: Und wie du schon sagst, sie war als Hausmädchen angestellt.

00:30:10: Er lernte sie in den Urlaub in der Normandie kennen, stellte sie an.

00:30:17: Und sie blieb dann über vierzig Jahre als Geliebte an seiner Seite.

00:30:22: Genau.

00:30:25: Und in seinem Haushalt.

00:30:26: Und in seinem Haushalt.

00:30:28: Und es heißt, dass Tigi erst in den vierziger Jahren wirklich verstanden hat, was man sich schwer vorstellen kann, weil er schon ein sehr, sehr... offenes Sexualleben auch hat.

00:30:39: Es ist verwunderlich, dass das so lange versteckt blieb.

00:30:42: Vielleicht wollte man es auch einfach nicht sehen.

00:30:44: Aber wer weiß, das ist auch nicht an uns, das zu beurteilen.

00:30:47: Auf jeden Fall gab es da noch Wohl.

00:30:49: Und es spielt ja noch eine damals sehr, sehr bekannte Frau, eine Rolle in seinem Leben.

00:30:55: Und zwar Josephine Baker.

00:30:58: Ja, das weißt du besser als ich.

00:31:00: Erzähle.

00:31:01: Das ist etwas, was mir in den Gangen ließ.

00:31:05: Das war so eine Affäre, die war in dem Jahr die Erfähre von dem Jahr.

00:31:12: Er war ihr Sekretär, wie das kam.

00:31:13: Er wurde Sekretär von ihr und auch ihr Liebhaber.

00:31:18: Und er dachte auch wirklich daran, sie zu heiraten.

00:31:21: Das war sein Plan.

00:31:23: Aber er ist davon wieder abgekommen.

00:31:24: Und man sagt aus einem ganz bestimmten Grund.

00:31:27: Georges Simonon wollte nicht Monsieur Beigeur sein.

00:31:31: Also, er hatte anscheinend zu viele Sorge.

00:31:35: Zu viele Sorge, sagt man, dass er dann in ihrem Schatten stehen würde.

00:31:38: Ja, weil sie waren wirklich Weltstar.

00:31:41: Ja, ein Riesensstar.

00:31:43: Unglaublich.

00:31:44: Und er ist dann auch wirklich geflüchtet, muss man sagen, von dieser Affäre.

00:31:49: Und langsam, wir sind es jetzt, und nähern wir uns der Geburtsstunde.

00:31:54: von Migré.

00:31:56: Und dem ist aber was vorausgegangen.

00:31:58: Ich habe ja schon gesagt, George hat ein bisschen mehr Geld.

00:32:01: Und er gab das auch für Boote aus.

00:32:04: Also er kaufte inundzehnundzwanzig ein Boot und fuhr damit über die Flüsse und Kanäle in Frankreich mit Tigi und Buhl zusammen.

00:32:16: Und er hatte festgestellt, oh, auf diesen Reisen kann ich wunderbar schreiben.

00:32:20: Und, neunzehnundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund Delf-Ziel, Delf-Ziel, ich bin das niederländisch nicht so mächtig, hat er da angelegt.

00:32:53: Und weißt du, wie das entstanden ist, dass er, soll ich mal was vorlesen, das hat er nämlich festgehalten.

00:33:00: Weil da in diesem Moment ist Migré geboren.

00:33:04: Also er hatte gerade wohl im Projekt beendet und hat überlegt, na was kann man denn jetzt so schönes machen?

00:33:11: Und ich lese mal vor, was er geschrieben hat.

00:33:13: Also das Beste ist ja immer das von den Menschen selbst zu hören.

00:33:15: Deswegen lese ich mal vor, was jochst.

00:33:17: Simonon dazu geschrieben hat, über die Geburt der Figur des Kommissarmegrés.

00:33:23: Seit einiger Zeit spürte ich das Ende meiner Lehrjahre, in denen ich zahllose Erzählungen und Groschenromane unter fünf oder sechzehn Pseudonymen geschrieben hatte, kommen.

00:33:33: Aber noch zögerte ich, mit einem schwierigeren, wenn nicht sogar ernsteren Genre anzufangen.

00:33:39: Ich sehe mich noch an einem Sonningvormittag in einem Café sitzen.

00:33:43: dessen Besitzer tagtäglich stundenlang seine Tische mit leinsamen Öl zu polieren pflegte.

00:33:49: Ich habe in meinem ganzen Leben keine glänzenderen Tische gesehen.

00:33:52: Zu diesen Stunden saß kein Mensch an dem großen Mitteltisch, wie ein Holland üblich ist, wo die sorgfältig auf Kupferstangen aufgezogenen Zeitungen auf ihre Leser warteten.

00:34:03: Habe ich ein, zwei oder sogar drei kleine Geneva mit einem Schuss Bitter getrunken?

00:34:09: Jedenfalls sah ich nach einer Stunde ein wenig schläfrig, allmählich die mächtige, unbewegliche Statue eines Mannes sich abzeichnen, der mir einen rechten Kommissar abzugegen schien.

00:34:21: Im Laufe des Tages gab ich ihm noch ein paar Requisiten, eine Pfeife, eine Melone auf dem Kopf, einen dicken Überzieher mit Samtkragen.

00:34:29: Und weil es in meinem verlassenen Boot so feucht kalt war, erlaubte ich ihm für sein Büro einen kalten Kanonenofen.

00:34:36: Am nächsten Mittag war das erste Kapitel vom Migré und Pietre de Lette fertig.

00:34:41: Vier oder fünf Tage darauf, der ganze Roman.

00:34:46: Migré ist geboren.

00:34:47: Genau, Pierre de Lettona.

00:34:51: Der Lettona, ja.

00:34:52: Oder der Lette.

00:34:54: Es gibt verschiedene Übersetzungen, haste recht.

00:34:56: Pierre

00:34:56: de Lette.

00:34:57: Pierre de Letton auf Musik.

00:34:59: Genau.

00:35:01: Und das ist eben Geburtsort

00:35:04: von

00:35:05: Migré.

00:35:07: Wir stellen uns die Frage, wer war denn dieser Migré?

00:35:11: Und was macht ihn vielleicht so besonders oder auch als Figur in der Kriminalliteratur?

00:35:16: Jelena, wie würdest du Migré beschreiben?

00:35:20: Also, das ist, ich glaube, zum ersten Mal erscheint so eine Figur, die eigentlich Träger der zahlreichen Folge Roman ist.

00:35:35: Wir haben auch in anderen Genres so eine Person oder eine Figur, die dann eben die Geschichte trägt, aber die Geschichte entwickelt sich.

00:35:47: Hier haben wir eben einen Inspektor, der von einem Fall zum anderen Fall geht.

00:35:55: Und sein Team ist immer derselbe.

00:36:01: Das ist Inspektor Migré, das ist eine Frau, Frau Migré und vier Mitarbeiter aus seinem Büro.

00:36:12: Unter anderem glaube ich, Jean-Vier, Lukas und genau.

00:36:23: Und die alle haben ihre, die sind alle charakterisiert, die haben ihre Schicksale, die haben ihr Leben, die sind super, die sind sehr gut motiviert.

00:36:40: Motivation ist hundertproduzentig.

00:36:42: Man weiß ganz genau, warum sie was machen und mit welchen eigentlich emotionalen Abgründen oder Tiefen und Höhen sie zu kämpfen haben.

00:36:56: Und sie arbeiten ihm ja auch zu.

00:36:57: Also er sozusagen der Chef.

00:37:00: Man muss sich ihm vorstellen, als ich glaube, das hat ihn vielleicht auch so sympathisch und so interessant gemacht, warum er viele Leser hatte.

00:37:06: Er war ein Mann aus dem Volk.

00:37:09: Wie der Vater vielleicht von Georges.

00:37:12: Also er war sehr groß, er hatte einen gut geschnittenen Anzug.

00:37:16: Er war sehr, sehr kräftig.

00:37:19: So kräftig, dass ihm auch schon mal die Puste ausgingen, wenn er irgendwie paar Stockwerke hochlaufen musste.

00:37:24: Er trinkt sehr viel.

00:37:27: Man fragt sich manchmal, gerade bei den Verhörern, wie er es geschafft hat, seine Polizeiarbeit noch in irgendeiner Art und Weise zu leisten.

00:37:34: Also er trinkt viel.

00:37:35: Er ist viel.

00:37:36: Er raucht.

00:37:37: unglaublich viel.

00:37:38: Und das ist dann auch oft Frau Migré, die ihm dann die Pfeife stopft.

00:37:43: Also da es ein sehr traditionelles Mann-Frau-Verhältnis möchte ich es mal beschreiben.

00:37:48: Alle sind eigentlich ein bisschen gefühlt dazu da, um Migré zuzuarbeiten.

00:37:52: Aber er ist letztendlich der, der die Fälle löst.

00:37:55: Und zwar auf eine ganz interessante Art und Weise, denn er versucht sich wirklich immer in die Gedanken in den Kopf des Täters und auch das Opfer zu versetzen.

00:38:09: Er versucht immer zu verstehen, wie kamen, kommt jemand dazu, so eine Tat zu begehen.

00:38:16: Und er macht das und das ist das Besondere ermittelt mit unglaublich viel

00:38:20: Empathie.

00:38:21: Genau.

