Du willst mich rein - Auf den Spuren von Alfonsina Storni
Shownotes
Berühmt wurde sie durch das Lied "Alfonsina y el mar", und doch ist ihr eigenes Werk weit mehr als jene letzte, mythisch verklärte Szene ihres Todes.
Alfonsina Storni, in der Schweiz geboren und in Argentinien zu einer bedeutenden Lyrikerin des Modernismo geworden, schrieb über Begehren und Enttäuschung, über das Großstadtleben und über die Zumutungen einer männlich dominierten Welt.
Als alleinerziehende Mutter arbeitete sie unermüdlich, behauptete sich als Journalistin, Lehrerin, Theaterautorin und Dichterin und bewegte sich oft als einzige Frau in literarischen Zirkeln, skeptischen bis feindseligen Blicken männlicher Kollegen ausgesetzt.
Wer war diese Frau, die sich gesellschaftlichen Konventionen entzog und auch den letzten Moment ihres Lebens selbstbestimmt wählte?
In unserer neuen Podcast Episode folgen wir den Spuren Alfonsinas, die klar, ironisch und kompromisslos schrieb, und fragen am Ende, warum das berühmte Lied „Alfonsina y el mar“ ihr vielleicht nicht gerecht wird.
Ganz herzlichen Dank an Alix Gabele, die Alfonsinas Gedicht „Du willst mich rein“ so eindrucksvoll interpretiert hat.
Weitere Infos und Bildmaterial zu Alfonsina und ihrem Werk findet ihr auf unserem Instagram Kanal @lit.ermittlerinnen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Du willst mich rein, du willst mich
00:00:03: weiß.
00:00:05: Willst mich aus Schaum, willst mich aus Perlmut!
00:00:09: Ich soll eine Lilie sein – ganz besonders käuscher als alle anderen Frauen mit ganz wenig Geruch.
00:00:17: Die Blütenkrone total zu!
00:00:21: Nicht mal ein Strahl Mondlicht soll mich durchdrungen haben.
00:00:25: Nicht mal einen Gänseblümchen darf sich meine Schwester nennen.
00:00:30: Du willst mich rein, du willst mich weiß.
00:00:37: Du!
00:00:38: Der sie alle hatte, volle Tassen in Händen von Früchten und Honig hellrot deine Lippen.
00:00:45: Du der beim Bankett mit Zweigen bedeckt das Fleisch feiern ließ Bachus zur Ehre.
00:00:51: Du, der in den schwarzen Gärten des Betrugs in rot gekleidet ins Unheil rannte.
00:00:58: Du –der sein Skelett unversehrt bewahrt wie ein Wunder dass mir schleierhaft ist, du verlangst das ich weiß sei.
00:01:07: Gnade dir Gott!
00:01:09: Du verlangts, daß ich käusch sei?
00:01:11: Gnadet dir
00:01:12: Gott?!
00:01:14: Du verlangs', daß Ich rein sei.
00:01:19: Mach dich fort in den Wald, In die Berge, geh nur!
00:01:23: Wisch dir den Mund ab, lebe ihn hütten, Greif' die feuchte Erde mit deinen Händen.
00:01:28: Nähre deinen Leib mit bitterer Wurzel.
00:01:31: Trink vom Felsen Schlaf auf Raureife.
00:01:34: Wasch deine Kleider mit Salpeter und Wasser.
00:01:37: Sprich, mit den Vögeln.
00:01:39: steh' im Morgengrauen auf!
00:01:41: Wenn dann das Fleisch wieder ganz bei dir ist Und du ihm auch die Seele Die sich in Schlafzimmern verheddert hatte Wieder zurückgegeben hast Dann guter Mann Kannst Du verlangen dass ich weiß?
00:01:55: Kannst du verlangen Dass ich rein?
00:01:57: Kannest du verlangan Dass Ich käusch
00:02:00: bin.
00:02:11: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode der Literatur mittleren.
00:02:15: Mein Name ist Den Leisner
00:02:18: und Jelena Wolic.
00:02:20: Wir haben gerade ein Gedicht gehört, wir fangen heute mal ein bisschen anders an.
00:02:26: Und zwar möchte ich euch gerne zu Beginn eine Geschichte erzählen die sich auch so zugetragen hat.
00:02:32: Die Geschichte von einer Frau in der Mitte ihrer Vierziger.
00:02:38: Es ist und eine Frau steht auf dem Bahnhof in Buenos Aires und verabschiedet sich von ihrem Sohn.
00:02:49: Und sie wissen beide, dass es das letzte Mal ist, dass Sie sich in Ihrem Leben sehen.
00:02:54: Denn die Frau hat ihrem Sohne gesagt, dass sie sterben will.
00:03:10: Dort angekommen, spricht sie noch einmal dem Arzt der ihr Schmerzmedikamente verschreibt und sie will auch darüber sprechen dass sie gerne sterben möchte.
00:03:18: Doch der wehrt es alles ab!
00:03:19: Der will davon nichts hören.
00:03:21: Sie überlegt ein Revolver zu kaufen aber das klappt auch nicht.
00:03:26: Schließlich am fünfundzwanzigsten zehnten, neunzehnundachtendreißig schreibt sie etwas auf einem Zettel steckt das in einen Umschlag und geht zur Post und wirft diesen Umschlag dort ein.
00:03:38: Sie schreibt Folgendes.
00:03:53: Ich stürze mich ins Meer.
00:04:12: Dann, sie geht zum Meer – bis zum Ende der Mole.
00:04:15: Dort streift sie ihren Schuh ab.
00:04:17: Das hat sie absichtlich gemacht damit man sie leichter findet und lässt den Schuh dort zurück.
00:04:22: Sie geht ins Wasser Und sie kommt nie mehr zurück.
00:04:26: Am nächsten Morgen entdecken sie Arbeiter.
00:04:29: Ihre Leiche wird nach Brenos Eires übergeführt.
00:04:32: Viele viele Menschen erweisen ihr ihre letzte Ehre.
00:04:38: Die Frau die da gegangen ist, sehr selbstbestimmt bis zum letzten Moment.
00:04:43: Das war Alphonsina Storni und über Alphonsea Stornie wollen wir heute auch sprechen.
00:04:49: Alphon Sinas Stornil dieses wunderbare Gedicht geschrieben hat in sehr frühen Zeiten was wir schon gehört haben.
00:04:55: du willst mich rein.
00:04:58: vielen dank auch noch mal an Alex die dieses gedicht wieder so ganz wundervoll eingelesen hat.
00:05:03: Jelena wir beginnen ein bisschen mit einer sehr traurigen geschichte tatsächlich Aber hier war es wichtig, diesen Ende von ihr an den Beginn zu setzen.
00:05:13: Auch um zu zeigen was für eine Frau sie war wie gesagt die bis zum Ende über ihr Leben bestimmt hat.
00:05:19: natürlich war ihr Leben nicht nur tragisch auch schön und darüber wollen wir heute berichten und euch auch ein bisschen Ihr Werk natürlich vorstellen und auch analysieren zusammen warum man Sie heute noch lesen sollt und warum sie so wichtig ist.
00:05:32: Warum sie auch für die Literatur vor allem die latin amerikanische Literatur so wichtig.
00:05:37: Jelena, wann hast du denn das erste Mal von Alfonsina gehört?
00:05:42: Naja.
00:05:43: Also eigentlich habe ich erst mal das berühmte Lied Alphonsina i Elmar gehört in Interpretation einer der größten lateinamerikanischen Interpreterin Mercedes Sosa und zwar in Münster, als ich Germanistik studiert habe.
00:06:16: Erstmal habe ich überhaupt das nicht mit einer Dichterin von Sina Storni in Verbindung gebracht, sondern ich fand einfach ... Das lieht so schön.
00:06:27: und diese warme tiefe Stimme von Mercedes Sosa auch diese melancholische sehr nostalgische eigentlich Töne des Liedes.
00:06:41: Viel später habe ich eigentlich bei irgendeiner Gelegenheit erfahren, dass das Lied eben Alfonsina Storni gewidmet wurde.
00:06:54: und ja dann habe ich auch ihre Gedichte angefangen zu lesen und mich eigentlich für sie auch zu interessieren.
00:07:06: Wir stoßen hier eigentlich an unsere Grenzen, deine und meine.
00:07:14: Aber auch an Grenzen glaube ich unserer Zuhörer weil wir wagen uns in ein unbekanntes Land.
00:07:26: Eigentlich in eine unbekannte Welt, auch literarisch eine ziemlich unbekannte Welt.
00:07:33: Natürlich kennen wir Lateinamerika und lateinamerikanische Schriftsteller, aber die, wenn wir ganz ehrlich sind, sehr wenig.
00:07:44: Wir kennen Octavio Paz und natürlich Markus ist immer ein Name Pablo Neruda auf jeden Fall.
00:07:53: Ja, aber als politische ... Genau.
00:07:56: Die Isabella.
00:07:58: Das Geisterhaus?
00:08:00: Genau das Geisterhaushalt und das immer noch so als Werk an der Grenze eigentlich zwischen Literatur- und Trivialliteratur geordnet wird natürlich auch durch die Filme, nach Vorlagen gedreht hat.
00:08:25: Hier und da habe ich aber immer wieder feststellen müssen, dass es in dieser riesigen Literaturproduktion auch richtige Meisterwerke gibt Und die sind ziemlich unbekannt hier bei uns in Europa.
00:08:46: Wir sind mit unserem Blick ziemlich begrenzt.
00:08:50: Wir bleiben immer wieder so in Rahmen unserer europäische Klassik.
00:08:58: Diese zeitliche Aufteilung, dass wir Antike kennen und wir kennen Mittelalter und Renaissance und Romantik und Barock und Rokokondis und jenes Realismus In Grunde genommen kennen wir eigentlich Produktion in der weiten Welt kaum, sehr wenig.
00:09:29: Und da wollten wir mit Alfonsina Storny ... Wir wollten uns beide wagen in einer anderen Welt und schauen, was wir heute Abend eigentlich so ... in dieser Welt mit Alphonsina und mit ihrer Dichtung und ihrem Berg herausfinden.
00:09:51: Das wird wahrscheinlich auch für die richtige Kenner der dateienamerikanischen Literatur viel zu wenig, aber wir wollten einfach mal unsere Erlebnisse oder unsere Eindrucke beim Lesen und als wir überall von Sinas Dornig gesprochen haben wollen wir einfach mit unseren Zuhörer teilen.
00:10:19: Ohne Anspruch zu erheben, dass wir wirklich Kenner der latein-amerikanischen Literatur sind?
00:10:25: Da sind wir nicht!
00:10:28: Ich kenne einige.
00:10:30: Also Rubendario natürlich Jimenez ist für mich ein der größtendichtaler Zeiten.
00:10:38: Aber auch dann mit Alfonsina Storni irgendwie uns beide als zwei Frauen auch widerspiegeln in ihrer Poesie.
00:10:53: Und wie du schon sagst, wir wollen unser Blick auch vor allem auf die Frauen legen.
00:10:59: Der Lateinamikage mit der Literatur und ich fand es ganz schön was du gesagt hast.
00:11:02: das natürlich unsere Perspektive wo wir die literarische Welt sehen.
00:11:05: Natürlich sehr davon geprägt ist fängt mit den Deutschunterrichten der Schule an die Weimarer Klassiker des Mittelalter.
00:11:12: Wie hast du schon gesagt?
00:11:13: Aber wir grenzen natürlich auch Literatur.
00:11:15: Wir teilen das in gewissen Parionen ein die natürlich sehr eurozentrisch geträgt sind aber dass diese welt noch viel viel größer ist und dass wir hier heute mal einen ganzen kleinen Einblick erst mal wagen wollen.
00:11:25: Ich denke, das ist auch für die Zuhörerinnen und Zuhörer interessant da vielleicht auch ihre Perspektive ein wenig zu
00:11:30: erweitern.".
00:11:31: Und nicht nur dass ich glaube was wir machen und was natürlich eigentlich falsch erscheint... Wir werden alle andere Literaturen durch unsere unsere eurozentrische Perspektive.
00:11:49: Und wie viele Male habe ich gehört für unterschiedliche Autoren aus aller Welt, also solche zum Beispiel Bemerkungen wie es ist mir zu emotional, es ist ein zu starker Ausdruck.
00:12:06: Also offensichtlich sind wir nicht fähig eben die die unterschiedliche Kontexte auch zu verstehen und eigentlich bewerten alles oder kritisch beäugeln, alles durch unsere sehr klassische und sehr europageklebte Blicke.
00:12:29: Und das wollen wir versuchen heute Abend irgendwie aufzulockern wenn nichts anders.
00:12:36: Das ist ja auch den Anker, die wir eigentlich normalerweise ein bisschen haben.
00:12:39: Wir orientieren uns immer an das was wir kennen und so bewertet man dann natürlich auch andere Poesie, andere Literatur... Und hier
00:12:49: haben wir jemand gewählt der eigentlich eine Verbindung ist oder eine Schriftstellerin gewählt, die Europa- und Lateinamerika Genau
00:13:03: und das auf ganz interessante Weise.
00:13:05: Und zwar Alphonsina Storni, wie wir schon gesagt haben eine sehr berühmte argentinische Schriftstellerin Lürikerin bis heute auch sehr verehrt und wiederentdeckt zur Zeit wieder.
00:13:17: aber sie stammt eigentlich aus der Schweiz dort ist sie geboren und da stammts ihre Familie.
00:13:23: Sie war, um das auch zusammenzufassen.
00:13:25: Sie war halt nicht nur Lürikerin.
00:13:28: Sie hat auch Theaterstücke geschrieben und sie war Journalistin.
00:13:32: Ja?
00:13:32: Sie hat ja auch gearbeitet als Lehrerinnen.
00:13:35: Man muss sich hier vorstellen es war eine sehr kleine Frau, nur einzigundfünfzig groß.
00:13:41: Sie hatte so ein bisschen sehr rundes Gesicht, ganz schillerndes blondes Haar.
00:13:46: So einen Kurzschnitt der damals so modern war in den zwanziger Jahren.
00:13:51: wenn man sie auf Fotos sieht dann guckt sie doch immer relativ ernst oder verträumt.
00:13:55: Es gibt wenig Bilder, wo sie auch lacht und wenn sie lacht wirkt es immer ein bisschen gestellt auch.
00:14:01: Sie war eine Frau die sehr reflektiert war, sehr ernst war.
00:14:05: Auch vielleicht ein bisschen durch das was sie im Leben erlebt hat.
00:14:08: Eine Frau, die sich ja immer durchbeißen musste.
00:14:11: Und sie wurde wie gesagt in Tessin geboren als drittes Kind von Alfonso Storny und Paulina Machtignoni Beide auch, wie gesagt, Schweizer.
00:14:21: und das Besondere an dieser Familiengeschichte ist die Geschichte des Vaters.
00:14:26: Weil die Brüder des Vater, die wurden in Argentinien sesshaft.
00:14:29: Und vieles weiß man gar nicht so zwischen achtzehnhundertsiebzig-und neunzwartreißigwanderten sechs Millionen Euro per Jahr nach Argentinen ein.
00:14:38: Damit ist Argentina damals das Land, man entweder das zweite oder drittgrößte Einwanderungsland nach USA und Australien.
00:14:46: Wie gesagt da gibt es ein bisschen unterschiedliche Zahlen, manche sagen das Dritte Manche des Zweite, Größte wo da die Einwanderer hingegangen sind und da gab es auch wirklich sogenannte Einwarnungskommissionen und Agenten.
00:14:57: Die sind dann nach Europa gegangen und haben dann wirklich ganz aktiv geworben kommt doch nach Argentinien.
00:15:01: hier habt ihr viele Möglichkeiten Hier gibt es finanzielle Absicherung oder sogar die Möglichkeit ein kleines Vermögen anzuschäffeln.
00:15:11: Und so sind da vor allem Spanier und Italiener nach Argentinien dieser Zeit gegangen.
00:15:17: Das hatte auch wirklich erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft dort in Argentiniens.
00:15:22: Landwirtschaftsbetriebe haben sich gegründet, die Exporte von Vieh- und anderen Produkten stieg halt extrem an und es war vor allem diesen Einwanderern zu verdanken allerdings oft Kosten der Indigenen Bevölkerung, die in der Zeit sehr vertrieben wurden.
00:15:37: das liebt dann leider nicht aus Und der Vater von Alphonsina war sozusagen der Nachzügler.
00:15:44: Seine Brüder waren schon alle drüben und er kam so nach und nach an, hat versucht auch Fuß zu fassen aber er war auf der Suche nach einer Frau Und die fand er dann in der Mama von Alphonsina Paulina und sie hat er wieder im Heimaturlaub kennengelernt, in der Schweiz.
00:16:02: Dann ist die Familie dann, aus dem Jahr eighteenundsechsenneunzig wirklich endgültig nach Buenos Aires übergefahren und versucht dort ihr Leben aufzubauen.
00:16:11: Sie sind zuerst nach San Juan gegangen, eher eine kleinere Stadt, die aber geprägt war von einer größten Zerstörung weil damals gab es ein großes Erdbeben.
00:16:20: Alphonsina als Kind wurde sehr wilde bezeichnet.
00:16:23: Man hat auch gesagt, es ist eine Chichara.
00:16:25: Ich weiß nicht, ob's richtig ausgesprochen wird?
00:16:27: Ich hoffe, mein Spanisch ist nicht ganz so gut und das bedeutet Cicade weil sie so wild war und da wirklich in der Natur auch ... Sie konnte da auch viel machen, ganz frei leben und hat damit ihren Brüdern nach und nach die Welt erkundet.