00:38:21: Man sagte auch, dass er nicht die Fälle durch Intelligenz oder Rätsellösung löst oder besondere Fähigkeiten, besondere Fertigkeiten, sondern durch Empathie.

00:38:36: Genau, durch seine Persönlichkeit.

00:38:38: Und da bewegen wir uns doch relativ weit weg von den typischen Sherlock

00:38:43: Holmes-Roman

00:38:44: oder Herr Cui Poirot, wo es ja auch um die Genialität geht, dieser Direktive, die dann immer das Rätsel entschlüssen und eins und eins zusammenbringen und fünf auch noch dazu.

00:38:56: Und da handelt er ja auf eine ganz andere Art und Weise.

00:39:00: Genau, er handelt eigentlich nicht.

00:39:03: Stimmt.

00:39:05: Er führt nur.

00:39:07: Nein, auch nicht das.

00:39:10: Er führt Gespräche, die manchmal auch Rätselhaft sind, manchmal sehr kurz sind, manchmal auch nicht zu Ende geführt sind.

00:39:22: Aber aus diesen Gesprächen tauchen langsam eben Psychogramme der Gegenüberstehenden.

00:39:33: Und dadurch auch durch die zahlreiche Romane, die man wirklich mit sehr viel, wie soll ich sagen, Freude und auch Leidenschaft verfolgt und liest, durch alle diese Romane wird die Figur von Inspektor McGree vervollständigt, so dass man am Ende wirklich einen Menschen, nicht nur eine Literaturfigur, sondern wirklich einen real existierenden Menschen als Freund hat, als jemand, der dich durch das Leben, also mich verfolgt, migrät durch mein Leben.

00:40:22: Also ich weiß jedes Mal, wenn ich eben in einem Weinhandel bin und Weißwein kaufen möchte, suche ich Chablis.

00:40:31: weil man Gréschablis trinkt.

00:40:33: Und jedes Mal, wenn ich in Paris bin, dann will ich erst mal Kedophäe sehen und schauen, ist das alles da, auf seinen Platz?

00:40:43: Vielleicht trifft man auch noch... Jetzt höre ich wieder mal.

00:40:56: Ich besonders gerne mag ich diese kleine Kneipen, wo man solche Menschen wie Inspector Magret erwarten kann.

00:41:06: Und das ist dieser, also für mich ganz besonders Paris.

00:41:11: Man sagt auch, dass die Magret-Romane eigentlich ein Panoptikum der französischen Gesellschaft darstellen bzw.

00:41:23: eine eine vollkommene Landschaft der französischen Gesellschaft.

00:41:32: Megré ist aber auch in Amerika, als Simon und seine Familie zusammen in New York und in Amerika eben sich niedergelassen hat.

00:41:46: Da gab es auch Megré.

00:41:48: Megré gab es auch in Holland.

00:41:50: Megré gibt es überall.

00:41:52: Aber für mich ist Migré eigentlich dieser Paris der kleinen Menschen, weil Inspektor Migré ist ein kleiner Mensch.

00:42:05: Und wir haben ja auch am Anfang, was wir gehört haben, das ist ja auch so eine typische Bar-Szene.

00:42:09: Und wo es wirklich ist, beschafft, die Menschen auf den Punkt zu beschreiben.

00:42:14: Und das ist ja auch was, da kommen wir, wenn wir die Roman Dürr von ihm noch besprechen.

00:42:17: Er schafft es ja auch wunderbar, da wir war auch so bekannt und so beliebt, diese Atmosphäre zu schaffen.

00:42:23: Und wie er die Menschen ... beschreibt, sodass man es alles vor Augen hat.

00:42:27: Und wie sei es passiert manchmal gar nicht viel.

00:42:29: Es lebt auch wirklich viel von dieser Atmosphäre, diesen Beschreibung und vielleicht auch mal ein paar Beispiele zu nennen von Megree, um mal auf ein, zwei Werke, aber würde ich nur kurz auch einzugehen, weil sein Werk ist so umfassend, da man weiß auch gar nicht, wo man anfangen soll.

00:42:42: Aber er hat für dieses Beispiel der Empathie, die Megree ja auch hat, sowohl für die Opfer, aber auch für die Täter.

00:42:49: Es gibt zum Beispiel ein Roman, der heißt Megree und seine Tote.

00:42:53: Mh,

00:42:55: mh.

00:42:56: Und da schaffte er es auf eine ganz ungewöhnliche Art und Weise, mithilfe diesmal seiner Frau.

00:43:02: Also Madame McGree hat eigentlich nicht viel zu sagen, aber hier spielt seine Frau eine kleine Rolle, weil es geht um die Tote und zwar das Opfer und zwar versucht er wirklich zu rekonstruieren, was hat sie in den letzten Stunden gemacht, bevor sie gestorben ist?

00:43:16: und alles basiert vor allem darauf, warum hat sie dieses eine Kleid getragen.

00:43:20: Sie trägt so ein ganz besonderes Kleid und er schafft es auch durch dieses Kleid zurückzuverfolgen, dass sie das ausgeliehen hat.

00:43:25: Und so kommt er langsam auf die Spuren.

00:43:31: Oder in einem anderen Roman gibt es Migré und sein Tod, da heißt es, glaube ich.

00:43:37: Genau, das war gerade Migré und die Junge Tod.

00:43:39: Und es gibt noch Migré und sein Tod.

00:43:41: Das wollte ich anfangs berichten.

00:43:42: Und da ist es so, da ist eine bestialische Mörderin, die eine ganze Familie auf grausame Art und Weise getötet hat.

00:43:51: Und in dieser Geschichte kriegt sie ein Baby.

00:43:53: Und er ist dann auch im Krankenhaus, macht das Verhör nach der Geburt.

00:43:58: Und kurz bevor er rausgeht, weiß er dann die Hebamme an oder die Pflegerin, bitte bringt doch Blumen für die Frau.

00:44:04: Und dann steht auch so diese eine Satz.

00:44:06: Ja, schließlich ist ja auch gerade ein Mensch geboren worden.

00:44:10: Ja.

00:44:11: Und das war ... Das fand ich so nahe gegangen.

00:44:16: Das ist also diese Menschlichkeit, die ja Migré auch immer zugeschrieben

00:44:19: wird.

00:44:20: Genau, weil ich habe manchmal den Eindruck, dass Simon nun eigentlich in seinen Figuren eh die Menschliche Ohne macht und das Scheitan eigentlich sucht als Helden oder mutige Menschen.

00:44:37: Also das ist das, was ihn bewegt.

00:44:40: Und ich glaube, dass eigentlich sein Werk ist ein Gegenpol zu seiner nazistischen Natur.

00:44:49: Alles, was wir über Simonon erzählt haben, also sich selbst zu vermarkten, gerne zu boddellen, zu gehen, exzessiv zu leben, auch der hat gerne auch Luxus gelebt, also war gerne bei auf allen Partys und Empfängen.

00:45:13: Und wenn man sich seinen Werk anschaut, als ob er in seinen Texten, also ob das sein Raum ist, wo er eigene Kälte und eigene Distanz eigentlich aufzubrechen suchte.

00:45:33: Das ist das, was für mich immer wieder so eine Frage ist.

00:45:38: Und es ist fast so, als ob er in der Literatur die Menschlichkeit sucht und die irgendwie ihm in seinem realen Leben abhanden gekommen ist.

00:45:53: Also so diese unter kleinen Menschen, wie du das eben dieser Zitat am Anfang war so schön, also diese junge Frau, die da sitzt und eben ist und rothaarig ist und du kannst tausend Sachen eigentlich... Die ihr vorstellt, ist sie aus dem Osten, ist sie eine kleine Russin, sie ist rot-harig, weiß, weiße im Wangen.

00:46:21: Sie ist an ihrem Hörnchen, hat sich Hunger.

00:46:25: Du kannst auch selbst dann auch Geschichten erzählen, aber warme menschliche Geschichten.

00:46:30: Und das ist das, was wirklich sein Werk auszeichnet und ihn so groß macht.

00:46:36: Und das ja auch, wie du es gesagt hast, die sogenannten Französischen, sagt man l'Raté, also die Gescheiterten beschreibt.

00:46:42: Da kommen wir ja auch gleich nochmal, wenn wir in die Romandeur, da ist es noch viel prägnanter, weil da spielen diese sogenannten Raté auch eigentlich die meisten, in seinen meisten Romanen, die nicht Rumegrés sind, spielen da eine Hauptrolle.

00:46:56: Du hast gerade Bälle erwähnt oder besondere Veranstaltungen.

00:47:01: Es wäre ja nicht Simonon gewesen, wenn er nicht auch den Migré auf eine ganz besondere Art und Weise die Gesellschaft eingeführt hätte.

00:47:11: Es war so, er musste zunächst doch erst mal seinen Verleger.

00:47:14: überzeugen.

00:47:15: Das war damals Fajat.

00:47:17: Der war nicht so begeistert zu Beginn.

00:47:20: Also das war jetzt nicht so der typische Kommissar, den man sich sonst so vorgestellt hat.

00:47:24: Es gab keine Rätsel mit Logik.

00:47:26: Ja, es war auch nicht sehr, sehr spannend.

00:47:30: Und der Detektiv war jetzt nicht ein sexy junger Star, der daherkommt.

00:47:36: Es war nicht richtig gut und böse.

00:47:38: Also diese Pole auch, die es ja auch für viele Geschichten brauchte, immer, woran man gewohnt, gewöhnt war auch einfach.

00:47:44: Und es war ziemlich traurig auch, das muss man auch noch mal sagen, als wenn Megreda den Täter gefasst hat oder ja, da stoppt es auch meist.

00:47:55: Man weiß auch gar nicht, wie es weitergeht.

00:47:56: Also meist endet es mit einem Verhör oder man weiß dann, wer der Täter ist.

00:47:59: Und es ist nicht so, dass Megreda mit großer Freude rausgeht aus diesen Fällen.

00:48:04: Im Gegenteil, er ist ja Gedanken verloren, fast ein bisschen traurig, wie als ob er die ganzen Last der Welt auf sich trägt.

00:48:11: Er ist... gefühlt traurig, dass so was passieren kann.

00:48:15: Und das wollte Fajat auch nicht, sondern so ein trauriges Ende.

00:48:18: Es hat ihm nicht so gut gefallen.

00:48:20: Aber Simonon hat sich durchgesetzt, der wollte das unbedingt so haben, hat auch durchgesetzt, dass man, das war relativ neu damals, ein fotografiertes, also ein Cover hat mit einem Foto.

00:48:32: Man wollte das gerne so.

00:48:33: Und schließlich hat er den Vertrag abgeschlossen, also ein Migré pro Monat, was unglaublich viel ist.

00:48:39: Aber zu seiner Vielschreiberei sprechen wir auch nochmal kurz.

00:48:43: Das ist ein Groschen-Roman.

00:48:45: Man hat eigentlich Magré wie ein Groschen-Roman behandelt.

00:48:51: Das ist wie Edgar Wallace-Roman.

00:48:55: Und wenn du diese ersten Ausgaben dir anschaust, die sind wirklich alle so, das sind so ganz weiche Cover.

00:49:04: Man das

00:49:05: kennt.

00:49:06: Genau, eine Romane, die man eben in Hosen hineinstecken kann.

00:49:12: und bei jeder Gelegenheit lesen kann.

00:49:16: Ja, aber mit dem fotografierten Cover.

00:49:17: Du hast ja auch typisch ist, wenn man denkt, wenn man

00:49:20: so

00:49:20: guckt, das sind auch diese fotografierten Cover.

00:49:23: Und der offizielle Erscheinungstermin war der zwanzigste, zweite, neun, dreißig.

00:49:28: Und da hat Simonon eine Veranstaltung in der Bar Boule Blanche organisiert.

00:49:33: Das war eine Nachtbar.

00:49:35: Und er hat einen sogenannten Ball-Antrofometrik.

00:49:39: Anthropometrik ist ja so die biometrische Analyse, die damals auch genutzt wurde in Ermittlungsverfahren.

00:49:44: Und auf der Einladung gab es blutige Fingerabdrücke.

00:49:48: Fingerabdrücke wurden auch am Eingang genommen.

00:49:50: Die Gäste hatten sich verkleidet wie in Detektiv-Romanen.

00:49:55: Und die ganze Pariser Presse berichtete damals darüber.

00:50:00: nicht nur dadurch, aber auch durch die Romane an sich, das war sofort ein durchschlagender Erfolg.

00:50:05: Also diese Reihe, Megree macht das Seminon tatsächlich berühmt auf einen Schlag.

00:50:11: Und nicht nur das als folgenden Übersetzung, also nicht nur in Frankreich oder Belgien, sondern folgenden Übersetzungen, ganz Welt.

00:50:17: Und auch... Jean Renoir wurde auf ihn aufmerksam, ein bekannter Filmemacher und er wollte auch unbedingt die Filmrechte haben für einige von den Migrés.

00:50:28: Also langsam fing es auch an, dass das Buch vor den Migrés den Sprung geschafft hatten in die Kinos und als Film verfümmt wurden.

00:50:41: Und er hatte inzwischen ziemlich viel Kohle.

00:50:43: Sein sehr luxuriöses Leben geführt, tolle Restaurants, tolle Hotels.

00:50:49: Ihm war es aber trotzdem immer noch wichtig, den Kontakt zu normalen Menschen, also normalen Einführungsstrichen zu haben.

00:50:56: So hat man ihn auch öfter mal gesehen, wenn er mit seinem Boot unterwegs war, wie er mit irgendwelchen Matrosenabendrücken geübt hat.

00:51:01: Also er hat immer noch versucht, trotzdem noch Bezug zur Realität zu haben.

00:51:06: Aber interessant ist, in neunzehntrein dreißig schrieb er den letzten Migrero-Mann.

00:51:13: Vermutlich.

00:51:14: An der Neunzehn-Dreien-Dreißig hat er erst mal gesagt, ich mache erst mal Stopp.

00:51:18: Und er wollte sich den echten Roman zuwenden.

00:51:23: Er wollte etwas schreiben, was höhere Literatur war.

00:51:27: Ja, aber ich möchte eben noch einmal zurück zu Migrä.

00:51:30: Weil da haben wir natürlich nicht eben alles klargemacht, was wir klarmachen wollten.

00:51:38: Ich meine so... Doch er hat sehr schön eben dargestellt, wie üblich und ausgiebig eben Erscheinung von Migréfigur gefeiert wurde.

00:51:50: Und auch danach gab es wirklich eine, ich glaube, in einem Jahr hat er vierzehn Migré-Romaner geschrieben.

00:52:01: Aber mich integriert immer noch dieser fast un... Also, unverbindlich oder eine Verbindung zwischen dem Autor und der Figur, die so kontrovers ist, dass man das überhaupt nicht irgendwie unter einen Hut bringen kann.

00:52:29: Wir haben einen lauten Schriftsteller, einen Skriboman, einen auch Sexbesessenen, also Menschen, der gerne in der Öffentlichkeit ist und gerne etwas darstellt und eine Rolle spielt.

00:52:53: Und dann haben wir eben seiner Romane, die still und sprachlos sind.

00:53:02: Und diese Stille und Sprachlosigkeit sind tatsächlich ein Markenzeichen von Simonon.

00:53:10: und von seiner Prosa und vor allem von Migré.

00:53:13: Eine Art literarische Vakuum, in dem die Figuren fast verloren wirken.

00:53:22: Er schafft es, die Spannung nicht über Handlung oder Dramatik aufzubauen, sondern über die leisen, unausgesprochenen Dingen, die im Raum stehen.

00:53:38: Das ist das, was mich immer noch heute So verzauber hat er eigentlich.

00:53:44: Man sagt ja auch, dass Simonon sich so ein Leben, was der Migré hat, dieses häusliche auch und dass dann auch die Frau, dass er sich das eigentlich auch irgendwie gewünscht hat.

00:53:54: Das hat man immer so ein bisschen, dass er das, oder hat auch später selber mal gesagt, dass er das eigentlich schön fand und auch das auch immer gesucht hat und dass er in seinem Leben jetzt... immer auf dieser psychologischen Ansatz.

00:54:08: Das ist ja eigentlich die Spannung da.

00:54:09: Es gibt nicht diese typische, wie gesagt, dass die Spannung durch die Handlung, sondern die Spannung entsteht durch das, was im Kopf passiert.

00:54:17: Genau.

00:54:18: Aber wir wissen auch, dass zwischen Frau Migré und Inspector Migré.

00:54:23: Frau Migré ist immer da.

00:54:26: Sie ist diejenige, die im Frühstück vorbereitet.

00:54:29: Sie wartet auf ihn.

00:54:31: Sie legt eben Hauschuhe vor ihm.

00:54:36: Sie kocht eben Tee für ihn.

00:54:39: Sie versucht, sein Leben wirklich ihn bequem zu machen.

00:54:45: Und auf der anderen Seite, wie ihr seht, regt er auch sehr, um seine Frau besorgt ist.

00:54:51: Wenn sie krank ist, der ihr ab und dann völlig unerwartet Blumen kauft.

00:54:59: Und trotzdem gibt es zwischen den beiden eine leise Traurigkeit und eine Tragik, die sich sehr leicht hineinschleicht in das Wohnzimmer, wo beide sitzen.

00:55:21: Und das ist das, was ... was sein Werk so eigenartig macht.

00:55:31: Man hat den Eindruck, er spürt die Menschen, er sieht die menschliche Schmerzen, die menschliche Enttäuschungen, die Verbitterungen.

00:55:44: Das ist auch wichtig.

00:55:46: Man weiß manchmal von Anfang an, wer der Mörder

00:55:50: ist.

00:55:52: Das, was richtig ist, ist, warum.

00:55:55: Was ist Motiv?

00:55:56: Warum machen die Menschen das, was sie machen?

00:55:59: Und die fast alle natürlich?

00:56:01: Geld ist immer ein ganz wichtiges Motiv, aber Liebe auch.

00:56:08: Und das ist wahnsinnig wichtig.

00:56:13: Also er ist irgendwie diese.

00:56:19: Und an die Einsamkeit.

00:56:22: Das ist auch etwas, was häufig da ist.

00:56:26: Seine Figuren sind einsam.

00:56:29: Und er ist auch einsam.

00:56:30: Und Migré ist einsam.