00:16:41: dann kam auch ihr Lieblingsbruder noch zur Welt Hildo.
00:16:44: man muss generell sagen dass sie gar nicht so ne enge Verbindung ihr Leben lang hatte zu ihren Eltern Ihr Vater ist auch viel verstorben aber auch zur Mutter und den Geschwistern ein bisschen ferngehalten, was vielleicht auch über ihren daran lag dass sie ja schon einen sehr eigenen Weg gegangen ist der nicht so typisch damals war für Frauen.
00:17:00: Wir befinden uns immer noch am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:17:05: allerdings die Familie wurde doch vom großen Unglück getroffen und zwar hat diese Firma der Hermano Storni also der Bruder Stornis dann pleite gegangen tatsächlich.
00:17:16: Also Sie haben diesen erhofften Aufschwung nicht erreicht Und dann haben sie in schwierigen Verhältnissen auch gelebt.
00:17:24: Die Mutter hat versucht, das an sich zu ziehen und eine Privatschule eröffnet.
00:17:27: Sie sind umgezogen mehrmals und wollten da Fuss fassen.
00:17:32: Der Vater hat einen Lokal eröffnetenen.
00:17:35: Das nennt man sich Sweetsuch, also Schweizer.
00:17:39: Es war ein Trinklokal.
00:17:41: Alphonsina musste sehr früh Verantwortung übernehmen.
00:17:44: Sie hatte in dieser Kneipe bis abends wach.
00:17:47: Hat die Gäste bedient ... hat das Geschirr gespült und alles, was damit zusammenhängt.
00:17:52: Wenn man in so einer Bar arbeitet.
00:17:54: Und es hat auch nicht funktioniert.
00:17:56: Auch diese Kneipe ist dann wirklich pleitegegangen... ...und der Vater wurde sehr krank und ist dann, wie gesagt, schon gestorben.
00:18:04: Also jetzt musste die Mutter und Alphonsina jetzt sozusagen die Verantwortung sich um die Familie zu kümmern.
00:18:12: Was Alphonsein auch sehr früh wahrgenommen hat, sie ist dann sehr früher nicht mehr zur Schule gegangen schon mit elf, was interessant ist, weil sie ja dann Lehrerin geworden ist.
00:18:18: Aber sie hatte die Möglichkeit zum Seminar zu besuchen und Lehrerinnen zu werden.
00:18:22: Und sie hat sich da wirklich mit Gelegenheits-Jobs erst mal über die Runden gehalten um die Familie zu ernähren.
00:18:27: Also sie war nach Hutfabrik, hat da gearbeitet, hat aber trotzdem immer schon derzeit auch diese schriftstellerischen Aktivitäten aufgenommen und hat dann auch schon der Zeit ihre ersten Gedichte geschrieben, die dann auch veröffentlicht wurden sogar in Wochenzeitschriften.
00:18:44: Interessant ist, es gab so eine kleine Episode in ihrem Leben.
00:18:47: Sie hat ja auch, wie ich gesagt habe, Theaterstücke später geschrieben und sie hat selber auch mal ne kurze Zeit als Schauspielerin gearbeitet.
00:18:54: Als Nachwuchsschauspielerin und das war so eine Truppe die dann über das Land gezogen ist in Argentinien und hab dann wie so ne Wandertruppe, die dann aufgetreten ist und ihre Stück performt haben.
00:19:05: Aber dieses Milieu war sehr schwierig, auch gerade so als junge Frau.
00:19:08: Es ist nicht genau beschrieben was da so passiert ist also dass sie da irgendwie auch unangenehme Begegnungen hatte.
00:19:13: deswegen hat sich das dann auch sehr früh wieder aufgegeben.
00:19:16: Also diese Tour hat sie dann auch abgebrochen und gar nicht zu Ende gebracht sondern hat dann wirklich versucht irgendwas sage ich mal etwas ein bisschen besseres Job anzunehmen und hat dann wie gesagt eine Ausbildung als Lehrerin gemacht.
00:19:29: Und auch schon relativ früh, so in Jahr zehn oder zwölf, ist sie dann auch schon einem feministischen Zentrum beigetreten.
00:19:38: Und diese ganzen Themen, ja die feministische Themen Befreiung der Frau Selbstbestimmung der Frau Kämpfen für die Rechte der Frau Dass die Frau arbeiten geht Alles sowas Dafür hat sich es schon sehr sehr früh eingesetzt.
00:19:55: Ja und ich meine das ist irgendwie ganz interessant Weil die Gesellschaften, die aus Migranten zum größten Teil bestehen sind häufig eben sehr Männerdominierte Gesellschaften.
00:20:14: Dadurch dass eigentlich die einfache Unteranführungsstrichen Auswanderer in ein unbekanntes Land kommen Und das Land ist im Aufbruch, wie damals eben Argentinien auch wirtschaftlich.
00:20:36: Das heißt, es sind die Frauen hauptsächlich für die Familie zuständig, für Kinderkriegen zuständig und letztendlich haben wir ja auch Begriff dafür.
00:20:47: Das ist Lateinamerikanisches Machismo.
00:20:52: Also jetzt in literarischem Kontext ... zu bringen.
00:20:57: Also diese Zeit, das ist eigentlich Jahrhundertwende, ne?
00:21:03: Neunzehnhundertsechs, neunzehundertzwölf.
00:21:07: Eigentlich der... also nicht den Frage gestellte König, Literaturkönig zu dieser Zeit ist Rubendario und Rubendário ein ikvoreguanischer Dichter auch Botschafter, also Politiker und Journalist ist eigentlich Begründer von Modernismus.
00:21:31: Eine ganz wichtige Bewegung, Literaturbewegung in Lateinamerika... In ganzen Latein Amerika nicht nur in Argentinien Auch in Chile, in Nicaragua natürlich obwohl er hat am wenigsten es in Nicaaragua eigentlich gewirkt ist eine ganz interessante Erscheinung und ein interessantes Phänomen, weil das war eben eine neue Zeit die sehr nach Europa geblickt hat.
00:22:08: Und eigentlich sich von Europa inspiriert, inspirieren ließ Vor allem eben französische Poesie, hatte sehr großen Einfluss auf Modernismo gehabt.
00:22:22: Vor allem in Berlin und das sind so Themen die sehr wichtig sind.
00:22:35: Das was Modernismo auch noch möchte ist sich von dem nördlichen Nachbarn eigentlich zu... abzusetzen von USA, von Amerika eigene Stimme zu finden.
00:22:52: Und
00:22:52: was heißt Modernismus jetzt also konkret zum Beispiel auf die Lyrik?
00:22:55: Modernität!
00:22:56: Aber wie äußert sich das?
00:22:57: vor
00:22:58: allem Lyrik?
00:22:59: Also es äußerte ich in Übernahme der poetischen Mitteln europäischen und auch etwas was bis heute noch wirkt.
00:23:15: Das ist Entstehung einer fantastischen Welt.
00:23:21: Und das ist interessant, also die Blicke nicht in dem was aufzufinden war In diesem lateinamerikanischen Kontinent Die haben überhaupt kein kein Gefühl und Gespür nicht überhaupt, aber wenig Gespüre gehabt für indigene Völker die sie aufgefunden haben.
00:23:43: Und ihr eigentlich mittlerweile in der modernen lateinamerikanischen Literatur eine der tragendsten Rollens spielt.
00:23:51: Sondern die suchten Verbindung nach Europa und suchten eben sich mit Europa zu messen beziehungsweise zu beweisen dass eigentlich europäischer Herkunfts-Send.
00:24:07: Und das ist sehr interessant!
00:24:10: Es ist auch interessant, sozialgesellschaftlich zu schauen.
00:24:19: Dario hatte eben sehr stark musikalische rhythmische Texte verfasst... Der hatte so in der Sprache übige, ornamentale und volle Begriffe Farben, Düfte, Klänge.
00:24:43: Aber der alles versucht das zu verfassen in Alexandrina für Azenzilvic typisch für den Modernismus und ist inspiriert vor allem von französischen Symbolisten.
00:25:03: Motive sind Märchenhaftigkeit, Idealismus aber mit einer unterschwelligen Melancholie der Dekadenz.
00:25:14: Sehr interessant.
00:25:15: und ich meine wenn wir an Tango denken... Denken, ne?
00:25:19: Das ist typisch.
00:25:20: Kannst du Tango tanzen?
00:25:22: Nein kann ich nicht leider nicht aber ich kann sehr gut zugucken wenn jemand tanzt.
00:25:27: Ich kann auch sehr gut genießen.
00:25:29: Also auch die Musik von Tango mag ich sehr gerne.
00:25:33: Aber das ist diese Melancholie der Dekadenz eigentlich Auch das was wir Wenn wir an Buenos Aires denken dann alle unsere vor.
00:25:48: Also sagen wir vorangenommene Bilder und Ideen über Buenos Aires sind ja irgendwie dekadent, also so ein bisschen verrucht.