00:56:32: Und Frau Migré ist auch einsam.

00:56:35: Und in dieser stille Sprachlosigkeit sind sie doch für einander Trost in dieser Einsamkeit.

00:56:44: Und das ist etwas, was wirklich spürbar in jedem Roman da ist.

00:56:50: Egal wie... Also ich mag, du hast eben jetzt auch diese wunderbaren Roman, also Migré und seine Tote.

00:57:02: Migré und eine junge Frau, genau.

00:57:03: Es gibt Migré und sein Toter.

00:57:05: Genau,

00:57:06: Migré

00:57:07: und eine junge Frau, die junge Tote.

00:57:09: Genau,

00:57:09: das ist so ein feinfühliger Roman, also so leise gestrickt wie diese tote junge Frau, die eigentlich Ja, in einem schönen Kleid, sich ein anderes Leben eigentlich erträumt hatte.

00:57:28: für ein oder von einem anderen Leben träumen wollte.

00:57:32: Das ist das, was mich immer wieder fasziniert und das wollte ich nicht eben unerwähnt.

00:57:38: Es ist gut, dass du es auch noch mal gesagt hast und ihr schafft es ja auch wirklich.

00:57:40: Und das ist ein Migré und Simonon sich ja ähnlich.

00:57:43: Was macht Simonon?

00:57:44: Simonon versetzt sich ja tatsächlich in die Menschen hinein und Migré macht nichts anderes.

00:57:49: Es gibt so ein ganz nettes Buch auch.

00:57:51: Ich habe ja sehr, sehr viel Simonon letzten Wochen gelesen.

00:57:56: Und es gibt ein Werk, das heißt Migré und die Affäre Saint-Fiacre.

00:58:01: Oh ja, genau, kenne ich.

00:58:03: Und

00:58:03: da erfahren wir ein bisschen was über die Vergangenheit von Migré, weil er geht in seinen Heimatort zurück, weil er kriegt irgendwie so einen anonymen Anruf, dass da jemand sterben wird und ist dann dort und er erinnert sich an seine Heimat oder als er Kind war.

00:58:19: Er schafft es diesen Fall auch in Bewegung zu bringen dadurch, dass er sich erinnert an seine Zeit, wo er Korknabe war.

00:58:26: Und ein Korknabe spielt auch eine kleine Rolle und er, durch das er sich hineinversetzen kann, wie der Junge denkt.

00:58:35: Schaft er ist, weil der Junge irgendwas verbrochen hat, ich weiß es nicht mehr ganz genau, aber dadurch schaft er es auch diesen Fall, wie gesagt, aufzurollen und dem Mörder dann etwas näherzukommen, aber durch diese tolle, fantastische Gabe sich in andere hineinzuversetzen.

00:58:54: Ja, ganz toll.

00:58:55: Und das war ja auch letztendlich dieser psychologische Ansatz.

00:58:57: Der ist ja auch für einige, war das ja auch Wegweisend.

00:59:01: Ja, wir haben im Deutschsprach-Ringraum Friedrich Glauser, der bekannte Romane geschrieben hat damals, oder auch Patricia Heismuss.

00:59:10: Patricia Heismuss,

00:59:12: ja.

00:59:13: Dass sie sich auch einiges von Simonon...

00:59:17: Und ich habe irgendwann mal gedacht, als wir eben diese Sendung vorbereiten unter dieser... Podcast vorbereitet haben, habe ich gedacht, Mensch, das ist auch so ähnlich wie, also Dürrenmatt hat auch eine Schnittel irgendwo von Simonon abgeschnitten oder Simonon von ihm, ich möchte keinem zu nah treten, aber also diese ganze natürlich ist da, aber als ob die Farben gleich sind, als ob das an diesen Fünfziger und Sechziger liegt oder nach Kriegszeit oder Kriegszeit weiß ich nicht.

00:59:57: Also möchte gerne auch manchmal das, also Antworten für alle diese Fragen suchen oder finden.

01:00:07: Was ist dieser große, was ist Kontext eigentlich für alle diese Werke?

01:00:18: Und er hat ja, das hatte ich schon angesprochen, er hat ja dann plötzlich auch aufgehört, die Migrés zu schreiben, und zwar in der letzten Zeit.

01:00:26: Und er wollte jetzt einen Echten Romandschreiben, die sogenannten Romondeure hat das genannt, also harte Romane könnte man vielleicht übersetzen.

01:00:35: Und auch etwas angetrieben von, und jetzt, Jelena, kommen wir auch auf Andre Gid auch mal zu sprechen.

01:00:41: Ich weiß, darauf wartest du schon?

01:00:42: Nein, eigentlich nicht.

01:00:44: Ich finde das sehr nett, dass die beiden sich so gegenseitig unterstützt haben.

01:00:53: Und ich finde auch sehr nett.

01:00:55: Ja.

01:00:55: Aber erzählt du?

01:00:56: Also André Gide war auch ein großer Fan von Georges Simonon.

01:01:02: André Gide bekannt durch die falschen Münzer oder auch die Verließe des Vatikanens.

01:01:07: Hat ja auch den Nobelpreis bekommen.

01:01:09: Simonon nicht.

01:01:11: Auch nochmal ein Thema oder gerade was Simonon etwas verletzt hat oder ihn etwas gekränkt hat.

01:01:16: Und aber André Gide war ein großer Fan.

01:01:18: Der hat auch wirklich... Bücher, weil Bergeweise seine Sachen gelesen und hat auch immer ihn überzeugt, er muss doch jetzt mal, er hat das Zeug, er hat das Talent, er muss doch jetzt mal so einen richtig echten Roman schreiben.

01:01:30: Und Simonon, vielleicht dadurch auch angetrieben, vielleicht hat er das auch selbst gespürt, hat dann jetzt auch gesagt, okay, McGree war ein bisschen Lehrjahre, jetzt kommt endlich das Richtige.

01:01:39: Und das sind diese Romane, die wir auch schon ein bisschen angesprochen haben.

01:01:42: Also weg von den Kriminal-Romanen, ganz nah dran an Menschen, an den sogenannten Raté.

01:01:47: wo er das Scheitern beschreibt, wo er auch sozusagen auch dieser zoologische Ansatz wieder sehr groß vertreten ist, also was passiert mit diesen Menschen, die aus irgendeinem Grund auf einmal so ein bisschen vor dem Scheiternhaufen ihres Lebens stehen.

01:02:02: Und es war auch eine Zeit, dass Georges Simonon den Verleger wechselt.

01:02:07: Und das zeigt auch nochmal, Diese Idee, er muss sich jetzt ernsthafteren Dingen widmen, denn er ging vom Fajar zu Gallimard.

01:02:16: Und Gallimard ist ein sehr bedeutsamer französischer Verlag.

01:02:19: Also, da waren thirty-fünf Träger des Nobelpreises, waren für Literatur, waren innerhalb dieses Verlages.

01:02:26: Und er hatte dann einen Vertrag abgeschlossen über sechs Buchveröffentlichungen pro Jahr und hat auch dadurch sehr, sehr viel Geld bekommen, was sie noch immer ermöglicht hat, viel auch rumzureisen.

01:02:36: Und er wollte jetzt diesen Roman durchschreiben.

01:02:40: Hat er es geschafft?

01:02:43: Ich glaube schon.

01:02:47: Ich habe für heute eben drei seiner Romane gewählt, die ich besonders gerne mag und die ich immer wieder lese, obwohl das keine Migreromane sind.

01:03:00: Welche sind das?

01:03:03: Das ist der kleine Mann aus Erhangels.

01:03:05: Hast du mir empfohlen?

01:03:05: Der hatte den

01:03:06: Roman in den Jungen von den Jungen von den

01:03:07: Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen wo er versucht, sich als ein ernsthafter Schriftsteller zu profilieren und dann beim Galimar.

01:03:45: Und das ist etwas, was ich glaube persönlich, dass Simon und nie seine richtigen Größe bewusst gewesen war.

01:03:58: Er hat sich selbst immer als eigentlich Jemand gesehen, der mit Unterhaltungsromanen sehr viel Geld verdient, das hat ihm gefreut.

01:04:09: Der hat ja auch seine Familie und seinen Ausufern das Leben geführt und und und.

01:04:16: Aber auf der anderen Seite hat man den Eindruck, dass immer im Stillen er eigentlich nach der richtigen Aufgabe oder dieser richtigen Roman, das was es am Verschied ihm auch, nahegelegt hat.

01:04:35: Ja, das war sein Wunsch.

01:04:38: Danach hat er wirklich sich gesehen, als richtiger Schriftel anerkannt zu werden.

01:04:46: Der kleine Mann aus Rangelsk ist ein untypischer Roman für ihn.

01:04:56: Das ist ein psychologisches Drama eigentlich, kein Kriminal-Roman.

01:05:02: Und die Handlung spielt in einer französischen Kleinstadt und dreht sich um Josef de Mar, ein russisch-stämmiger eigentlich Buchhändler, der wegen seiner ruhigen und zurückhaltenden Art von der Stadtbewohner belächelt wird und ausmöglichiert wird.

01:05:26: Und er lebt mit seiner deutlich jüngeren, lebenslustigen Frau Gina.

01:05:32: die ihn eines Tages verlässt und spurlos verschwindet.

01:05:38: Und da beginnt eben jetzt Drama eigentlich, weil als Jinnah verschwindet, beginnen die Nachbarn und die Dorfgemeinschaft, Verdächtigungen gegen Josefs zu hegen.

01:05:53: Und obwohl er versucht, dann die Situation ruhig zu erklären, verdichten sich die Stimmen gegen ihn und immer mehr, Und das ist am Ende eigentlich, also ist eine bitterer, fast tragico-Müdia eigentlich.

01:06:13: und in diesem Roman erzeichnet intensives Psychogramm der gesellschaftlichen Ausgrenzungen undomatisiert die Bedrohung durch kollektives Misstrauen.

01:06:24: Aber auch diese Einsamkeit und Migrantentum, einen sozusagen ausgewandten oder russischstämmigen Buchhändler, der mit viel jüngeren Frau verheiratet ist.

01:06:43: Es ist ein sehr, sehr stiller Ort, in den man hinein kommt, wenn man diesen Roman diest.

01:06:54: und wo man fast jede Bewegung eigentlich so schmerzhaft spürt.

01:07:00: Und was wir oft haben bei ihm ist, du hast ein Leben, was sich jemand mühsam aufgebaut hat und dann durch so ein plötzliches Ereignis extrem gestört wird, also wie jetzt bei ihm zum Beispiel, ja, die Frau, Gina, hat es sich doch jetzt so schön aufgehört, das Gefühl, er ist irgendwie angekommen und dann bricht das alles wie so ein Kartenhaus zusammen.

01:07:19: diese Fragilität oder wie alles fragil ist und wie alles eigentlich wie so Löhwenzahn auf dem Intervent ist, so auf einmal alles verschwinden kann.

01:07:34: Und genau dasselbe ist in Witwa, ist auch ein psychologischer Roman und also die Geschichte dreht sich um Bernat Jean-Té.

01:07:51: Ja.

01:07:52: Ja.

01:07:53: Ja.

01:07:55: Ja.

01:08:00: Ja.

01:08:01: Ja.

01:08:01: Ja.

01:08:04: Ja.

01:08:08: Ja.

01:08:08: Ja.

01:08:09: Ja.

01:08:10: Ja.

01:08:10: Ja.

01:08:11: Ja.

01:08:11: Ja.

01:08:11: Ja.

01:08:11: Ja.

01:08:14: Ja.

01:08:20: Ja.

01:08:20: Das ist jetzt... Erinnerst du dich am Tschechow?

01:08:23: Ja, an die einen Geschichte.

01:08:25: Genau.

01:08:26: Und Bernat muss sich mit seiner Einsamkeit und den Lehrräumen in seinem Leben auseinandersetzen.

01:08:34: Und das ist das.

01:08:36: Und das ist so eine harte Reise, die Bernat durch seinen Leben eigentlich unternimmt.

01:08:47: und ständig diese leere Räume entdeckt und auch die Tatsache, also er muss feststellen, dass er seiner Frau überhaupt nicht gekannt hat und dass sie ihn nicht gekannt hat und dass sie jahrelang nebeneinander und nicht miteinander gelebt haben und verbracht haben.

01:09:06: Und auf einmal wird eigentlich die, auf einmal wird die Lehre und die Einsamkeit und die plötzlich entdeckte Sinnlosigkeit des Lebens.

01:09:21: Oder dass man irgendwie was gelebt hat, was gar nicht so wahr war.

01:09:24: Genau.

01:09:24: Und wie einsam man auch ist.

01:09:27: Da denkt man, ist das der Simonon, die ja bei allen Burdells auftauchte, der gerne mit fünf und sechs und was weiß ich, wie vielen Frauen ... Also auch für einmal wird auch die Versteckte ... dass Verschätte Gesicht von Simonon war oder Sicht war.

01:09:49: Und seine Ängste vor allem.

01:09:50: Und seine Ängste, genau.

01:09:54: Ich habe mich gefragt, das zeigt ja auch ein sehr pessimistisches Weltbild.

01:09:57: Also gefühlt kann man ja sich sehr doll anstrengen, das haben wir ja ganz viele, habe ich ja schon gesagt, also Menschen, die sich in irgendeiner Weise was aufgebaut haben, ist ja auch wie bei der Umacher von Everton, ein Mann, der gemächlich lebt mit seinem Sohn und dann stellt sich aber raus, dass sein Sohn ein Schwerverbrecher auf einmal wird.

01:10:15: Ist das nicht auch so sehr deterministisches Weltbild?

01:10:21: Also dass der Mensch sehr determiniert ist, dass man sich eigentlich gar nicht raus kann.

01:10:26: Also sozial kritisch auch.

01:10:28: Sehr sozial kritisch, aber bei seinem auch sehr sogar.

01:10:33: Also Simonon war alles anders als irgendwie Links- und Kommunist oder sowas.

01:10:40: Schon gar nicht.

01:10:43: Klar, natürlich.

01:10:44: Ein Mensch ist eigentlich ein Papierschiff.

01:10:50: im Fluss.

01:10:52: So ungefähr sehen seine Figuren aus.

01:10:56: Aber es gibt eine Sache, die ein Mensch kann.

01:11:01: Und das ist ein Mensch kann fühlen, ein Mensch kann lieben.

01:11:06: Und alle seine Figuren, selbst wenn sie von Enttäuschung und Bitterkeit und Hass getrieben werden, haben eine wahnsinnige menschliche Wärme.

01:11:23: Und Überzeugung.

01:11:24: Das heißt, seine Figuren sind überzeugend.

01:11:28: Wir sehen sie, wir glauben denen.

01:11:31: Und deswegen ist es auch so schwer, ihnen aus der Hand zu leben.

01:11:35: Ja.

01:11:35: Also, wir hatten ja schon gesagt, bei Migri, es passiert zum Teil nicht viel und es ist in diesen Romanen auch so.

01:11:41: Ob es auch der kleine Mann von Archangels, was du gerade beschrieben, der Umacher von Erwartung, der große Bob hat dich auch noch mit Vergnügen gelesen, Schlusslichter, eine ganz spannende Geschichte, die nur auf Autobahnen stattfindet.

01:11:53: Und

01:11:54: genau, diese Handlungslosigkeit, und das hat auch Kurto Holz, kenne ich mal.

01:11:58: ganz kurz sagen, was Kurto Holz hier gesagt hat.

01:12:01: Dieser Mann hat die große und so seltene Gabe des epischen Erzählens ohne etwas zu erzählen.

01:12:07: Seine Geschichten haben meist gar keinen Inhalt.

01:12:10: Und du kannst das Buch nicht aus der Hand legen.

01:12:11: Es reist dich.

01:12:12: Du willst wissen, wie das weitergeht.

01:12:14: Aber es geht gar nicht weiter.

01:12:16: Es ist ganz leer.

01:12:17: Aber mit welchen Farben ist dieser Topf bemalt?

01:12:20: Genau.

01:12:21: Und das ist das.

01:12:21: Diese stille Sprachlosigkeit, die seine Romane erfüllt.

01:12:30: und die faszinierend ist, die so solche Effekte erzielt.

01:12:38: Tragik und Trauer und Freude und auch komische Momente zum Teil.

01:12:46: Und ich finde, du hast auch in einem Augenblick, hast du erzählt bzw.

01:12:51: erwähnt, dass schon von Anfang an, als megrä kreiert wurde, eben, visuelle Potenzial diese Figur erkannt hat.

01:13:06: Das stimmt.

01:13:08: Ich weiß nicht, wie viele Serien auf dieser Welt gibt es mit Inspektor McGree und wie viele bekannte Schauspieler es versucht haben, diese Figur wirklich... zu beleben oder ins Leben zu rufen.

01:13:30: Und der, ich glaube, der bekanntesten französischen Schauspieler, also Gérard Depardieu, hat versucht auch McGree darzustellen, weil er dies dazu hat.

01:13:50: Natürlich, also dieser große Körper und Aber ich glaube, dass noch Menschlich heißt, der hatte auch Jean Valjean gespielt, Jean Gabin.

01:14:06: Jean Gabin, ein ganz großer französischer Schauspieler, hatte ich glaube, Inspektor Magré für die Ewigkeit dargestellt.

01:14:17: Genau,

01:14:18: Jean Richard auch.

01:14:23: Es gab

01:14:24: auch deutsche Versionen von Migré.

01:14:30: Und die letzte Version ist sogar von dem, ich glaube, der heißt Robert Atkins, eigentlich ein Komiker, Mr.

01:14:41: Bean.

01:14:42: Und obwohl die Kritiker nicht besonders gut waren, ich muss sagen, er ist ein dünner Mann, ein dürrer Mann eigentlich, aber niemand hat diese Sprachlosigkeit von Migré so gut rübergebracht wie Edkins.

01:15:03: Also das hat er fantastisch gemacht.

01:15:06: Und ich gucke gerne... auch mehrmals seine Darstellungen von Migré.

01:15:13: Wollen wir noch ein bisschen in die Biografie?

01:15:15: Wir haben jetzt Ihnen so ein bisschen außen vorgelassen, was ist denn noch so passiert?

01:15:21: Er hat, wie gesagt, jetzt mit den Romondeur angefangen, die auch relativ erfolgreich waren.