00:26:01: Ein bisschen ganz nebelig und melancholisch und nostalgisch und sentimental und sowas.
00:26:11: Der hat ein Gedicht geschrieben, also der war auch sehr häufig in Spanien.
00:26:17: Er war sogar Botschafter von Nicaragua in Barcelona.
00:26:23: Der hatte auch zeitlang auf Mallorca verbracht.
00:26:28: Der war eigentlich ein schwieriger Alkoholiker.
00:26:32: Der ist auch an Alkohl sucht bzw.
00:26:37: Pneumonie gestorben als eigentlich junger Mann.
00:26:45: Aber man sagt immer wieder, dass sein Gedicht zu Natina eigentlich Manifest des Modernismus ist oder das Modernismo ist.
00:26:58: Und ich glaube, dass jeder in Lateinamerika beginnt, also kennt die Zeile mit der die Sonatina beginnt und das ist... Die Prinzessin ist traurig.
00:27:14: Was mag die Prinzessinnen haben?
00:27:18: Ich meine schon dieser Vers leitet eigentlich Grundton von Modernismo.
00:27:31: Es ist eigentlich eine Bewegung gewesen, die thematisch Liebe behandelte und aber Frauen als so ätherische Wesen, Symbol der Schönheit auch eine gewisse Farm fatal, aber nicht in der europäischen Art sondern viel mehr so als ein himmlisches Wesen.
00:28:03: Besonders schön, besonders durchsichtig sehr zart und ethärisch.
00:28:11: Ich meine, Ruben Dario hat auch Marques geprägt, Pablo Neruda geprägte aber zugleich die Frauen gepräglich.
00:28:23: Also unter anderem Alfonsina Storni, auch Gabriella Mistral.
00:28:30: Diese Stil hat auch Alfonsiner besonders in der ersten Phase ihre Schöpfung verfolgt und automatisch diese zum Teil so fantastische Nichtmärchenhafte aber ätherisch, so vielleicht zum Teil auch metaphysischer aber auf eine andere Art eigentlich.
00:29:04: Auch sich hat sehr viel über Liebe gedichtet und auch zum Teil erotische Gedichte geschrieben die aber alle in diesem Stil des Modernismus geschrieben wurden.
00:29:20: Was du gesagt hast, was diese Ornamente angeht.
00:29:22: Dass sie das ausgeschmückt hat.
00:29:24: Aber trotzdem würde ich dir die Themen angehen?
00:29:27: Ja ... Die Themen sind bei ihr doch sehr viel sozialkritischer geworden.
00:29:34: Es ging bei ihr auch das Gedicht, was wir eingangs gehört haben.
00:29:37: Du willst mich rein!
00:29:41: Wenn man das so hört ist ja eine reine Anklage an den Mann.
00:29:44: Also dieser Paradoxum auch, du willst immer die Frau haben, die am besten noch nie von einem Mann gebrührt wird.
00:29:51: Die ganz Scheu schüchtern... Da ist für ihn da immer ganz rein, ganz weiß.
00:29:57: Genau und das ist eigentlich ihr Dialog mit Modernismus?
00:30:03: Ja genau!
00:30:04: Dass sie das sozusagen hinterfragt eigentlich.
00:30:06: Und man muss sich noch überlegen.
00:30:09: also ich denke jetzt darüber nach Borges Modernismo beeinflusst und beeindruckt.
00:30:19: Gut, Gabriela Mistral.
00:30:22: Marques Pablo Neruda Mario Vergas Llosa Also Federico Garciallorca auch zum Teil obwohl er mehr so spanisch eigentlich.
00:30:38: aber der hatte auch Einfluss von Modernismo bekommen Und das ist sehr interessant zu beobachten.
00:30:50: Wie gesagt, Alphonsina gibt dir an ihrem Gedicht, was wir angangskönnen.
00:30:52: Es ist eine Antwort darauf!
00:30:54: Also sie sagt ja wie gesagt als ob sie das so ein bisschen beantwortet?
00:30:57: Ja ihr habt diese Idealismus dieser Frau.
00:30:59: aber schaut euch doch erst mal selbst an.
00:31:01: und nicht nur dass sie fordert ja auch bevor du hier erstmal zu mir kommst lebt doch erstmal irgendwie wirklich ganz natürlich ganz frei in einer Hütte greife die feuchte Erde und was Sie da für schöne Bilder aufgemacht haben Und dann kannst du kommen Dann kannst du zu mir kommen und sagen Du willst mich reinhaben
00:31:19: eben die Modernität aus einer weiblichen Perspektive.
00:31:24: Sie sieht sich als moderne Frau und sie ist auch
00:31:27: eine moderne.
00:31:29: Vielleicht ganz kurz bevor wir nochmal einen Ausflug machen, dann in den ganzen Literatur dieser Zeit.
00:31:36: es ist ja dann auch was passiert.
00:31:37: Sie ist jetzt achtzehn neunzen und zwar wird schwanger Und ich musste so an unsere erste Episode denken, Jelena.
00:31:45: Ich musste so ein Eselaska-Schüler denken.
00:31:48: Weißt du noch?
00:31:49: Sie hatte ja auch einen Sohn und sie hat nie gesagt wer der Vater ist.
00:31:53: Sie hatte immer so einen Prinz und das total verschleiert.
00:31:59: Was ähnliches macht Alphonsina Storni auch.
00:32:01: Im Nachhinein weiß man, dass es wohl ein verheirateter älterer Geschäftsmann war ... Der Vater ihres Kindes.
00:32:09: Und sie ist halt neunzehnmal zwölf Schwanger und geht dann auch, du hast es schon erwähnt, nach Buenos Aires.
00:32:13: Das wird dann auch eher statt ihrer Heimat sein.
00:32:16: Sie sieht dahin vielleicht so ein bisschen als Schutz die Anonymitität der Stadt.
00:32:21: Für sie ist aber ganz klar ich als Frau werde dieses Kind alleine großziehen.
00:32:28: Ich werde arbeiten gehen!
00:32:30: Und ich werde auch noch obendrauf... Ob das nicht reicht?
00:32:33: Wir müssen überlegen, das ist eine ganz andere Zeit damals.
00:32:37: Da noch zu sagen und ich schreibe auch noch Das ist damals eine echt große Kraftanstrengung, das was sie da diesen Weg dienen sie auch geht und der hinterlässt auch Spuren.
00:32:48: Sie muss sich vorstellen, sie ist auch vielen Anfeidungen ausgesetzt.
00:32:54: Und ihre Lyrik ist ja nicht nur verträumt und in irgendwelchen Sphären das Märchenhafte.
00:33:01: Nein, die Problematik, was sie erlebt im Alltag, spricht sie offensiv an wie es als Frau zu leben.
00:33:10: Sie hatte dann als Journalistin angefangen zu schreiben für verschiedene ... Zeitschriften oder Zeitungen.
00:33:18: Aber sie wurde immer in diese Frauenkolumne-Ecke gedrängt, also hat dann so eine Seite für die Frau geschrieben und hat aber versucht innerhalb dieser Kolumne – weil es war klar das was von ihr erwartet wird, da gibt man in solchen Kolumnen einen Haushaltstipp!
00:33:31: Tipps zum Beispiel Erziehungstipp.
00:33:33: und sie hat aber versucht das so ein bisschen aufzubrechen.
00:33:36: Und hat dann aber auch versucht zu appellieren an die Frau.
00:33:38: Nein, denkt auch an dich macht das was du wirklich willst und lass dich nicht in dieser Rolle als Hausfrau, als Mutter lasst sich da nicht hinein drängen ja?
00:33:45: Und ihr wurde auch damals gesagt Sie hat dann noch gearbeitet in einem Geschäft auch noch hatte das Marketing ein bisschen gemacht und dir wurde auch gesagt pass auf was du da schreibst.
00:33:54: Ja also sie wurde angefeindet für das, was sie
00:33:58: macht?
00:33:59: Ja.
00:33:59: Sie hatte eben die Modernität als soziale und gesellschaftliche... Also ich hatte Modernität in einer gesellschaftlichen und sozialen Krise gesehen.
00:34:12: Und ihre Texte eigentlich – und das ist allerwichtigste – destabilisieren den hegemonialen Modernitätsdiskurs.
00:34:24: Das ist das!
00:34:25: Sie destabilisiert dieser männliche, moderne Welt.
00:34:32: So wie du das beschrieben hast aus ihrer Ecke und sie will die Frauen nicht als dekorative Figuren sehen sondern sie macht eigentlich Frauen zu politischen und kulturellen Subjekten.
00:34:52: Und das ist wie du schon so betont hast Das ist in dieser Zeit, in diesem Kontext, in dieser gesellschaftlichen Umgebung wirklich sehr mutig und sehr rebellisch gewesen.
00:35:11: Und sie hat auch immer ein Verständnis dafür, dass sie einfach anders war.
00:35:15: Da gibt es ein ganz kurzes Gedicht.
00:35:17: Das würde ich gern mal vorlesen.