01:15:28: Natürlich war auch das Publikum ein bisschen traurig, dass Migré erst keine neue Migré mehr erscheinen sollten.

01:15:34: Und er hatte zwischen, das war in den Dreißiger Jahren, erst vier rumgereist.

01:15:38: Er hat Paris aufgegeben, als Wohnort, war in La Rochelle, war, hat eine Weltreise gemacht.

01:15:44: Und er hat auch ein, sein erstes Kind wurde geboren, und zwar am neunzehnten vierten, neunzehnhundertneununddreißig, also am Ende der Dreißiger Jahre, Marc, genau in Brüssel.

01:15:54: Marc, wo spüte er später übrigens auch Regisseur und verfümmte auch einige der Romane des Vaters.

01:16:00: Und zwischen den Niederlanden, zwischen den Niederlanden, zwischen den Niederlanden, zwischen den Niederlanden, zwischen den Niederlanden, zwischen den Niederlanden, zwischen den Niederlanden, zwischen den Niederlanden, zwischen den Niederlanden.

01:16:20: Und wollte damals, weil La Rauchel sollte als Empfangszone für Flüchtlinge aus Belgien eingerichtet werden.

01:16:27: Und Ziminon wurde aufgrund der guten Beziehung.

01:16:30: Dafür dann sollte die Verantwortung übernehmen.

01:16:33: Und schließlich kam es aber zum Waffenstillstand und dann trug er vor allem die Verantwortung dafür, die Flüchtlinge, dass die Flüchtlinge wieder nach Belgien zurückkehrten.

01:16:41: Und er hat dann.

01:16:43: die Kriegsjahre waren für ihn eine relativ ruhige Zeit.

01:16:45: Also er hat sich zurückgezogen, zogen aufs Land mit seinem Sohn Marc an der Seite und natürlich auch Tiggy.

01:16:52: Und er hat die Zeit genutzt, um vor allem auch viel zu schreiben.

01:16:58: im Herbst gab es dann ein Einstandeserlebnis, er hat eine Diagnose bekommen, eine sehr schlechte Diagnose, und zwar würde ihm gesagt, dass sein Herz erweitert und abgenutzt sei und er habe nur noch zwei Jahre zu leben.

01:17:11: Er soll auf alles verzichten, was schlecht ist, natürlich auf Alkohol, auf Sex, auf körperliche Arbeit, auf fettiges Essen.

01:17:20: Und Simonon hatte tatsächlich ... Sie sind auch Todesangst natürlich und begannen dann seine Memoen zu schreiben, vor allem für sein Kind, die er auch in der Nahrung «Je me souviens», also ich erinnere mich, veröffentlichte.

01:17:35: Inzwischen hat er sich aber schon gezeigt, dass das eine Fehldiagnose war.

01:17:38: Also er hatte diese ganze Schocke relativ umsonst.

01:17:42: Und was ihn natürlich erleichtert hat und dazu gebracht hat, seine alten schlechten Lebensgewohnheiten wieder aufzunehmen.

01:17:49: Aber er hat von diesem Biografie schreiben oder aufschreiben seiner Geschichte.

01:17:53: Er hat gesagt, jetzt ist er bereit.

01:17:55: Jetzt hat er alles niedergeschrieben, alles einmal losgelassen.

01:17:58: Jetzt ist er auch wirklich bereit für eine echten, richtiges, große Literatur, wie sein Freund André Gide, es auch gerne immer hätte.

01:18:08: Und er schrieb in den Kriegsjahren Zweiundzwanzig, Roman und Einzwanzig Kurzgeschichte und... Ab im Jahr twohundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwundzwund.

01:18:30: Denn seine Romantie wurden ja gelesen, aber er hatte den Verdacht, dass sie auch vor allem gelesen wurde, weil das ehemalige McGree-Fans war.

01:18:36: Und da war die Frage, wie lange hält dieser Enthusiasmus noch für diese Romane?

01:18:41: Und es war für ihn eine sichere Einnahmequelle.

01:18:43: Also er wollte damit auch nun mal sicher gehen.

01:18:45: Und man sagt, dass es für ihn auch so ein bisschen Erholung war, von diesen romantien Tür schreiben.

01:18:51: Weißt du, Minon hatte ja auch eine ganz besondere Art zu schreiben.

01:18:57: Er schrieb seine Romane in wenigen Tagen bis Wochen.

01:19:03: Er hatte eine besondere Art, kurz darauf einzugehen, wie er das begonnen hat, so einen Roman zu schreiben.

01:19:12: Er war ein Vielschreiber.

01:19:14: Es gibt diese kleine Anekdote, dass ihn Hitchcock angerufen hat, weil er über ein Filmprojekt sprechen wollte.

01:19:18: Er war aber gerade am Schreiben und dann hat Hitchcock gesagt, ich bleibe am Telefon, weil so lange dauert das nicht mehr.

01:19:25: Und es war so, dass Simonon erst sich einen Plan gemacht hat.

01:19:29: Im Kalender hat er dann Skizzen gemacht.

01:19:31: Er hatte dann so gelbe Umschläge anscheinend, auf die sich dann die Person überlegt hat.

01:19:36: Die Namen hat er aus Telefonbüchern sich rausgesucht und hat dann so auf diesen Umschlägen Daten festgestellt, also Lebensdaten, die Beziehung der Person untereinander skizziert.

01:19:47: Dann fing er an, mit Ezyklopodien und Fachbüchern zu arbeiten.

01:19:50: sehr viel recherchiert.

01:19:52: Und deswegen zum Beispiel bei der kleine Mann von Archangels.

01:19:54: Da gibt es ja auch so einen kleinen Ausflug in Briefmarkenhandel.

01:19:58: Erinnerst du dich?

01:19:59: Ein sehr detailliert geschrieben, aber auch sehr interessant.

01:20:01: Also sowas hat er dann auch einflächten lassen, also diese Rechercher Ergebnisse.

01:20:05: Natürlich war das ganz klar alles, was er da notiert hat auf diesen Umschlägen.

01:20:09: Da war nur ein Bruchteil davon erschienen überhaupt.

01:20:12: Also das war gar nicht alles unterzubringen.

01:20:14: Und dann hatte er ganz feste Zeiten.

01:20:17: Er hatte sich dann jeden Tag von halb sieben bis noch Uhr hingesetzt, hatte vierzig angespitze Bleistüfte vor sich liegen und hat dann versucht in vierzehn Tagen diesen Roman.

01:20:27: runterzuschreiben.

01:20:29: Und das war auch eine Zeit, da gab es auch nichts anderes für ihn, wirklich nur dieses Schreiben.

01:20:33: Es war ein sehr anstrengender Prozess auch.

01:20:35: Er hat auch wirklich körperlich darunter gelitten und er meint, er war wie in Trance.

01:20:40: Ich hatte ja vorhin schon erwähnt kurz dieses Beispiel mit den Schlusslichtern, einen Roman von ihm, der auf allem auf Autobahnen spielt.

01:20:50: Und dazu zum Beispiel hat der geschrieben, auch mal diese Anstrengung zu skizzieren oder darzustellen, die er dann erlebt hat.

01:20:58: Das ist wahrscheinlich der Roman, der mich die meiste Mühe gekostet hat, mit anderen Worten die größte nervliche Anspannung.

01:21:05: Es ging in der Tat darum, zehn Tage im Rhythmus der offenen Straße zu leben, ohne einen Augenblick davon abzulassen.

01:21:13: Am Ende war ich so erschöpft, als wäre ich wirklich zehn Tage lang über diese Straße gefahren durch den dichten Verkehr am Tag der Arbeit.

01:21:23: Also er hat das den Road Trip körperlich miterlebt und es ging ihm zum Teil auch wirklich psychisch, aber auch physisch sehr schlecht.

01:21:30: Er hatte da Bluthochdruck, er hat extrem geschwitzt und es war für ihn eine wirklich große Anstrengung.

01:21:38: Und, und das ist so ein bisschen auch die Kritik bei ihm, er hatte eigentlich... Nee, er hat nicht mehr die Möglichkeit gesehen, sich nochmal hinzusetzen und das Ganze zu redigieren.

01:21:51: Also einmal durchzugehen und bestimmte, natürlich macht man Fehler, ganz normal, stilistische Fehler, grammatikalische Fehler nochmal zu bearbeiten.

01:22:00: Weil er hat gesagt, ich weiß nicht, wie das entstanden ist, weil ich in so einer Trance war, um das geschrieben hat.

01:22:06: Ich kann auch jetzt nicht mehr das reparieren.

01:22:09: Also er hat sich auch fast... Ein bisschen geweigert, das war auch für die Verlagselektoren nicht so ganz einfach, da nochmal große Korrekturen in diesen Werken zu machen.

01:22:18: Weil er auch gesagt hat, das verliert dann auch die Authentizität seiner Werke.

01:22:22: Das sind künstliche Eingriffen, die er nicht haben will.

01:22:24: Und dies letztendlich wurde ihm aber dann auch zu Lasten gelegt, dass seine Werke nicht gut nochmal bearbeitet wurden.

01:22:34: Und merkt man auch manchmal so die Erzählperspektiven, die sich plötzlich ändern, um Dinge vielleicht logischer zu erscheinen, gibt es dann so einen allgemeinen, allwissenden Erzähler auf einmal, der vorher noch gar nicht da war.

01:22:45: Also man merkt diese kleinen, genannt gutes Schwächen.

01:22:51: Das vielleicht werden wir anfangs auch gesagt, diesen Carse-Siminon, all der Fall-Siminon, warum ihm auch, der sage ich mal, der große, der ganz große Erfolg im Form vielleicht sogar eines Nobelpreises für Literatur, was er sich ja gewünscht hätte, dass das nicht passiert ist.

01:23:05: Und er war ja auch in diesen ganzen literarischen Kreisen, er war ja bei Gallimard, aber er war da nicht wirklich anerkannt und hat auch auf der anderen Seite war ihm das auch ein bisschen zufrieden.

01:23:16: Er hatte auch keine Lust in diesen literarischen Kreisen drin zu sein.

01:23:21: Naja, weil alles so unzudientenstellend war.

01:23:24: Das ist das.

01:23:27: Ich glaube, dass von beiden Seiten, sowohl von Seiten der Verleger oder als auch Seiten Simonon eine ganz große Verunsicherung herrschte.

01:23:40: Simonon wusste nicht ganz genau, was für eine Größe er hat.

01:23:45: Er hatte auch nicht daran geglaubt.

01:23:48: Er hatte auch immer gedacht, was er schreibt, ist eigentlich eine leichte Lektüre unterhaltsam und gut zu verkaufen, aber eigentlich nicht so richtig wertvoll, wo er sich auch wahnsinnig getäuscht hat, weil gerade diese Blick, diese Prozess, also das, was du jetzt beschrieben hast, diese Schlusslicht da eben, wie er das alles erlebt und was für was für Perspektive er einnimmt und wie er das recherchiert, für alle diese Texte, genau darum geht es.

01:24:28: Und von der anderen Seite, seitens eben dieser Verlage oder Verleger, gab es eine große Verunsicherung, was für Roman ist das eigentlich, weil da standen wir gerade oder stand die Welt gerade an der Schwelle zu dieser unterhaltsame Literatur, nicht heute so sehr selbstverständlich ist, wo wir auch ganz große Werke verzeichnen und haben.

01:24:57: Und da würde ich jetzt auch zum Schluss auch die Frage stellen, die wir uns jedes Mal eigentlich stellen, wenn wir einen Autor oder einen Text darstellen.

01:25:10: Und das ist, was ist aktuell?

01:25:19: Für heute wichtig.

01:25:22: Oder wie sehen wir heute Simonon?

01:25:26: Wie lesen wir heute Simonon?

01:25:28: Was meinst du?

01:25:30: Also ich kann nur sagen, aus den sehr intensiven Zeit, die ich mit seinem Werk in den letzten Wochen verbracht hatte, hatte es nichts von seiner Anziehungskraft.

01:25:41: verloren.

01:25:41: Einfach deswegen die Romane sind letztendlich zeitlos, weil der Mensch ist immer noch der Mensch.

01:25:48: Also das, was er beschreibt, diese Psychogramme von Menschen, die er da stellt, das sind ja Psychogramme, die immer wirken, die immer gültig sind.

01:25:59: Und das ist der Grund, warum ich auch jedem nur empfehlen kann, geht mal in die nächsten Buchhandel Antiquariate.

01:26:05: Ich habe ja Für mich war ja mein Vertrauens, bin ich ja hin und es gab ja der Diogenes Verlag, hat ja die Seminonbücher verlegt, Siebziger bis in Neunzigang glaube ich hinein, ganz wundervolle Aufgabe.

01:26:17: und er hat mir dann auch gleich fünfzehn Bücher in die Hand gedrückt und ich habe sie mit großer Freude.

01:26:23: gelesen.

01:26:23: Ich empfehle aber zwischendurch wirklich mal Pausen zu machen, weil das, was wir vorhin beschrieben haben, es doch auch wirklich, ja, weil es da wirklich um Menschen geht, die vor dem Abgrund ihres Lebens stehen.

01:26:35: Also zieht einen auch ein bisschen runter.

01:26:37: Ja, ja, aber es gibt noch eine Sache, die mir vielleicht wichtig wäre zu erwähnen.

01:26:43: Also wir haben durch die Geschichte der Literatur eigentlich eine feste Konstellation und das ist die Komödie ist unter den kleinen Menschen und die Tragödie ist eigentlich nur unter die edelten Menschen.

01:27:03: Das heißt, blaues Blut kann Tragödie spüren und ganz einfaches rotes Blut kann das nicht.

01:27:14: Das sind eigentlich ganz alte und über die Jahrhunderte überlieferte Vorurteile.

01:27:23: Und bei Simonon ist ganz klar, ganz kleine Menschen, unsichtbare Menschen können sehr große edle Tragödie spüren.

01:27:40: Und ihre Schmerzen sind so fein und so kostbar und so precious, so besonders, dass man sie auch eben ... voll auskosten muss und auch für sich selbst behalten muss als eine ganz wichtige Erfahrung.

01:28:03: Eine ganz wichtige, tiefe Erfahrung.

01:28:05: Und Siminon hat es ja auch geschafft mit wenigen Worten.

01:28:08: Er ist ja auch dafür bekannt, dass das ein ganz, ganz... ...Wortschatz ist.

01:28:13: Ja, diese Stille,

01:28:14: diese Stumme, diese... Also diese Wortlosigkeit oder diese Karge-Wortschatz.

01:28:23: Kurze Sätze, das ist das, was man eben mitnimmt.

01:28:30: Man sagt ja auch seine Migrierung, man hatten zwischen eighthundert, fünfhundneinzig und zwei tausend, dreihundert Wörter.

01:28:35: Das ist wirklich nicht ... Nicht sehr viel.

01:28:38: Und ich habe ja auch schon gesagt, dass er auch nicht ein großer Freund der Korrekturen war.

01:28:42: Also beispielsweise so ein Flaubert.

01:28:44: Flaubert hat zum Beispiel gesagt, Gerefüste hat DEMA-Phrase.

01:28:48: Also ich lehne es ab, dass man mich irgendwie durch meinen Satz hetzt.

01:28:52: Er hat wirklich versucht, immer das perfekte Wort zu finden.

01:28:56: Das das Moor-Güster, das das richtige Wort.

01:28:59: Das hat Simonon nicht versucht.

01:29:01: Ja, das hat er gar nicht.

01:29:02: Das war gar nicht seine Art.

01:29:03: Er ihm war es eher wichtig, dass er Wörter will, die Gewicht haben, die eine Materie haben, was anfassbar ist, was verständlich ist.

01:29:12: Und das zieht sich so durch.

01:29:13: Ah, weißt du was, wir sind jetzt noch, ich würde aber, wir haben jetzt schon so viel über ihn gesprochen.

01:29:17: Lass uns noch zum Ende, weil wir haben jetzt schon ziemlich lange wieder gesprochen.

01:29:21: Es ist unglaublich, wie schnell auch die Zeit vergeht.

01:29:23: Ich glaube, ich weiß gar nicht, ob ihr das vorstellt.

01:29:24: Man redet hier, man hat noch so viel zu sagen gefühlt, aber man denkt dann, okay, dieses Ding geht jetzt hier auch schon eineinhalb Stunden und man soll uns doch auch noch hören und nicht denken, oh Gott, oh Gott.

01:29:35: wenn man so ein Podcast sieht von zwei Stunden.

01:29:37: Dann kriegt man erst mal einen Schreck.

01:29:39: Ich würde noch ganz... Was vielleicht wichtig wäre, es gibt ja noch eine Frau, die bei ihm eine ganz große Rolle gespielt hat.

01:29:46: Ja, also, wir haben jetzt schon gesagt, er hat Migrea, hat die Romandeur, er hat sich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Europa der Zweite Weltkrieg war, oft hat er sich etwas zurückgezogen aufs Land, hat damit seinem Sohn Marc gelebt.

01:30:00: Und Tiki und natürlich Bull war immer dabei.

01:30:03: Und Georges Simonon hatte dann beschlossen, nach dem Ende des Weltkrieges, nach, du hattest von schon erwähnt, nach... Amerika zu gehen.

01:30:12: Vorher hat er auch noch den Verlag gewechselt.

01:30:14: Er ist zu Prestilacité.

01:30:16: Das war ein ganz neuer Verlag, der vor allem für seinen Taschenbuchformat auch berühmt war.

01:30:22: Und er ist damit nach New York erst gegangen und er hat dort jemanden kennengelernt.

01:30:28: Und zwar dann in Kanada.

01:30:30: war das Denise Uimee, oder Imee, ich weiß gar nicht, wie es ausgesprochen wird.

01:30:36: Denise mit Y, gefiel aber Josh nicht, deswegen hat er aus dem Yi gemacht.

01:30:41: Schon so eine eigene Art und Weise, seinen Frauen immer den Namen geben und die Namen zu ändern.

01:30:46: Und das war eine sehr, sehr leidenschaftliche und zum Teil auch gewalttätige Beziehung, muss man sein, die vor allem von vielen Eifersuchsszenen, vor allem von Georges Simonon geprägt waren.

01:30:59: Zum Beispiel als er erfuhr, dass Denise vorher einen Mann hatte, der auch Georges schieß.