00:35:18: Man muss sagen in dieser Zeit ... Wir sprechen jetzt so die Zeit.
00:35:20: Sie hat sich als Verkäuferin gearbeitet und der Marketingabteilung hat gleichzeitig als Journalistin angefangen, Kolumnen zu schreiben für Frauen-Skizzen wie die halt alle hießen.
00:35:32: Und hat aber gleichzeitig auch Gedichte geschrieben und hat zwischen den letzten drei Gedichten herausgebracht.
00:35:40: Zum Beispiel ein Ziesunruhr des Rosenstocks, süße Qual aus der ich jetzt das vorlese und unheilbar.
00:35:48: Und hat auch schon in der Zeit übrigens Preise auch gewonnen.
00:35:51: Sie hat sich auch wirklich etabliert in dieser Zeit als Lyrikerin.
00:35:56: Das Gedicht was ich kurz vorlesen möchte heißt Aussehen.
00:36:02: Ich lebe in vier Wänden Mathematisch exakt vermessen Um mich herum nur apathische Kleingeister Sehchen ohne jeden Sinn für das blaue Fieber, dass meine Träume nähert.
00:36:15: Ich trage Kunstpälz mit grau-schwarzen Streifen – ein Rabe der unterm Flügel eine Lilie trägt.
00:36:23: Mein krummer Schnabel bringt mich so zum Lachen, daß ich mich selbst zu faas und zum Störenfried
00:36:28: mache.".
00:36:44: sehr bezeichnend, da konfrontiert sie eigentlich zwei Frauen.
00:36:50: Es ist ein Dialog zwischen Frauen und die reden sich mit Mucher an Frau.
00:37:00: Und es ist drei Strophler also in drei Strofen und das Gedicht beginnt mit du die Tugenhafte Und du, die Zynische und Du, die Gleichgültige oder die Verdorbene.
00:37:24: sehen wir uns ohne Feuchte an in den Augen.
00:37:30: Wir kennen uns gut.
00:37:32: Lass uns abrechnen.
00:37:37: Also es ist wirklich ... Ja, Kampfhandsage.
00:37:43: Kampfhansage.
00:37:45: aber Ich habe immer den Eindruck, es geht nicht um den Gegner.
00:37:53: sondern es geht um Ermutigung
00:37:57: und
00:37:58: eigentlich Aufmunterung der Frauen.
00:38:01: Nicht nur Aufmutterung, ich glaube sie wollte wirklich die Augen auch öffnen.
00:38:04: Schaut euch das mal an.
00:38:05: also ich glaube Sie hat so viele Beispiele gehabt ja?
00:38:08: Sie musste ja nur durch Buenos Aires wahrscheinlich gehen.
00:38:11: da hat sie die Mamas gesehen mit den Kinderwagenfohren, da hat sich die Männer in ihren schicken Anzügen gesehen, die Geschäftsmänner oder... Ja und sie war klar wie diese Gesellschaft funktioniert Und sie wollte einfach zeigen, es gibt auch eine andere Möglichkeit für euch Frauen.
00:38:29: Also so wie als ob sie die Augen öffnen wollte.
00:38:31: Schaut mal her!
00:38:31: Es gibt da noch ein anderes Leben.
00:38:32: Denkt an euch.
00:38:34: Wagt das?
00:38:35: Ja aber gleichzeitig eben rein literaturwissenschaftlich betrachtet ist ... Sie verwendet eigentlich klassische Formensprache des Modernismus.
00:38:51: In dieser Form fühlt sie mit soziale und psychologische Sprengkraft.
00:39:00: Und das ist etwas, was wirklich selten zu sehen ist.
00:39:04: Das hat Sie gemacht nach einem vollen Arbeitstag?
00:39:08: Weil dann hat sie als Lehrerin angefangen zu arbeiten in einer Sprachenschule Theaterschule für Kinder.
00:39:17: Und das hat sie sich dann abends noch hingesetzt und hat diese Verse niedergeschrieben?
00:39:21: Genau,
00:39:22: dieses Gedicht La Armadura ist eine der ersten Gedichte in der lateinamerikanischen Literatur dass Frauen nicht mehr als mythische Muse oder moralische Instanz zeigt sondern als bewusste Subjekte in einem Kampf um ihre Identität.
00:39:42: und darum geht es.
00:39:44: Es geht nicht Ein Kampf, wer stärker ist und wer dominiert.
00:39:49: Sondern es geht um die Identität der Frauen oder des Frauseins.
00:39:59: Was ist das?
00:40:01: Wie fühlt sich das an mit was ist diese Aufgabe oder dieser Rolle auszufühlen?
00:40:08: Und sie hat sich ja mit diesen Fersen auch dann wirklich etabliert.
00:40:11: Sie hat weitere Bände rausgebracht, Instagram hat sie neun Dürigbänder geschrieben und herausgebracht.
00:40:18: Man muss sagen, sie war dann in literarischen Zirkeln und Kreisen natürlich unterwegs und oft als einzige Frau auch.
00:40:26: Da gab es zum Beispiel auch mal geschrieben um diese Situation zu beschreiben wie das für sie war.
00:40:32: Unzählige Male waren meine Frau sein in den Kreisen die ich mich bewege ein Störfaktor.
00:40:38: Sie hat das gespürt.
00:40:39: Sie war da, sie hat gesehen wie sie angeguckt wird.
00:40:41: man sieht auch Bilder von ihr wo sie da sitzt und es sind alles nur Männer um sich herum.
00:40:46: zum Beispiel ist das Pen-Zentrum eröffnet wurde in Buenos Aires.
00:40:49: ja es sind alle nur die jetzt mit gegründet aber es waren nur Männer dort.
00:40:52: Sie kauft auch wirklich die einzige Frau Und sie sagt weiter denn auch wenn wir täglich zusammen verbrachten gelang es mir nie zu vergessen dass ich es mit Männern zu tun hatte Und diesen fehl es eben so schwer aus der Acht zu lassen, dass ich eine Frau war.
00:41:12: Ja natürlich!
00:41:13: Klar!
00:41:14: Ich war eine Frau die Frau sein wollte, die auch zeigen wollte, dass sie Frau ist... ...die Männer auch liebte,... ...die auch verliebt war, auch erotische Gefühle hatte und auch die wunderbar beschrieben hat.
00:41:30: Und trotzdem überall wollte sie eigentlich diese Identität nicht nur in Frau sein suchen wollen, sondern auch im Subjekt sein.
00:41:48: Jemand der agiert, jemand, der verändert, jemanden der kreiert, der leitet.
00:41:56: Also sehr interessant!
00:41:58: Und sie wurde ja auch öftlich angefallen selbst von jemandem wie Bochess.
00:42:02: Der hat sie bezitelt als schrillkreischende Klatsch-Tante.
00:42:06: und dann denke an... was eben Kafka über etwas
00:42:13: Geschüler geschrieben hat.
00:42:15: Das ist ungefähr dieselbe Zeit.
00:42:17: Das sind alles etablierte Männer.
00:42:19: Auch Bochès hat sich damals einen Namen gemacht und die fühlten sich ein bisschen bedroht.
00:42:23: Und dann auch mal hingewiesen haben auf diesen Status der Frau, also ich mach das in Anführungszeichen, es seht ihr gerade nicht... Also dass sie immer noch alleine erziehen, sie ist berufstätig, sie schreibt auch noch, also ein bisschen dieses Entrüstens sein was nimmt sich diese Frau eigentlich heraus?
00:42:40: Ja ja ja und dann wieder gegen Polf von Davon ist natürlich Emily Dickinson, die gar nicht kämpft und gar keine Selbstbestätigung sucht.
00:42:57: Und sich auch wenig als Frau sieht, sondern sich praktisch als ein Käfer sieht, als eine Blume, als ein Grashalm.
00:43:14: wirklich interessant, was für ein Weg Frauen in der Literatur gegangen sind und immer noch gehen und beschreiten müssen.
00:43:27: Aber sie war ja auch nicht ganz alleine.
00:43:29: Sie hat sich zum Beispiel sehr mit Gabriella Mistral in der Zeit, eine chilinische Schriftstellerin
00:43:36: und Nobelpreisträgerin.
00:43:38: genau in den Fünfzigerjahren hat sie die Nobelpreis bekommen.
00:43:41: Ich glaube das hätte Storini sehr gefreut wenn sie das noch erlebt hätte.
00:43:46: Und also sie hatte dann sozusagen auch in Lateinamerika ihre Kontakte aufgebaut zu anderen Schriftstellern.
00:43:56: Aber sie hat wieder mal eine ganz interessante Wendung gehabt, was Alfonzina Storni so besonders macht.
00:44:07: Nämlich in diesen Versuchen auch klassischen Stil zu behalten und doch ihre Themen sehr sozial und gesellschaftlich bewegte und eigentlich rebellische Themen durchzusetzen, hatte sie langsam immer mehr und mehr eine ironische Position aufgebaut.