01:31:04: Damit kam überhaupt nicht klar und verlangt, dass Denise ihn nur noch Joan nennen sollte, weil das sein Name sozusagen schon mal genutzt wurde für einen anderen Liebhaber.

01:31:15: Wir leben sehr schwer, um einen Eindruck vielleicht auch zu bekommen von dieser Beziehung.

01:31:18: Empfehle ich zu lesen Trois Chambres à Manhattan, also drei Zimmer in Manhattan.

01:31:23: Das hat er nämlich geschrieben, ein Roman Dure-Mondure über diese Begegnung, die er mit Denise hatte.

01:31:29: Und in der Zeit starb auch leider André Gide.

01:31:34: Hat ihm noch geschrieben, Limas Siminon.

01:31:36: Ich mag sie sehr und ich umarme sie.

01:31:37: Das war der letzte Brief, den er erhalten hat.

01:31:40: Und inzwischen hatte sich Josh Siminon gut eingerichtet in Amerika.

01:31:44: Er hatte dann eine Formafarm im Connecticut und hat unglaublich viel geschrieben auch in der Zeit.

01:31:49: Hat auch einige Ehrungen erhalten, war dann zum Beispiel aufgenommen in die American Academy of Arts and Letters gewählt worden oder Präsident der Mystery Writers of America.

01:32:01: Also er hat da auch entsprechend Erfolg gehabt.

01:32:04: Und es wurde auch anerkannt.

01:32:05: Inzwischen ist sein zweiter Sohn geboren von Denis.

01:32:11: Seine Tochter Marie Joche wurde auch geboren.

01:32:15: Und er hat da so sein Familienleben gehabt.

01:32:18: Aber irgendwann zog es ihn dann doch wieder zurück nach Europa und zwar in den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Jungen von den Denise ging es aber immer schlechter.

01:32:49: Sie kamen dann auch in eine psychiatrische Klinik und die beiden haben sich dann auch immer mehr auseinander gelebt.

01:32:56: Vorher war noch der dritte Sohn Pierre geboren, also er hatte drei Söhne und eine Tochter.

01:33:01: Er hatte sich dann ein großes Haus am Gemfersee gekauft, riesig groß, mit Zweiundzwanzig Zimmern, extrem viel Luxus und hat dann aber beschlossen.

01:33:16: mit dem Schreiben aufzuhören.

01:33:19: Also er wollte noch so ein großes Werk machen, das wollte der Oscar oder Victor nennen, er hat ein bisschen angefangen zu schreiben, hat überhaupt nicht funktioniert und dann hat er auf einem Tag auf einem Tag beschlossen, okay, ich schreibe jetzt nicht mehr, ich gebe das auf und hat sich in seinem Pass Saint profession, also arbeitslos eintragen lassen.

01:33:39: Kurz vorher hat er auch noch seine Tagebücher veröffentlicht.

01:33:45: Er hat immer schon sehr offensiv mit seinem Privatleben umgegangen.

01:33:49: Er ist nach außen auch getragen.

01:33:51: Und der Guardian bezeichnete die Fragebücher als männliche Menopause.

01:33:55: Auch sehr interessant, also schon sehr abwertend.

01:33:58: Und Georges Simonon hat er auch in den Siebziger mit einem zwei Interview mit Fellini behauptet, mit wieviel Zehntausend Frauen geschlaften zu haben.

01:34:09: Genau, mit Fellini.

01:34:10: Also ein bisschen auch irre.

01:34:12: viele Frauen, ich glaube, da kann man auch, das ist auch belegte, das zieht sich durch seine Biografie.

01:34:19: Hat aber nichts mit seinem Werk zu

01:34:22: tun.

01:34:22: Nee, das muss man sagen, in seinen Werken.

01:34:25: Also ich habe jetzt nicht die ...

01:34:27: Da erscheint er ja überhaupt nicht als großer Irgendwie-Macher oder so, wie er sich auch gerne in privaten Leben gezeigt hat.

01:34:38: Nein, das stimmt.

01:34:39: Ich habe jetzt nicht seine erotischen Geschichten aus der Zeit, Das wird wahrscheinlich, aber das stimmt, dass es dahingehend ist.

01:34:47: Das, was wir heute eben auswerten, als Werk von Simonon, da sind kaum Spuren von sowas.

01:34:56: Ehe gegenteil, also es gibt wahnsinnig viel so authentische tragische Liebe, also Verlassenheit, Verlassensein, Eifersucht, auch so Verbitterung.

01:35:14: Das Sexualitätsspiel impliziert so ein bisschen eine Rolle.

01:35:17: Gerade du hast ja der kleine Mann von Archangels gesagt und da diese Frau Gina, die er hat, ist ja fast nymphomanisch und da wiegt es gewesen.

01:35:24: Zumindest wird ihr das vorgeworfen.

01:35:26: Ich fand übrigens in diesem Roman ganz toll, es war ein tolles Beispiel für diese kleinen Momente, die Georges Sibinon so wunderbar festgehalten hat und zwar beschreibt er ganz intensiv.

01:35:38: Ich weiß nicht, das fand ich so ein schön Moment, wie sich ein Mann in dieser Bar immer diesen Tropfen wegwischt, weil er hat Bier getrunken und dann rinnt dann immer der Tropfen an dem Mundwinkel entlang.

01:35:50: Und das war so einer der ersten Sachen, die ich von ihm gelesen habe, von Roman Dürr, das hattest du mir empfohlen.

01:35:56: Und dann dachte ich, ah, das ist es.

01:35:57: Das war so ein Moment, wo ich dachte, ah, das ist dieser Simenon, der diese Atmosphäre und diese Menschen so

01:36:02: wunderbar hochreiben kann.

01:36:04: Seine Beobachtungsgabe ist unglaublich.

01:36:06: Genau.

01:36:06: Und dann mit ganz einfachen, also er ... Er überträgt das Bild ein zu eins.

01:36:12: Und das ist, dass er keine Schnorkeln, keine irgendwie Dekoration oder sowas, sondern so, wie er das sieht, so überträgt er.

01:36:24: Und ich glaube, dass die Konstellation dessen, was er sieht, oder sagen wir, Reihenfolge oder wie er die Sachen prioritisiert, was er zuerst bemerkt hat, dass das eigentlich Größe seines Werkes ausmacht.

01:36:42: Also das ist diese Zusammensetzung eigentlich.

01:36:47: Also ein großartiger Schriftsteller.

01:36:49: Schade, dass er das nie selbst wirklich gesehen hat, weil er nicht die Erkennung... Kommen hat die er gerne gehabt hätte, obwohl Anerkennung hätte ja genug sein können.

01:36:59: Seine Bücher wurden damals ja schon viel verkauft, viel gelesen, übersetzt, es sollte verfilmt werden.

01:37:04: Aber vielleicht

01:37:04: ist das, meinst du nicht, dass das auch Teil seiner Größe ist, dieser unaufgeregte... Ja.

01:37:12: Das hat ihm nicht gereicht.

01:37:13: Also das ist für mich immer interessant, dass Menschen die wirklich viel, viel Erfolg haben.

01:37:19: Aber als ob das immer noch was ist...

01:37:23: Der war uns sicher.

01:37:24: Er hat gedacht, dass das nicht, ja, Gogol ist genau so.

01:37:28: Also wir haben ganz viele, die ihr eigenes Werk als ungenügend.

01:37:35: und außerdem wir kennen auch dieses Phänomen.

01:37:39: Also ich habe Schwierigkeiten, meine eigene Stimme zu hören oder man liest nicht gerne seine eigene Zeilen.

01:37:49: Also sowas, vielleicht ist das... etwas, was in uns Menschen sowieso da ist.

01:37:56: Aber er war so gerne in den Mittelpunkt überall, außer wenn es darum ging, seinen eigenen Wert zu erkennen.

01:38:16: Entweder konnte er nicht oder wollte er nicht oder Ich weiß es nicht, aber auf jeden Fall ist seine Bescheidenheit und seine Stille selbst, wenn es um seinen eigenen Werk handelt, ist Teil seiner Größe und seiner Besonderheit.

01:38:36: Und dieser großartige Schriftsteller ist auf vierten, neunzehn, in der Nacht vom dritten, neunten auf vierten, neunzehn, neunundachtzig gestorben.

01:38:47: Seine Asche wurde in Stil, wurde in seinen Garten, wie übrigens auch die seiner Tochter, die leider auch Selbstmord begangen hat, schon in der

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01:39:15: der Art.

01:39:16: Vielen Dank fürs Zuhören.

01:39:18: Wir hoffen, dass es euch gefallen hat.

01:39:21: Bis zum nächsten Mal müssen wir ermitteln und bis dahin, wenn ihr nicht genug kriegen könnt.

01:39:25: Wir sind natürlich auch auf Instagram vertreten und zwar unter lit.ermittlerinnen und da findet ihr auch immer Bilder zu unserem Podcast, unser aktuellen Folge, ein paar noch zusätzliche Informationen.

01:39:36: Schaut einfach mal rein.

01:39:37: Wir freuen uns und ansonsten freuen wir euch.

01:39:40: Durch das nächste Mal wieder mit einer neuen Ermittlung zu aufreihen.

01:39:44: Tschüss!

01:40:05: Tschüss!

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