00:44:36: Eine Zyne schon fast, oder?
00:44:38: Das ist ja das was wir gerade auch gehört haben in deinem Gedicht die Rüstung.
00:44:41: Genau.
00:44:42: Und dann gibt es noch ein Gedicht, dass für mich auch besonders schön ist, das ist das Gedicht Euhe- oder Hör- Imperativ Erschien, nineteenhunderteinzehn.
00:44:55: Sie ist noch eine ganz junge eigentlich Dichterin oder Lyrikerin und das ist eine Parodie des weiblichen Opferdiskurses ne?
00:45:08: Und das Gedicht beginnt mit Ich werde an Deine Seite sein Schweigen, schweigen Duft duft.
00:45:19: ich werde nicht denken können Ich werde keine Worte haben, keine Wünsche.
00:45:26: Ich werde nur lieben können!
00:45:29: Wenn das Wasser traurig und eintönig fällt, werde ich Deine Brust suchen um mich zu bergen mit dieser schweren Last die ich in der Seele trage und nicht zu erklären
00:45:44: weiß.".
00:45:47: Genau, aber da hörst du so viel Ironie drin.
00:45:55: Musikalisch ist das fast wie ein Wegenlied getragen von Wiederholungen.
00:46:03: Silenzio, silenzio Perfume, Perfumen und der Rhythmus ist typisch für den Modernismo war ich klangvoll sinnlich Doch hier wird diese Ästhetik gegen sich selbst verwendet.
00:46:18: Was du sagst, also genau die Ironie das ist wunderbar, es ist wunderschön zu hören da muss man wirklich auch sofort grinsen.
00:46:23: aber der zweite was du zur Form sagst man muss sich wirklich ihre Gedichte sowieso ein Lied anhören als ob man das mal vor sich hinsinkt.
00:46:30: ja dann kriegt das noch viel mehr Kraft
00:46:33: insgesamt weil diese zarte Musikalität umhüllt eigentlich eine Grausame Ware.
00:46:42: Ja, genau wollte ich gerade sagen.
00:46:43: Und das
00:46:43: ist selbstopferung?
00:46:44: Wie
00:46:45: Teil der Ero-Nie sozusagen wie sie es auch in die Form bringt muss man ganz klar sagen.
00:46:48: Diese Völlige Selbst-, diese Hingabe dieser völligen Selbstopferungen der Frauen im Namen der Liebe
00:46:58: Und man muss auch sagen, sie war halt sehr kritisiert.
00:47:00: Aber sie war damals bekannt.
00:47:02: Es gab viele so genannte Home-Stories von ihr oder wie man sie im Urlaub interviewt hat und dann Fotos gemacht hat.
00:47:10: Sie war wirklich präsent in der argentinischen Gesellschaft.
00:47:14: Die Ironie hat sich aber gezeigt.
00:47:16: Zum Beispiel Interviews sind noch dumme Fragen.
00:47:19: Da hat sie einen Reporter gefragt was würden die tun wenn sie ein Mann wären?
00:47:25: Was hat sie geantwortet?
00:47:26: ... Mich so benehmen wie die beste Frau.
00:47:29: Ja, klar!
00:47:30: Also was kann man auch auf so eine ... Was soll man da auch sagen?
00:47:33: Sie hat das auch... Auch da hat sie ganz klar ihre Position gezeigt und natürlich, das mochten nicht alle.
00:47:41: Sie hatte auch Theaterstücke geschrieben, die jetzt aber nie sehr erfolgreich waren.
00:47:46: Nein, genau.
00:47:47: Nee, sie hatte so ne Komödie, die hieß zwei Frauen eigentlich.
00:47:51: ursprünglich hieß der Titel Der Herr der Welt Und es wurde auch Ohr aufgeführt Aber eigentlich überhaupt nicht so, wie sie sich vorgestellt hat.
00:47:59: Dieses Stück wurde ja eigentlich entrissen und wurde vollkommen neu interpretiert.
00:48:03: Und da war sie sehr unglücklich darüber.
00:48:05: Was Sie dann auch gemacht haben ist sehr mutig in der Zeit.
00:48:07: Sie hat eine Stellungnahme geschrieben.
00:48:11: Es war so ... Eine Klarstellung, das hieß dann hinter den Kulissen einer Inszenierung und hat so ein bisschen diese ganzen Machenschaften und Klüngeleien in dieser ganzen Theater-Szene auch aufgedeckt.
00:48:21: Ja?
00:48:21: Und auch gesagt wie mit ihrem Stück umgegangen wurde.
00:48:24: Das hatte ihr ja nicht nur Freunde gemacht an der Zeit!
00:48:28: Sie hat dann auch wirklich für ihr Werk eingestanden.
00:48:29: Aber das hat sie, glaube ich, so getroffen, dass sie danach nie wirklich noch mal was veröffentlicht hat, was das Theater anging.
00:48:35: Sie hat ein paar Stücke geschrieben und ganz viel für Kinder geschrieben.
00:48:38: Sie hatte auch ganz wundervolle Stücke für Kinder.
00:48:41: Sie war ja wie gesagt in einer Theaterschule für Kinder tätig.
00:48:44: Und die Kinder ... Es gibt ja so einen wundervollen Film.
00:48:47: Auch Alphonsina eine Dokumentation.
00:48:50: Und da werden auch Schüler von ihr interviewt.
00:48:54: Die beschreiben sie dann als außergewöhnliche Lehrerin, die wirklich Kinder ernst genommen hat oder eine Schülerin beschreibt.
00:49:03: dass Alphonseena gesagt hat, jetzt will ich mal wirklich fluchen und dann immer gesagt merde, merde.
00:49:07: Also scheiße, scheiße!
00:49:09: Und alle waren ganz was?
00:49:10: Was so ein Wort aus dem Bund einer Lehrerin?
00:49:13: das war keiner gewohnt aber sie hat auch einfach gezeigt Sie ist ein Mensch und das war etwas was den Kindern oder den Schülern ja bis zum Ende ihres Lebens eigentlich so eine Erinnerung geblieben ist.
00:49:24: Ja, sie war auch sozusagen in dem Bereich jemand ganz Besonderes und die jetzt nicht die normalen konventionellen Wege gegangen ist.
00:49:32: Auch in der Pädagogik.
00:49:37: Und willst du noch ein bisschen sagen was zu ihren ... Sie hatte ja, so ein Bistral war sie ja eng befreundet?
00:49:46: Der war denn noch so damalige Schriftstellerin die Sie auch noch mit beeinflusst haben und mit denen Sie hier ...
00:49:53: Eigentlich wenig.
00:49:55: Ich meine, die Schriftstellerinnen wenig.
00:49:57: Da ist eine Playade von diesen Schriftstellern, die mehr oder weniger bekannt in Europa sind.
00:50:04: Ich mein, Mistral ist dann bekanntesten eigentlich.
00:50:09: Sie hat durchaus auch selbst erwähnt, dass sie eigentlich eine einzige Frau in einer Männerdomäne war Und das war auch zum Teil ihr Schicksal.
00:50:25: Mistral ist anders, sie trägt auch diese weibliche Themen in ihrem Werk aber sie ist auch sehr ... vertieft und ihre Poesie hat eine andere Richtung genommen.
00:50:56: Alphonsina will aufwecken bzw.
00:51:02: ich weiß es nie so richtig ob das tatsächlich, also wir sprechen häufig über Intention des Autors oder der Autorin kann man her nie wissen.
00:51:16: Ich glaube, dass manchmal die bekannteste und beste Geschichten und Romane entsteht aus vielleicht eine momentale Verärgerung oder Enttäuschung oder Verliebtsein.
00:51:35: wo in einem Augenblick die Welt in ganz anderen Dimensionen erscheint schreibt der Autonieder und dann ist sein Werk eigentlich weg von ihm.
00:51:51: Und das was wir da reinlesen, dass es nicht Intention des Autors, das ist unsere eigene eigentlich Interpretationerlebnis.
00:52:02: also da prallen die Kontexte aufeinander an und wenn wir heute Alphonsina Storni rezipieren oder über sie sprechen, oder diese wunderschöne Biografie die du eben da hast.
00:52:21: Zwei Bändige, ne?
00:52:23: Genau!
00:52:24: Da kann ich gleich nochmal was zu sagen woher die kommt.
00:52:26: Das ist auch etwas das eigentlich für... Für uns heute ganz wichtig ist, dass in dieser wichtigen seltenen Juweln die man unterwegs ansammelt und dann für sich selbst eben bewahrt als preisles.
00:52:53: Und das Werk was du gerade angesprochen hast, die Biografie die ich hier habe von Hildegard Keller hat jetzt erst in den letzten Jahren tatsächlich ihr die ganze Biografie und auch ein großes Teil des Werkes von iPhone Sina dem deutschen Publikum zugänglich gemacht.
00:53:11: und hat da auch einen eigenen Verlag gegründet, die Maulhelden.
00:53:14: Und da gibt es eine wunderschöne zweibändige Biografie, die nennt sich Wach- und Freih – und mit tollen Bildern ja?
00:53:23: Also wo man auch was ich vorhin geschrieben habe in den iPhone-Siener Indien, der terrorischen Zirkeln sitzt, kreisen unter die einzige Frau ist!
00:53:31: Das sind wirklich wundervolle Fotos, auch die ein bisschen Idee geben von der Zeit damals im Argentinium von Buenos Aires.
00:53:39: also das ist sehr empfehlenswerkt Wert plus.
00:53:41: auch noch kurz, sie hat auch einige wenige Kurzgeschichten geschrieben.
00:53:45: Ihre Gedichte natürlich aber auch was ihr in den Kolumnen geschrieben habt das ist alles da zusammengefasst und gibt wirklich einen ganz tollen auch sehr kurzweiligen Einblick wirklich in Stornis Leben.
00:53:55: also wer sich da noch mehr reinließen möchte dem kann ich das sehr empfehlen.
00:54:01: Und dann, wir lernen uns so ein bisschen den dreißiger Jahren.
00:54:05: Wie gesagt sie hat sich gut etabliert.
00:54:07: Inzwischen gab es das Penn-Zentrum was gegründet ist... Was ist eigentlich Penn-Centrum?
00:54:11: Was ist dieses Penn...?
00:54:13: Kannst du das beschreiben?
00:54:15: Das gehört man ja!
00:54:16: Es gibt ja das Penn Zentrum, das wurde in London gegrüntet.
00:54:19: Was ist das?
00:54:19: Das ist die internationale Vereinigung der Schriftstelle.
00:54:23: Eigentlich eine sehr elitäre Organisation und wo die größte Schriftsteller der Welt versammelt sind.
00:54:32: und ich glaube Penn vergibt auch Preise.
00:54:37: Und wenn jemand Penn-Preis oder bekommen hat, dann ist er wirklich jemand auf den Lorbeeren
00:54:44: sitzt.".
00:54:44: Genau
00:54:45: das gibt es auch noch heute halt.
00:54:46: Das war auch eine längere Tradition inzwischen.
00:54:49: aber es gab ja in den letzten Jahren auch einen Umbruch in Argentinien.
00:54:55: Es gab ein Militärputsch und eron.
00:54:59: Genau.
00:55:00: Und dann gab es ja so eine Diktatur und dann so eine Art Marinetten-Regierung, als gab's dann konservative Regierungen die eine folgten auf die anderen und das war klar in dieser Zeit dass alles was so liberale Tendenzen angeht oder gerade Themen für feministischen Ideen haben da keine Rolle mehr gespielt oder wurden dann auch unterdrückt.
00:55:19: Ja, es waren eine schwierige Zeit.
00:55:22: nach den ein bisschen sage ich mal auffällenden Jahren davor hat das das alles so ein bisschen unterdrückt auch
00:55:28: wobei dass auch nicht so eine kompakte Masse ist, weil die Diktatur in Argentinien
00:55:40: hat
00:55:41: auch so eine kommische Figur hervorgebracht wie Evita Perron.
00:55:48: Später dann?
00:55:49: Ja!
00:55:50: Genau, Mutter der Nation
00:55:55: Argentina,
00:55:57: genau.
00:55:59: Ich möchte aber jetzt zurück zu dem Lied von Mercedes Sosa das Lied Alfonsina Yelmar zurück.
00:56:18: Das Lied wurde natürlich in Erinnerung an Alfonsino Storni und ihre tragische Ihr tragisches Ende eben geschrieben von Ariel Ramirez, der Komponist ist und Felix Luna.
00:56:34: Denn der Text geschrieben hat mehr als dreißig Jahre nach ihrem Tod Und es wurde vor allem durch die Interpretation von Mercedes Sosa eigentlich Violetta Barra und Nina Simon weltberühmt.
00:56:52: Ich liebe Nina Simon.
00:56:54: Genau,
00:56:54: und der Text beginnt mit einer saftem traurigen Erzählung über den weichen Sand, den das Meer umspült, kehrt ihre kleine Spur nie mehr zurück.
00:57:15: Wir können das Lied auch... Spielen vielleicht?
00:57:20: Ich habe mal gecheckt mit den ganzen ... Es wird schwierig.
00:57:25: Wenn wir nicht arm werden wollen, aber hört es euch gerne an auf YouTube.
00:57:30: Am besten gleich wenn der Podcast hier vorbei ist, schaut einfach nach Mercedes Soda.
00:57:38: Dann könnt ihr das Lied hören!
00:57:39: Das ist wirklich sehr schön.
00:57:41: Und in diesem Lied wird Storni in einer müdischen Szene der Auflösung gesetzt.
00:57:50: Eine Frau, die einsam, still und poetisch ins Meer geht um Frieden zu finden.
00:57:58: Das Meer wird zur Mutter, zur ewigen Rückkehr, zur mystischen Umarmung.
00:58:04: ein Bild von Versöhnung nicht vom Konflikt Und dieses Bild der sanften Selbstauflösung.
00:58:17: eigentlich verschiebt den Akzent von Stornis Akt der Selbstbestimmung zu einer romantischen Geste weibliche Melancholie.
00:58:28: Der Tod erscheint als passiv, nicht als Entscheidung poetisch, nicht politisch, naturhaft und nicht intellektuell.
00:58:42: Und so entsteht die Figur der Poeta Martyr, der leidende einsame Dichterin, die zu empfindsam für das Leben ist.
00:58:56: Das ist ein vertrautes Narrativ der männlichen
00:58:59: Kulturgeschichte.".
00:59:01: Ja, wollte ich grad sagen?
00:59:02: Das entspricht ja gar nicht wirklich so wer sie eigentlich war.
00:59:05: also ich glaube nicht dass sie das gewollt hätte, dass es so gesehen wird.
00:59:09: und Frauen, die zu stark oder zu klug sind werden zur Empfindsamkeit zurück übersetzt.
00:59:17: Ihre Wut wird als Traurigkeit
00:59:19: gelesen.".
00:59:21: Oder sie leiden an Hysterie?
00:59:23: Und das
00:59:24: ärgert mich maßlos!
00:59:26: Weil die wirklichen von Sinastorni, die historischen Storni war das Gegenteil
00:59:32: dieses Mythos.
00:59:33: Ja, das stimmt.
00:59:34: Also Sie waren Arbeiterkind, eine alleinerziehende Mutter, Journalistin öffentliche Intellektuelle, die in den zwanziger Jahren im Buenos Aires Kolumnen über Politik, Sexualität, Frauenarbeit und Mutterschaftsschrieb schrieb.
00:59:51: Sie war ironisch, kämpferisch unbequem eine Frau, die sich über die männliche Kultur lustig machte.
00:59:59: In ihren Gedichten aus... also wird klar, dass sie die weibliche Identität als Spannung zwischen Selbstbehauptung und gesellschaftlicher Zensur versteht.
01:00:13: Ihr Humor ist scharf nicht wehmutig.
01:00:16: Ihre Sprache bricht mit den Konventionen der Samftheit.
01:00:22: Und Sie wird vom politischen Subjekt zu ästhetischer Ikone gemacht.
01:00:28: Ich meine obwohl das Lied so schön ist ich kann es nicht mehr hören.
01:00:35: Man muss ja auch sagen, diesen Tod so zu romantisieren.
01:00:37: Da ist jemand ins Wasser gegangen und ist auch ertrunken.
01:00:40: Sie ist eine Art weizund das ist eine art lateinamerikanischer Ophelia.
01:00:46: Sie wird dazu gemacht und sie war alles anders als das.
01:00:52: Es gibt ja auch an dem Strand ein schönes Steinstato von ihr diese auch sehr idealisierend ist, wenn man sich die mal anschaut.
01:00:59: Es sieht aus wie eine Göttin, die ins Meer geht.
01:01:03: Aber wir haben noch gar nicht gesagt warum sie diesen extremen Schritt gegangen ist.
01:01:08: Sie wurde bei ihr Brustkrebs.
01:01:10: tatsächlich diagnostiziert.
01:01:12: Und also, und da war sie auch im Meer oder eine Geschichte war mehr.
01:01:18: und dann kam ne Welle an ihre Brust und sie hatte auf einmal einen ganz durchdringenden Schmerz.
01:01:22: hat sich denn abgetastet und hat dann halt ein größeren Knoten festgestellt.
01:01:26: und damals wie gesagt wir sind dreißiger Jahren die Krebsforschung war wirklich in dem Beginn noch.
01:01:30: oder ja man war da relativ radikal.
01:01:33: also man hat ihr dann auch die Brust abgenommen, Lymphknoten entfernt Aber das hat halt nichts geholfen.
01:01:40: Sie hat relativ schnell auch gemerkt, dass der Krebs immer noch da ist und wahrscheinlich nie weg war.
01:01:44: Und sie hat auch in der Zeit ... Sie wollte das nicht thematisieren.
01:01:47: Sie hatte nur mit sehr wenigen Menschen über ihre Erkrankung gesprochen.
01:01:51: In den nächsten drei Jahren bis zum Tod hat sich das so verschlimmert.
01:01:55: Sie konnte dann nicht mal mehr den Arm heben.
01:01:58: Also sie hat wirklich große ... große Schmerzen, Arlitten.
01:02:01: Und in der Zeit waren auch zwei weitere Freunde von ihr, auch Schriftstellerfreunde.
01:02:06: zum Beispiel Raphio Quiroga hatte sich damals auch das auf.
01:02:09: ein bekannter Schriftstealer hat er sich das Leben auch genommen.
01:02:13: Er war im Prostatakrebs erkrankt und sie hat dann halt entschieden auch diesen Weg zu gehen.
01:02:19: Genau!
01:02:19: Und selbst in den Tod ist sie nicht passiv gewesen?
01:02:23: Selbstbestimmt
01:02:24: bis zum
01:02:24: Schluss.
01:02:24: Da treffen wir
01:02:25: uns wieder an.
01:02:28: Und da müssen wir uns wirklich richtig Gedanken machen, wie das damals war.
01:02:40: Vor hundertfünfzig Jahren fast.
01:02:44: und ist es nicht so dass wir immer noch heute eben diesen Kampf fechten und dass wir eigentlich durch gegen bestimmten oder vor bestimmten Rollen ankämpfen mussten.
01:03:06: Und ich meine, da war Alphonsina Storni eigentlich ein Vorbild und anstatt sie unter den Nixen zu betten auf dem Grund des Meeres mit Algen und Muscheln zu bedecken Man muss einfach wissen, dass sie selbst im Tod selbstbestimmt klar und entscheidend war.
01:03:40: Und für sich eingestanden hat?
01:03:41: Ja!
01:03:42: Für sich eingiestanden hat und nicht eben sich weiterquälen wollte, sondern dann wollte eben ihren Tod selbst bestimmen – Ihren Augenblick.
01:03:53: Aber….
01:03:54: Entschuldigung, literarisch und poetisch bringt sie eigentlich Themen, die immer noch heute schwer zu bringen sind.
01:04:06: Und immer noch Heute reden wir und sprechen und dichten über diese Themen nicht – und das ist eben die weibliche Intimität!
01:04:19: Das was Sie thematisiert, wäre auch heute noch mutig.
01:04:25: Das ist Quelle der weiblichen Erotik Das sind eigentlich ... ja, Empfindungen eines weiblichen Körpers.
01:04:41: Wenn der Körper in Liebe ist?
01:04:46: Da sind Themen die wir immer noch heute sehr zerkraft.
01:04:52: Oder wenn dann aus der Perspektive des Mannes eher, das meinst du auch oder?
01:04:56: Also es ist Thema Sexualität oder da hat man hier Zugang.
01:05:00: also man kann weiß ich nicht über als ich Pornos anschauen oder was auch immer.
01:05:05: Also das Thema Sexualität ist ja nicht mehr so tabuisiert wie vor hundert Jahren, aber du meinst jetzt die Perspektive der Frau
01:05:12: in erster
01:05:12: Linie?
01:05:13: Ist
01:05:13: immer noch sehr selten.
01:05:15: und wenn dann man rezipiert dass immer noch mit sagen wir eine gewisse Distanz Das heißt, Weiblichkeit ist immer noch schambehaftet.
01:05:37: Und da haben wir eine große Dichterin der verkannt ist und die eigentlich Post-Hum in einer romantischen verkennende Hühle eigentlich der Zukunft übergeben werden.
01:06:06: Vielleicht noch ein kleines Zitat von ihr, was sie so gesagt hat oder wie ihre Auffassung war.
01:06:12: Was sie sich wünscht für die Frau oder wie die Frau in der Gesellschaft gesehen wird sollte werden sollte.
01:06:18: Ich bin der Auffassung dass eine Frau das Recht auf ein freies Leben hat So unbehelligt wie der Mann Der im glücklichen Fall seinen Freiheitsrecht nicht missbraucht.
01:06:30: Die Frau soll ihre geistige Fähigkeit dadurch erlangen, dass sie ohne Verdächtigung und Gerüchte leben frei ihren Verstand gebrauchen um mit der Heiterkeit derjenigen leben kann die sich ihr tägliches Brot selbst mit eigener Kraft verdient.
01:06:46: Ja ja
01:06:48: Das hat Sie sich gewünscht aber das hat sie so selbst im Leben nicht erfahren
01:06:53: Oder doch
01:06:55: Weil?
01:06:55: sie hat es gemacht sie hatte selbst bestimmt gelebt.
01:06:57: Aber dass sie auch geschrieben ohne Gerüchte
01:07:01: Ja, aber wir wünschen uns immer ein Happy End.
01:07:05: Und Happy End ist eigentlich trivial.
01:07:14: In Grunde genommen hat sie ein sehr bewusstes und mutiges ... Sie hat nach ihrem eigenen Maßen gelebt.
01:07:27: Ich finde das wirklich ganz besonders.
01:07:32: Deswegen würde ich sie.
01:07:36: Und das wollen wir jetzt auch tun, weil wir kommen langsam zum Ende unseres Podcasts und erinnert euch vielleicht... Ich hatte ja zum Beginn die Geschichte von ihr erzählt wie Sie sich dann ins Meer stürzt und ich habe doch erzählt dass sie noch ein Zettel geschrieben hat und in einen Umschlag gepackt hat.
01:07:59: und die Frage ist ja was stand da drauf?
01:08:00: Was war das für ein Zettle?
01:08:02: Und zwar war das ihr letztes Gedicht, was sie an eine Tageszeitung geschickt hat.
01:08:09: Was auch?
01:08:10: am nächsten Tag also dann als es sobald das angekommen ist wurde er veröffentlicht und dann war auch im Zweifelsfreie ausgeräumt.
01:08:17: Dann war klar, sie hat Selbstmord begangen weil das war ja gar nicht sofort klar.
01:08:22: Ich würde gerne dieses Gedicht zum Abschluss noch vorlesen.
01:08:27: Und zwar heißt das Gedicht Auf Deut, ich gehe schlafen.
01:08:36: Zehne aus Blüten die Hauber aus Tau.
01:08:39: Hände aus Kräutern.
01:08:41: du meine feine Amme.
01:08:43: Bereite mein Bett mit Laken aus Erde und einer dicken Decke aus gezupften Moos.
01:08:50: Ich geh schlaven meiner Amme.
01:08:53: deck mich zu.
01:08:54: Stell mir einen Lampe ans Bett Irgend ein Sternbild das dir gefällt.
01:08:59: alle sind recht.
01:09:00: Ein wenig näher bitte lass mich allein.
01:09:04: Du hörst die Knospen aufspringen.
01:09:06: Von oben wiegt dich ein Himmelsfuß und ein Vogel zeichnet eine Melodie dazu, damit du vergisst Danke.
01:09:15: Ach noch eine Bitte Wenn er noch einmal anruft sag ihm Er soll es sein lassen.
01:09:21: Ich sei nun fort.
01:09:26: Also nicht nur selbst bestimmt Sie hat auch bis zum Ende bestimmt welche Worte sollen noch
01:09:33: ironisch
01:09:35: Das auch noch.
01:09:35: Aber wer?
01:09:36: Was soll sozusagen ihre letzten Brote sein?
01:09:38: und die wurden dann als dieser
01:09:39: Brief... Und sicherlich nicht
01:09:42: den Nixen!
01:09:42: Sicherlich nicht
01:09:43: der
01:09:43: Nix.
01:09:43: Und dieser Brief wurde dann wie gesagt auch abgedruckt, und dann hat ihm die Bevölkerung vor Argentinien schwarz auf weiß lesen können.
01:09:52: Ja tolle, tolle.
01:09:54: Ich fand es toll.
01:09:55: dass wir heute überall von Sina gesprochen haben ist auch sehr bewegend merke ich.
01:09:59: so.
01:10:00: Ich glaube, ich weiß nicht wie es euch geht.
01:10:01: Aber die Geschichte von ihr lässt niemanden so kalt.
01:10:04: Also wirklich eine ganz tolle Frau kann man nur ganz bewundern drauf schauen
01:10:09: und eine große, große Dichterin.
01:10:12: Das auch
01:10:12: ja!
01:10:13: Wir hoffen dass ihr einen Einblick gewonnen habt von ihr und ihrem Werk im Leben den damaligen Umständen.
01:10:20: Und wie gesagt hört euch gerne das Lied an schaut euch die Biografie an.
01:10:24: Lesgedichte von ihr.
01:10:25: wir wollen euch ganz herzlich dazu einladen.
01:10:27: Schön, dass du da warst.
01:10:28: Yelena, es war wieder eine Freude mit dir und bis zum nächsten Mal ihr Lieben!
01:10:33: Tschüss!
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